Florian Pertsch
Autor:
Florian Pertsch

Wintersport-Boom in China leicht eingebremst

ISPO Beijing: Präsentation des White Book 2017

Wintersport in China ist weiter auf dem Vormarsch, doch die Wachstumsraten der letzten Jahre werden 2017 nicht ganz erreicht. Das White Book zeigt außerdem, nicht nur in der Natur boomt der Wintersport.

Skifahren in China boomt weiter – wenngleich nicht so stark wie im Jahr zuvor.
Skifahren in China boomt weiter – wenngleich nicht so stark wie im Jahr zuvor.

Wo, wie, wann und wieviel fahren die Chinesen Ski – und wie gut sind die Ski-Resorts ausgestattet? Diese und noch viele Fragen mehr wurden zum dritten Mal während der Asia Pacific Snow Conference auf der ISPO Beijing 2018 mit dem „White Book 2017 – China Report on Ski Resorts Industry“ beantwortet.

Wu Bin, CEO der Beijing Carving Ski Sports Development Corp., stellte seinen Statusbericht über Chinas Wintersport-Branche einmal mehr vor, wobei der Report 2017 eines verdeutlicht: Das Wachstum ist weiter vorhanden, aber die außergewöhnlichen Raten der letzten Jahre werden nicht erreicht.

Vor allem beim Bau komplett neuer Ski-Resorts und der Bestückung mit Sessel-Liften ist eine gewisse Sättigung im Vergleich zu den Vorjahren eingetreten. Zwar entstanden von 2016 auf 2017 57 neue Resorts (insgesamt 703), was einem Wachstum von 8.82 Prozent entsprach, die zweistelligen Wachstumsraten der letzten Jahre konnten aber nicht gehalten werden. Ähnlich verhielt es sich bei den Sesselliften, deren Anzahl von 199 auf 236 stieg, was einem Wachstum von fast 19 Prozent entsprach.

China macht der Schweiz Konkurrenz

Die Anzahl der Wintersportler in den 703 Skigebieten Chinas stieg im Vergleich zu 2016 um rund 16 Prozent von 15,1 Millionen auf 17,5 Millionen Besuche im Jahr 2017. Um die Zahl in Relation zu setzen, im selben Zeitraum lag die Zahl der Wintersportler in der Schweiz bei ca. 23 Millionen.

White Book im ISPO Shop: Hier finden Sie die Zahlen und Daten aus dem Jahr 2016 

Ein besonderes Augenmerk legte Wu Bin im diesjährigen Bericht vor allem auf den Ausbau der Ski-Resorts mit Sesselliften. Denn was in Europa oder Nordamerika Standard ist, ist in China immer noch eine Ausnahme. Von den 703 existierenden Resorts in China sind lediglich 145 mit einem oder mehr Sesselliften ausgestattet.

 

„Diese Zahl ist nach wie vor problematisch“, so Wu Bin im Gespräch mit ISPO.com während der ISPO Beijing: „Viele Leser konzentrieren sich zunächst immer auf die Gesamtzahl der 703 Resorts, aber die wesentlich wichtigere Zahl ist nur 145 Resorts mit Sessellift. Denn hier wird fortschrittlich gearbeitet, und hier sind die Verweilzeiten der Wintersportler deutlich höher.“

 

Sessellift-Effekt in Ski-Resorts

Während drei Viertel der Wintersportler in Ski-Gebieten ohne Sessellift zwei Stunden oder weniger verbringen, fällt die Zahl bei gut ausgestatteten Resorts auf 14,5 Prozent. Im Zeitraum drei bis vier Stunden wird der Sessellift-Effekt im positiven Sinne am deutlichsten. Statt nur 22,3 Prozent (ohne Sessellift), bleiben 73,8 Prozent der Wintersportler bis zu vier Stunden in einem Ski-Gebiet mit Sessellift. Ski-Urlaub mit Übernachtungen ist generell noch eher eine Seltenheit, wobei auch hier der Sessellift-Effekt keine zu vernachlässigende Rolle spielt. 11,7 Prozent statt 3 Prozent sprechen eine deutliche Sprache pro Sessellift.

Weitere Metriken die Wu Bin im White Book ermittelte: Die Gesamtfläche der Skipisten Chinas erstreckt sich auf ca. 3500 Hektar, die Gesamtlänge beträgt rund 1000 Kilometer. Skigebiete über 30 Hektar gibt es derzeit 26, wobei diese rund 40 Prozent der Gesamtfläche ausmachen. Das Zentrum des Wintersports liegt nach wie vor im Nordosten Chinas, in der Provinz Heilongjiang, in der 124 Ski-Gebiete existieren. Die Provinz Beijing landet im chinesischen Ranking mit 24 Ski-Gebieten auf Platz elf. Die Provinz Hebei, zu der auch Chongli, Austragungsort der olympischen Winterspiele 2022, gehört, landet mit 57 Ski-Gebieten auf Rang vier.

Wintersport auch im Süden Chinas

Auch wenn der Wintersport-Boom in vielen Bereichen leicht eingebremst wurde, so gab es doch zwei Gebiete, in denen weiter ein stärkeres Wachstum als in den vergangenen Jahren verzeichnet wurde.

Lesen Sie hier: So gigantisch sind Chinas Wintersport-Projekte

Der Bedarf an Schneekanonen stieg von 2016 auf 2017 um fast 30 Prozent auf insgesamt 6600 Maschinen, was unter anderem auch mit dem zweiten großen Wachstumssektor in direkter Verbindung steht. Denn Wintersport wird von der Regierung und den chinesischen Unternehmen nicht mehr nur im Norden und Nordosten des Landes stark unterstützt, sondern auch in den deutlich wärmeren Regionen des Südens.

Dies verdeutlicht das enorme Wachstum der Indoor-Skihallen. Waren es 2016 noch zwölf Hallen, in denen unabhängig von den Außentemperaturen Wintersport betrieben werden konnte, hat sich die Zahl auf 21 fast verdoppelt. Dass damit der Bedarf aber noch längst nicht gesättigt ist, zeigen die 19 weiteren Indoor-Bauprojekte, die in den kommenden zwei Jahren in China fertig gestellt werden.

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