Florian Pertsch
Autor:
Florian Pertsch

Shanghai fördert Sport in China mit Projekt „Life Tracks“

Chinesische Olympioniken erklären, wie man Profisportler wird

China treibt seine Sportoffensive ungebremst voran. Um die Jugend noch besser zu erreichen, startete das Shanghai Sports Bureau in Kooperation mit TED-Talks das Projekt „Life Tracks“. Chinesische Olympioniken erklären dabei, was es braucht, um Profisportler zu werden. U.a. dabei: Wu Minxia, viermalige Gold-Medaillengewinnerin im Wasserspringen.

Wasserspringerin Wu Minxia gewann fünf olympische Goldmedaillen und unterstützt „Life Tracks“
Wasserspringerin Wu Minxia gewann fünf olympische Goldmedaillen und unterstützt „Life Tracks“

Fallen die Schlagworte Sport und China, dann ist meistens der nächste logische Gedanke: Olympia. Beijing veranstaltete 2008 die Olympischen Sommerspiele und 2022 wird Chinas Hauptstadt auch die Winterspiele austragen. Zusätzlich zum Profisport wird auch der Breitensport in den letzten Jahren extrem gefördert.

Doch Peking ist nicht die einzige Metropole des Riesenreichs, die sich dem Sport verschrieben hat. Auch 1200 Kilometer südlich in Shanghai ist die Stadtverwaltung der Meinung, dass sportliche Bürger gesündere und damit auch glücklichere Bürger sind.

ISPO.com sprach auf der ISPO Beijing mit Zhang Liang, Deputy Secretary of Youth League Committee des Shanghai Sports Bureaus, über die Förderstrategien der Behörde und die neue Kooperation zwischen der ISPO Shanghai (5. bis 7. Juli), dem Shanghai Sports Bureau und TED-Talks.

Chinas Athleten geben Einblick ins Sportlerleben

ISPO.com: Herr Zhang, was genau sind die Aufgaben des Shanghai Sports Bureau?
Zhang Liang: Das Shanghai Sports Bureau ist verantwortlich für die Durchführung und das Management der Sportveranstaltungen in der Metropole. Gleichzeitig werden Kaderathleten durch das Shanghai Sports Bureau trainiert, Breitensport gefördert und alle öffentlichen Freizeitsportanlagen verwaltet.

Auf der ISPO Shanghai 2018 wird es zu einer Kooperation zwischen dem Shanghai Sports Bureau, ISPO und TED Talks kommen. Was erwartet die Messebesucher im Juli?
Die Grundidee des Projekts „Life Track“ ist es, bewegende Geschichten von chinesischen Athleten in den verschiedensten Sportarten zu erzählen. Für mich als Deputy Secretary of Youth League Committee geht es vor allem darum, junge Athleten mit diesen Geschichten zu motivieren. Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, die Sportler selbst ihre Geschichten erzählen zu lassen, denn nichts ist authentischer, als einen Lebensweg aus erster Hand zu erfahren.

Erste Kontakte auf der ISPO Shanghai 2017

Welche Athleten haben Sie für „Life Track“ bereits gewinnen können?
Wir konnten unter anderem Wu Minxia gewinnen, die als Wasserspringerin in der Synchron-Disziplin vom 3-Meter-Brett von 2004 bis 2016 vier olympische Goldmedaillen holte. Zudem sicherte sie sich in London 2012 auch noch die Goldmedaille im Einzelspringen vom 3-Meter-Brett. Ebenfalls dabei ist Bahnrad-Fahrerin Gong Jinjie, die bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro Gold im Teamsprint gewinnen konnte.

Über welche Themen sprechen die Athleten?
Hauptsächlich sprechen unsere Athleten über ihren Werdegang und wie aus sportbegeisterten Kindern Profisportler wurden. Uns geht es darum, dem Publikum – das Größtenteils aus Eltern mit ihren Kindern besteht – zu zeigen, was es braucht, um eine Karriere als Profisportler einzuschlagen. Training, Verzicht und gleichzeitig auch alle positiven Erfahrungen die einem der Sport geben kann, das alles soll das Publikum aus erster Hand erfahren.

Wu Minxia (r.) und Springpartnerin Guo Jingjing gewannen unter anderem Gold bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.
Wu Minxia (r.) und Springpartnerin Guo Jingjing gewannen unter anderem Gold bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Wie kam es dann zur Kooperation mit der ISPO Shanghai?
Die ersten Kontakte gab es auf der ISPO Shanghai 2017. Chen Xin, Gründerin des Floorball Development Centers in China, war als Sprecherin auf der Messe und arbeitet ebenfalls eng mit dem Shanghai Sports Bureau zusammen. Es gab erste Gespräche und so wurde die Idee geboren, „Life Track“ auf die ISPO Shanghai zu bringen. Das Shanghai Sports Bureau ist immer sehr daran interessiert, neue Kooperationen zu schließen, um einen kulturellen Austausch herzustellen und um im Bereich des Sports international den höchsten Standards gerecht zu werden.

Wo und wann kann man die TED Talks denn außer auf der ISPO Shanghai sehen?
Die Videos können bei Tencent abgerufen werden, und im Laufe dieses Jahres soll es zudem noch einen WeChat-Account geben, auf dem die Videos ebenfalls verfügbar sein werden. Zusätzlich haben wir noch Kooperationen mit TV-Sendern in Shanghai.

Baseball und Fechten sind hip in Shanghai

Das Shanghai Sports Bureau ist aber nicht nur im digitalen Bereich vertreten. Wie sieht die Offline-Strategie Ihrer Behörde aus?
Viele unsere Athleten wollen über ihre TED-Talks hinaus auch aktiv einen Beitrag leisten und Kindern vor Ort in Shanghai helfen. Aktuell sind Baseball und Fechten sehr beliebte Sportarten und gerade ärmere Familien haben nicht die finanziellen Mittel, um ihre Kinder an diese Sportarten heranzuführen. Hier kommen unsere Athleten ins Spiel und veranstalten zum Beispiel Trainingseinheiten.

Wie viele Kinder können an diesen Trainingseinheiten teilnehmen?
Das Baseball-Projekt zum Beispiel wird zunächst an vier Schulen ausgerollt, wodurch wir ungefähr 300 Kinder zwischen sechs und acht Jahren erreichen. Es wird ein regelmäßiges Training geben, und zusätzlich ist ein Ligabetrieb geplant, dem später weitere Schulen beitreten können.

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