Autor:
Martin Jahns

Comebacks, Außenseiter, Quereinsteiger und mehr

Wie Leidenschaft Sportstars antreibt - und was passiert, wenn sie erlischt

Wie drückt sich die Leidenschaft für den Sport bei Profis aus? Wir zeigen fünf Typen von Passion bei Athletinnen und Athleten: Von eindrucksvollen Comebackern wie Alex Zanardi, Nimmersatten wie Tom Brady, Multitalenten wie Michael Jordan - und Weltstars, bei denen die Leidenschaft für das Profileben plötzlich erloschen war.

Wie treibt Leidenschaft Sportler an? Und was passiert, wenn sie erlischt?

Um im Profisport Fuß zu fassen, ist Leidenschaft für den Sport unabdingbar. Sich jeden Tag im Training und in den Wettkämpfen zu schinden oder auch nach Verletzungen, Schicksalsschlägen oder einer langen Pause zurückzukommen bedarf der Extraportion Passion, die Profis vom Freizeitsportler unterscheidet.

Wir zeigen fünf Arten, auf die sich Leidenschaft bei weltberühmten Athletinnen und Athleten äußert – und wie sie bei einigen Sportstars plötzlich erloschen ist.

Niemals aufgeben: Die Comebacker

Selbst schwerste Schicksalsschläge haben diesen Sportlern nicht die Liebe zum Sport genommen. Die Comebacker kämpfen sich über Monate, teils Jahre wieder zurück und erreichen dabei auch noch Weltklasse-Niveau.

Niki Lauda etwa saß nur 43 Tage nach einem schweren Rennunfall mit lebensgefährlichen Lungenverletzungen und schweren Verbrennungen wieder in einem Formel-1-Cockpit. Der American-Football-Spieler Alex Smith schwebte nach einer Bein-OP wegen einer Infektion in Lebensgefahr und stand kurz davor, sein Bein zu verlieren. Nach Jahren der Reha feierte er im Jahr 2020 ein ebenso unerwartetes wie berührendes Comeback nach über zwei Jahren Leidenszeit.

Der italienische Rennfahrer Alessandro Zanardi verlor nach einem schweren Rennunfall im Jahr 2001 beide Beine, kämpfte sich dann allerdings auf dem Handbike in die Weltspitze des Behindertensports und gewann mehrfach Gold bei den Paralympics. Nach einem erneuten schweren Unfall bei einem Handbike-Rennen in Italien im Sommer 2020 schwebte Zanardi in Lebensgefahr, musste mehreren Notoperationen unterzogen werden und konnte Medienberichten zufolge erst nach Monaten im Krankenhaus wieder sehen, hören und sprechen.

Alessandro Zanardi verlor nach einem Motorsportunfall beide Beine, dominierte dann auf dem Handbike.

Eine Sportart reicht nicht: Die Experimentierfreudigen

Was machen, wenn ein Sport einfach nicht genug ist? Wenn das Talent auch in einem anderen Sport für Profitum reicht? Oder wenn die eigene Disziplin nur saisonal Wettkämpfe zulässt? Dann muss ein Ausgleichssport her – und das auf möglichst hohem Niveau.

So etwa bei Michael Jordan, der auf dem Höhepunkt seines Schaffens als NBA-Basketballer 1993 aus dem Nichts seinen Rücktritt erklärte, um sein Glück als Profi-Baseballer zu versuchen. Da er aber über die Minor League Baseball nicht hinauskam, zog es Jordan 1995 dann doch zurück in die NBA.

Noch größer war die Diskrepanz der Sportarten, an denen sich Sven Hannawald probierte: Als Skispringer gelang ihm als erstem Menschen überhaupt das Kunststück, alle vier Springen bei einer Vierschanzentournee zu gewinnen. Nach seiner Wintersportkarriere verschlug es den Sachsen ausgerechnet zum Motorsport: Er fuhr mehrere Jahre in Sportwagenklassen etwa in der ADAC GT Masters sowie in Porsche- und Seat-Serienmeisterschaften.

Historisches gelang der Kanadierin Clara Hughes. Sie gewann als einziger Mensch sowohl bei Olympischen Sommer- als auch Winterspielen Medaillen: Bronze im Straßenradrennen 1996 in Atlanta folgten insgesamt einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze als Eisschnellläuferin bei den Winterspielen 2002, 2006 und 2010.

Karriereende? Nein, danke: Die Nimmersatten

Sie können es einfach nicht lassen. Die Vitrine ist voll von Titeln und Auszeichnungen? Andere Athleten in ihrem Alter sind längst Trainer oder TV-Experten? Für die Nimmersatten ist gerade das umso mehr Ansporn, auch im hohen Sportleralter Bestmarken zu jagen, selbst wenn sie ihren Platz in den Sportgeschichtsbüchern schon seit Jahren innehaben.

