INTERVIEW | 02.08.2022

Harald Rettich kauft keine neuen Klamotten – nur Unterhosen

5 Fragen - 5 Antworten
Autor:
Uschi Horner

Harald Rettichs Leben dreht sich um das Thema Nachhaltigkeit. Nicht nur beruflich, sondern auch privat. Seit Januar 2020 leitet der 53-Jährige das Corporate Partnerships-Team bei myclimate Deutschland. Auch außerhalb seiner Arbeit denkt er intensiv darüber nach, wie er klimafreundlicher leben kann. Kauft second hand Klamotten, außer Unterhosen, und hat generell eine Challenge laufen: nichts Neues kaufen. Nur bei seinem liebsten Hobby, dem Laufen, muss er Kompromisse machen. Und vielleicht auch mal wieder beim Fliegen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Vorhang auf für unsere 5 Fragen – ab sofort einmal im Monat auf ISPO.com.

 

1. Was war dein größter Sieg und was war deine größte Niederlage?

Ich bin tatsächlich schon ein bisschen stolz darauf, dass ich mich immer wieder selbst hinterfragen kann, und in der Lage bin, mein Leben komplett zu verändern. Und das habe ich auch im Hinblick auf das Thema Klimawandel gemacht. Ich war nicht immer nachhaltig unterwegs, trotzdem habe ich das ziemlich konsequent geändert, nicht zu 100 Prozent erfolgreich, aber zu einem großen Ausmaß. Mein Leben ist generell geprägt von Neuanfängen. Ich war ja mal Landschaftsgärtner, und bereue schon, dass ich es nicht weitermachen konnte. Es war damals mein Traumberuf, und auch heute sehe ich das ähnlich. Wenn ich jetzt das machen würde, würde ich auch sehr glücklich sein damit, aber das Leben hat sich halt anders ergeben…

Das trifft auch auf mein nächstes, großes Ziel zu: Ich bestreite meinen ersten Marathon – im vierten Anlauf. Ich habe nämlich drei Jahre lang immer Pech gehabt. Also ich war jedes Mal top vorbereitet und habe mir vorher immer etwas eingehandelt. Letztes Jahr habe ich knapp eine Woche davor einen Radunfall gehabt, habe mir meine Schulter gebrochen und die Hüfte geprellt. Ich dachte es geht, aber es ging nicht. Deswegen sage ich, ich bin froh, wenn ich dabei bin, wenn ich dort am Start stehe. Das reicht mir vollkommen. Und natürlich finishen. Aber auch das ist noch ein langer Weg hin.

2. Kommen wir zu Glück und Business. Wie passt das für dich zusammen?

Das hört sich fast zu platt an, aber wenn du deiner Berufung folgst, bist du automatisch glücklicher. Deshalb hat Glück für mich sehr viel mit Business zu tun. Wenn ich in meinem Job nämlich was mache, wozu ich mich berufen fühle, dann nimmt es so viel Platz ein, und beschert einem so ein gutes Gefühl, dass das Business sehr viel zum Glücklichsein beiträgt. Das geht mir nicht erst seit drei Jahren so. Ich habe eigentlich mein ganzes Leben öfter mal Jobs gewechselt, auch die unterschiedlichsten Herausforderungen gemeistert und bin fast immer meinen Überzeugungen gefolgt.

3. Du kaufst – außer Unterhosen – keine neuen Klamotten mehr. Stimmt das?

Also meine Challenge ist immer: Nichts Neues zu kaufen, denn es gibt ja alles schon. Und ich überlege mir bei jeder Anschaffung, ob das nicht schon mal produziert worden ist für jemanden, damit es nicht extra für mich produziert werden muss. Das schaffe ich fast zu 100 Prozent – außer bei Sportklamotten. Aber für normale Bekleidung gibt es super Portale, wo ich meine Sachen second hand einkaufe.

4. Was machst du sonst noch gegen den Klimawandel und was ist deine Luxusfalle?

Ich bin seit drei Jahren kein Auto mehr gefahren, habe meine Ernährung umgestellt und habe wie schon erwähnt mein Konsumverhalten komplett verändert. Mir ist wahnsinnig wichtig, dass wir einfach mal darüber nachdenken: Kann ich mein Leben anders organisieren. Ich gehe da aber nicht mit religiösem Eifer ran. Mir geht es darum, bewusst zu konsumieren. Sich zu fragen: Geht das besser? Muss ich das jetzt unbedingt haben? Und dann? Dann tut sich da eine ganz neue Qualität auf. Und das meine ich eben auch. Es ist nicht nur Verzicht, sondern es ist einfach nur anders denken. Und plötzlich hast du einen anderen Eindruck vom Leben und da gibt es sehr viel Schönes dabei. Nichtsdestotrotz werde ich sicher irgendwann mal wieder in einen Flieger steigen. Ich bin zwar schon lange nicht mehr geflogen, aber es wird irgendwann passieren. Es gibt Ziele auf der Welt, die ich vielleicht noch besuchen will. Da werde ich sicher einen Flieger brauchen. Und das ist dann CO₂ Impact pur. Aber sonst kann ich mir nicht viel vorwerfen.

5. Hand over the baton: Was möchtest du zukünftigen, noch nicht geborenen Generationen mit auf den Weg geben?

Nehmt das Leben als Geschenk und lebt bewusst. Das ist die größte Maxime, die mir lange Zeit gar nicht so bewusst war. Aber bewusst sein und das Leben als Geschenk annehmen.

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Frau liegt mit Tennisschläger in der Hand auf dem Boden
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