Autor:
Lars Becker

Winterbesteigung des Manaslu läuft

Alex Txikon: Wie man Extrembergsteigen mit Nachhaltigkeit verbindet

Alex Txikon will mit der Winter-Besteigung des 8163 Meter hohen Manaslu in die alpinen Geschichtsbücher eingehen. Der Spanier verbindet Extrembergsteigen mit nachhaltigen Initiativen, wie er im Exklusivinterview mit ISPO.com verrät.

Alex Txikon will mit der Winterbesteigung des Manaslu in die Geschichtsbücher eingehen.
Alex Txikon will mit der Winterbesteigung des Manaslu in die Geschichtsbücher eingehen.

Die Manaslu-Expedition von Alex Txikon und dem Italiener Simone Moro gehört zweifellos zu den absoluten Bergsport-Highlights im Corona-Winter 2020/2021. Das Duo hat 2016 bereits gemeinsam den Nanga Parbat im Winter bestiegen. Winter-Besteigungen der Achttausender im Himalaya gelten wegen der oft komplizierten Wetterbedingungen und riesiger Schneemassen als eines der letzten großen Abenteuer im Extrembergsteigen.

Alex Txikon verbindet den Besteigungsversuch des 8163 Meter hohen Manaslu mit nachhaltigen Initiativen für die Umwelt und die Bevölkerung in Nepal. So sollen zum Beispiel bei der Expedition verwendete Solarpanels für Schulen gespendet werden. Im Interview mit ISPO.com erklärt der 39-Jährige, warum das für ihn extrem wichtig ist.

ISPO.com: Alex Txikon, was sind Deine persönlichen Höhepunkte in der bergsteigerischen Karriere und wie haben all diese Expeditionen zu Deinem heutigen Wissen über Winterbergsteigen beigetragen?
Alex Txikon: Wir können nur deshalb derzeit versuchen, mitten im Winter den Manaslu zu besteigen, weil andere uns den Weg gewiesen haben. Ich habe immer gesagt, dass es wichtig ist, aus der Vergangenheit und von all den Menschen zu lernen, die diese Berge vor uns bestiegen haben. Dank ihnen wissen wir, welche Routen mehr oder weniger einfach sind und was wir zu erwarten haben. Das große Erbe, das sie uns hinterlassen haben, ermöglicht uns auch eine Einschätzung, wie sich der Klimawandel auf diese Umgebungen auswirkt. Ich selbst habe in den letzten zehn Jahren sehr offensichtliche Veränderungen gesehen. Und viele davon waren nicht zum Guten.

Alex Txikon (r.) und sein Bergsteiger-Kollege Simone Moro.
Alex Txikon (r.) und sein Bergsteiger-Kollege Simone Moro.

Nachhaltig bergsteigen: Wasserfilterung und Solaranlagen

All Deine jüngeren Expeditionen waren geprägt von humanitären und solidarischen Werten sowie einem festen Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und zum Einsatz erneuerbarer Energien. Was davon konntest Du auch bei der Manaslu-Expedition einbringen?
Wir versuchen seit Jahren, unseren Beitrag zu leisten, natürlich auch bei dieser Expedition. Dank der SOS Himalaya Foundation haben wir mehr als 200 kg humanitäres Material transportiert. Darüber hinaus haben wir durch die Filterung des Wassers den Verbrauch von Wasser in Flaschen eliminiert. Durch den Einsatz von Solaranlagen sind wir zu 100% autonom in unserem elektrischen Bedarf und vermeiden den Einsatz von Benzingeneratoren im Basiscamp. Das sollte obligatorisch für jede Expedition in den Himalaya sein! Wir haben gar keine Vorstellung von dem Fußabdruck, den wir jedes Mal hinterlassen, wenn wir kommen. Die Leute, die mich begleiten, kennen mein Engagement für dieses Thema. Sie wissen, dass wir alle Abfälle, die wir erzeugen, bei der Rückkehr wieder mitnehmen. Auch der Name Manaslu EKI für die Expedition in Anlehnung an die EKI-Stiftung soll ein Zeichen setzen. Die Stiftung liefert spektakuläre Arbeit, indem sie die notwendige Technologie zur Erzeugung von Solarenergie in Ländern bringt, in denen sie am dringendsten benötigt wird.

Teammitglieder während der Expedition auf dem Manaslu.
Teammitglieder während der Expedition auf dem Manaslu.

Mit dem Nanga Parbat - und hoffentlich auch dem Manaslu - schreibst Du moderne Bergsteigergeschichte. Was sind Deine Hauptziele für die kommenden Winter? Willst Du zum K2 oder dem Mount Everest zurückkehren?
Mein Ziel war nie, in die Geschichte einzugehen. Es gibt andere menschliche Handlungen, die das mehr verdient haben. Ich klettere nur auf Berge, weil es meine Leidenschaft ist. Zum Mount Everest spüre ich eine besondere Zuneigung. Nirmal Purja hat es geschafft, den Berg ohne Sauerstoff zu besteigen, aber wo der K2 endet, sind es immer noch fast 250 Meter senkrecht zum Gipfel des Everest! Teil des Erfolgs einer Winterexpedition sind Planung, Erfahrung, aber auch Wetterberichte. Auf jeden Fall haben wir es drei Winter erfolglos versucht! Die Vorbereitung und Durchführung von Winterexpeditionen erfordert viel Aufwand. Wir werden sehen, was 2021 noch für uns bereithält und welche Projekte wir durchführen können.

Txikon-Ausrüster auf der ISPO Munich Online

Anfang Februar fand die ISPO Munich Online statt, zu deren Ausstellern auch Trangoworld gehörte, ein spanischer Hersteller von Outdoor-Ausrüstung, der Dich unterstützt…
Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass eine Marke so lange an mich glaubt und mich bei Projekten dieser Größenordnung unterstützt. Sie haben ein erstklassiges Produkt. Dank Trangoworld gehe ich mit der bestmöglichen Ausrüstung in die Expeditionen. Nur so ist es möglich, den Wetterbedingungen zu trotzen, die wir im Winter auf 8.000 Meter haben. Ich hoffe, wir können weiterhin gemeinsam Abenteuer erleben und sie für viele Jahre mit der Welt teilen.

Winter-Expeditionen im Himalaya sind wegen der extremen Bedingungen besonders hart.
Winter-Expeditionen im Himalaya sind wegen der extremen Bedingungen besonders hart.

Erzähl uns zum Schluss noch ein wenig über Deine bergsteigerische Karriere, Deinen Hintergrund und wie Du mit dem Klettern begonnen hast…
Ich habe den „Busch“ schon geliebt, als ich noch klein war. Eine meiner ersten Erinnerungen ist der Berg Gorbea in der Nähe meines Geburtsortes. Ich war ungefähr 3 Jahre alt… Mit 21 entdeckte ich den Himalaya und stieg auf den Broad Peak. Seitdem habe ich fast mehr Zeit im Himalaya verbracht als zu Hause! Auf jeden Fall bin ich gerne in der Natur, ich liebe jede Outdoor-Aktivität. Ich liebe Reisen, andere Kulturen kennenlernen, die Lebensweise anderer Menschen aufsaugen und daraus zu lernen, wie sie das Leben verstehen. Das Reisen und Entdecken anderer Ecken des Planeten bietet uns eine viele breitere Sicht auf die Dinge.

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Lars Becker
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