So etwa Tom Brady, der auch mit 43 Jahren noch nicht genug von der NFL hat, sich bei den Tampa Bay Buccaneers als Quarterback-Methusalem noch einmal neu erfinden musste – und dies erfolgreich tat: 2021 gewann Brady mit seinem neuen Team seinen siebten Super Bowl.

Oder Ole Einar Björndalen. Der Norweger – Spitzname „der Kannibale“ – lief auch mit 44 Jahren noch im Weltcup mit und gewann mit 43 noch WM-Gold. Auch wenn es für Björndalen in den letzten neun Karrierejahren nicht mehr zum Weltcup-Gesamtsieg reichte, ist er dennoch bis heute der erfolgreichste Biathlet der Geschichte.

Serena Williams hat dagegen auch mit 39 noch eine ewige Bestmarke vor Augen: Seit 2017 versucht die US-Tennis-Queen, den einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen, der ihr zu 24 Trophäen und damit dem ewigen Rekord von Steffi Graf fehlt. Dass Williams nichts an Ehrgeiz eingebüßt hat, zeigen ihre hin und wieder streitbaren Ausraster auf dem Platz.

König der Nimmersatten ist allerdings der 54-jährige Japaner Kauzuyoshi Miura, der noch immer als Profi-Fußballer beim Yokohama FC unter Vertrag steht und damit der älteste Fußballprofi der Welt ist. Seine Karriere begann er im Jahr 1986 beim FC Santos in Brasilien. Zur Einordnung: Lionel Messi war da noch nicht einmal geboren.

Ole Einar Björndalen, ehemaliger Biathlon-Dominator, auf der ISPO Munich.

Dabei sein ist alles: Die Idealisten

Nicht jeder ist mit dem Talent, Körper oder schlicht den Trainingsbedingungen gesegnet, die es zu einer Karriere im Spitzensport braucht. Dennoch schaffen es dank ihrer Leidenschaft und den Qualifikationsregularien etwa bei den Olympischen Spielen immer wieder echte Außenseiter zu den größten Wettbewerben der Welt.

So etwa der britische Skispringer Michael „Eddie the Eagle“ Edwards, der angesichts des Nischendaseins seines Sports im Königreich sein Glück trotz Übergewicht, dicken Brillengläsern und fragwürdiger Technik auf eigene Faust versuchte und bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary zum Publikumsliebling wurde.

Vanessa Mae wurde eigentlich als Cellistin zur Berühmtheit. Umso erstaunlicher war es, dass sie es für das Heimatland ihres Vaters Thailand als Skifahrerin zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi geschafft hat. Zwar wurde Mae mit über 50 Sekunden Letzte im Riesenslalom, dafür steht sie aber auf ewig als erste teilnehmende Thailänderin bei Olympischen Winterspielen in den Sportgeschichtsbüchern.

Wenn die Leidenschaft abflaut: Die Zufriedenen

Nicht alle Athleten können oder wollen um Siege und Bestzeiten kämpfen, bis es der Körper nicht mehr zulässt. Schon so mancher Sportler hat schon in frühen Jahren für sich den Entschluss gefasst, dass die Leidenschaft für die täglichen Trainingsstrapazen als Profi schlicht nicht mehr groß genug ist.

Beispiele sind Sportler wie Nico Rosberg, der nach seinem WM-Titel in der Formel 1 mit 31 Jahren seine Rennfahrerkarriere beendet hat, um sich seiner Familie zu widmen.

Björn Borg, der die Tenniswelt Anfang der 1980er Jahre dominierte, kündigte sein Karriereende mit 26 völlig unvermittelt in einer Presserunde an. Als Grund gab er an, dass ihm Tennis einfach keinen Spaß mehr mache. Mehrere Comeback-Versuche in den Neunzigern blies der Schwede nach schnellen Niederlagen dann doch wieder ab.

Auch Magdalena Neuner, die in ihren sechs Profijahren im Biathlon alle wichtigen Titel gewinnen konnte, hatte mit 25 Jahren genug vom Leistungssport und verkündete ihr Karriereende aufgrund von Motivationsproblemen, einer gewünschten Rückkehr zur Normalität und Familienplänen.

Magdalena Neuner ist seit dieser Saison ARD-Expertin und an der Seite von Moderator Michael Antwerpes zu sehen.
Magdalena Neuner beendete ihre Biathlon-Karriere bereits mit Mitte 20.
Autor:
Martin Jahns
Kommentare