Nachhaltigkeit // 15.07.2022

Thema Nachhaltigkeit: Marketing spielt zu große Rolle

Bildcredit: Messe München GmbH
Autor:
Lars Becker

Wie schaffen es Einzelhändler, ihre Kund*innen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren? Wie können Marken das wichtige Thema transparenter kommunizieren? Antwort: mit Hilfe der „Retail Sustainability Platform“ – initiiert von der European Outdoor Group (EOG).

Das Projekt „Wissens-Internetplattform“ der European Outdoor Group (EOG) weckte bei seiner Vorstellung großes Interesse bei Vertreter*innen aus dem Retail- und Brand-Bereich. Eigentlich war der Start der „Retail Sustainability Platform“ schon 2020 geplant – doch dann gab es durch die Corona-Pandemie erstmal ganz andere Herausforderungen. Zwei Jahre später scheint die Zeit jedoch reif zu sein für eine gemeinsame Wissensplattform der Outdoorbranche zum Thema Nachhaltigkeit.

EOG fordert Retailer zur Zusammenarbeit auf

„Wir denken, dass es jetzt genau die richtige Zeit für eine gemeinsame Nachhaltigkeits-Plattform ist. Wir fordern alle interessierten Retailer auf, an der Entwicklung mitzuarbeiten und uns mitzuteilen, was genau gebraucht wird“, erklärte Dr. Katy Stevens, die bei der EOG für Nachhaltigkeit zuständig ist. In einer ersten Diskussion sei deutlich geworden, dass der Informationsbedarf zum Thema Sustainability im Retail-Bereich sehr groß ist.

Retailer sollen bei Plattform-Entwicklung mitarbeiten

Zu viel Marketing, zu wenig Einheitlichkeit

Es gebe zwar viele Informationen zum Thema Nachhaltigkeit von den Marken selbst, jedoch setze jeder Hersteller den Schwerpunkt entsprechend seiner Ziele anders. Dabei spiele das Marketing oftmals eine zu große Rolle, betont Stevens. Es habe sich im Gespräch der Wunsch herauskristallisiert, „eine zentralisierte Wissens-Plattform zum Thema Nachhaltigkeit zu entwickeln, bei dem sich die ganze Outdoor-Branche auf eine einheitliche Terminologie von Begriffen einigt“. Als Beispiel nannte die Nachhaltigkeitsexpertin das Wort „biodegradable“, das unterschiedlich definiert werde.

Nachhaltigkeit: Infos landen nicht bei Endkund*innen

Stevens unterstrich, dass es auch für die Hersteller „superwichtig ist, die Informationen zum Thema Nachhaltigkeit zum Kunden zu bringen“. Es gebe zwar viele gute Projekte und Infos, diese kämen aber oft nicht vollständig bei den Konsument*innen an. Wichtig sei es nun, möglichst viele Marken und Retailer bei der „Retail Sustainability Platform“ mit ins Boot zu holen. Auch, damit kluge Schulungsprogramme entwickelt werden können, die sich sinnvoll mit den im Retail-Bereich bereits stattfindenden Ausbildungen zum Thema Nachhaltigkeit ergänzen.

ISPO Award Gewinner Ortovox unterstützt Projekte zur CO2-Reduzierung

Sustainability Platform: vier Bereiche geplant

Stevens stellte die vier Hauptpunkte vor, die auf der neuen Plattform geplant sind. Herzstück ist ein „General Training Course“, der europäischen Retail-Mitarbeiter*innen flexibel Zugang zu Schulungen geben soll. Als zweiter Punkt soll ein News Feed zum Thema Nachhaltigkeit installiert werden, in dem jederzeit die neuesten Entwicklungen abgerufen werden können. Eine Onboarding-Kampagne als dritter Punkt soll den Retail-Bereich und seine Mitarbeiter*innen in die Problematik einführen. Als vierter Punkt sind zudem Add-on-Services der EOG und von Kooperationspartnern geplant. „Um das Retail-Engagement in den Shops zu steigern, könnten zum Beispiel In-Store Sustainability Champions gekürt werden“, heißt es im EOG-Entwurf.

Decarbonisation Fund unterstützt Projekte zur CO2-Reduzierung

Ein weiteres Projekt der EOG zum Thema Nachhaltigkeit ist der Decarbonisation Fund. Marken wie Ortovox zahlen einen Teil ihrer Einnahmen in einen Fonds ein, der Projekte zur CO2-Reduzierung in der Outdoorindustrie unterstützt. Ein wichtiger Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit, schließlich kommen etwa zehn Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Textilindustrie. Stevens: „Wichtig ist genau wie bei der Retail Sustainability Platform, dass möglichst viele Marken und Retailer mitmachen. Je mehr wir sind, umso größer werden wir, umso mehr werden wir gehört und können das Thema Nachhaltigkeit voranbringen.“

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Lars Becker