Autor:
Lars Becker

„Warum im Juli auf dem Gletscher trainieren?“

Felix Neureuther fordert Änderungen in der Ski-Szene

Felix Neureuther wird zum zweiten Mal Vater und hat auch deshalb die Zukunft besonders im Blick. Auf der ISPO Munich 2020 fordert er vom Zirkus der weltbesten Skifahrer Veränderungen in Sachen Nachhaltigkeit.

Felix Neureuther auf der ISPO Munich 2020
Felix Neureuther fordert ein Umdenken im Aki-alpin-Zirkus

Es war lange unklar, ob Felix Neureuther auch in diesem Jahr auf der ISPO Munich auftaucht. Der 35-Jährige Skirennfahrer in Ruhestand soll in diesen Tagen schließlich zum zweiten Mal Vater werden. Am Montag erschien er trotzdem fast pünktlich zur Visite bei der Outdoor-Firma Jack Wolfskin, für die er neuerdings ein werbewirksames Testimonial ist.

Später schaute er dann auch noch beim Lawinenairbag-Hersteller ABS vorbei, an dem er persönlich beteiligt ist. Auf die Frage, wann seine Ehefrau Miriam denn nun das Geschwisterchen für Matilda (2) auf die Welt bringt, antwortete Neureuther nur ganz kurz: „Bald.“

Felix Neureuther: „Wenn du Papa wirst, verschiebt sich jede Priorität“

Wesentlich gesprächiger wurde der neue TV-Ski-Experte der ARD beim Thema, was diese größer werdende Familie in ihm auslöst: „Wenn du Papa wirst, verschiebt sich ohnehin jede Priorität. Man macht sich einfach viel mehr Gedanken, was die Themen Bildung, Natur, Erde und Zukunft betrifft. Es dreht sich einfach alles um das Thema Nachhaltigkeit.“

Dabei hat er in Zeiten von jugendlichen Umwelt-Aktivistinnen wie Greta Thunberg auch die Szene der weltbesten Skifahrer im Blick, zu der er als Aktiver selbst bis zum vergangenen Jahr gehört hat.

Neureuther: Gletscher schonen und Weltcup-Auftakt verschieben

„Um die Jugendlichen für den Skisport zu begeistern, muss man ein glaubwürdiges Produkt anbieten. Warum muss man dann im Juli auf dem Gletscher trainieren? Wir müssen sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen und die Gletscher schonen“, sagt Neureuther. Auch die klimaschädlichen Trainings-Trips der weltbesten Skiteams auf die Südhalbkugel im Sommer kann man sich nach seiner Meinung sparen.

In einem ORF-Interview hatte Neureuther zuvor schon die Verschiebung des gewöhnlich bereits Ende Oktober auf dem Gletscher in Sölden stattfindenden Weltcups-Auftakts um ein paar Wochen nach hinten ins Gespräch gebracht.

Svindal hat andere Ideen für mehr Nachhaltigkeit im Skisport

Neureuthers ehemaliger Kollege Aksel Lund Svindal macht sich auf der ISPO Munich ein paar Stände weiter ebenfalls Gedanken über die Zukunft seiner geliebten Sportart. Die Idee eines Gletscherskiverbots für Topfahrer im Sommer hält er aber nicht für umsetzbar: „Dann müsste man das wie die Testbeschränkungen in der Formel 1 überwachen. Das ist unrealistisch.“

Der zweimalige Olympiasieger und Gesamtweltcupsieger sowie fünfmalige Weltmeister bringt dagegen andere Vorschläge ins Spiel: „Skilifte sollten immer mehr mit nachhaltig erzeugter Elektrizität betrieben werden. Und wir sollten so viele Leute wie möglich zum Skifahren und in die Natur bringen – mit der Liebe für das Outdoor-Leben kommt auch die emotionale Verantwortung für die Zukunft des Planeten.“

„Beweg dich schlau“: Neureuther setzt auf Kinder

Felix Neureuther sieht den besten Ansatzpunkt dafür bei den Kindern. Seit zehn Jahren ist Neureuther Botschafter für die Bewegung „Sport im Hort“, seit 2012 gibt es die Ski-Camps der „Felix Neureuther Ski Academy“ und seit 2014 ist er Botschafter für „fit4future“ sowie des Projekts „Beweg dich schlau!“. Damit will Neureuther etwas gegen die Handy- und Computer-Fixierung der jungen Generation tun: „Das kann nicht die Zukunft sein. Liebe Kinder, der Spielplatz und die Natur sind doch viel spannender. Bewegung und Sport sind entscheidend.“

Natürlich war deshalb auch das zweite Kind von Felix Neureuther schon vor seiner Geburt „draußen“ auf der Skipiste unterwegs: „Es ist schon im Bauch ein bisschen mitgefahren.“

Autor:
Lars Becker
Kommentare




Wintersport
Storys, News, Ratgeber und Hintergründe aus der Welt des Wintersports lesen Sie hier.