Autor:
Florian Larch

Die Entstehung der Gaming-Kultur in Südkorea

Seoul – Die Heimat des eSports

Für die einen ist Seoul die Hauptstadt Südkoreas und damit das Gegenstück zu Pjöngjang, der Hauptstadt des kommunistischen Nordens. Andere verbinden mit dem Namen neben dem Gangnam Style des Musikers Psy – benannt nach dem gleichnamigen Stadtbezirk – vor allem die Olympischen Spiele 1988 und die Fußball-WM 2002 in Japan und eben Südkorea. Und für wieder andere ist die 10-Millionen-Mega-City vor allem eins: das Mekka des eSports.

Mit StarCraft: Brood War entstand der Hype um den eSports in Südkorea.

Egal ob Dota, League of Legends oder Blizzard’s StarCraft – es gibt kaum ein Spiel des eSports-Universums, in dem nicht eines der Topteams aus Südkorea kommt. Einer der Gründe, warum eSports in diesem Land so populär ist: die Medienpräsenz. Anders als beispielsweise in Deutschland, wo die öffentliche Wahrnehmung des eSports noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es hier eigene Sender, die sich auf die Berichterstattung und Organisation verschiedener eSports-Events spezialisiert haben. Einer der bekanntesten: OnGameNet (kurz: OGN).

Seit 18 Jahren wird in Südkorea eSports im TV übertragen

Der Sender wurde bereits im Jahr 2000 ins Leben gerufen und gehört mittlerweile zur CJ Group, einem riesigen Mischkonzern, der Milliardenumsätze macht, und dessen Entertainmentsparte immerhin rund 19 % der Gesamtgröße ausmacht. Aber OGN überträgt nicht nur diverse Turniere, sondern richtet diese auch selbst aus, und zwar schon seit dem Jahr 2000.

Damals gründete der Sender mit der OSL (OnGameNet StarLeague) eine eigene StarCraft-Liga für Single-Player und im Jahr 2003 die sogenannte Pro League für Multiplayer-Gefechte. Als Konkurrenz dazu entstand im gleichen Jahr die MSL, eine Gründung des Senders MBCGame. Beide Sender einigten sich zwei Jahre später darauf, nur noch eine gemeinsame Team-Liga zu betreiben. Treibende Kraft im Hintergrund war die Korean e-Sports Association (kurz: KeSPA). Der Beginn einer echten Erfolgsgeschichte: Schon 2005 sahen mehr als 100 000 Zuschauer das Finale der fusionierten Pro League am Gwangalli-Strand.

Denn anders als in vielen anderen Ländern, in denen es zwar schon früher eSports-Ligen gab, etablierte sich mit der KeSPA in Seoul eine Organisation, die zeitgleich mit der zunehmenden Professionalisierung des Sports durch die bereits erwähnten Fernseh-Ligen auch noch die entsprechenden Rahmenbedingungen schuf, die dieser Entwicklung Vorschub leistete.

eSports ist Mitglied im Olympischen Komitee Südkoreas

Wer in den letzten Monaten die Diskussion rund um das Thema eSports in Deutschland verfolgt hat, der dürfte neidisch auf Südkorea blicken. Während sich der Deutsche Olympische Sportbund schwertut, das E-Gaming als Sportart anzuerkennen, ist die Korean eSports Association bereits Mitglied im nationalen Olympischen Komitee Südkoreas.

Darüber hinaus wurden mit der Gründung der Organisation im Februar 2000 auch gleich potente Geldgeber mit ins Boot geholt, die genügend Mittel für die finanzielle Ausgestaltung zur Verfügung stellten. Gleichzeitig wurde die professionelle Gamer-Organisation auch vom Staat unterstützt.

So gab das „Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus“ offiziell grünes Licht, die koreanische eSports-Vereinigung mit dem Namen „21C Programer Association“ zu installieren. Dank des staatlichen Engagements war es übrigens auch der Luftwaffe Südkoreas ab 2007 möglich, ein professionelles Team aufzubauen und in den Ring zu schicken.

Die Spieler aus Südkorea trainieren hart und gehören deshalb auch zur Elite im eSport.

Dank der potenten Geldgeber, die die KeSPA unterstützten, war es dieser bereits im Jahr 2005 möglich, das erste reine eSports-Stadion der Welt zu bauen. Dieses entstand im Stadtbezirk Yongsan und ist immer noch das Mekka für jeden eSports-Fan. Mittlerweile gibt es aber noch einige weitere Arenen, beispielsweise die Nexon-Arena oder das OGN E-sports Stadium. Hier genießen die Pro-Gamer einen ähnlichen Status wie bei uns gefeierte Popstars oder Sportler und werden auch genauso verehrt. Trikots der Idole werden millionenfach verkauft, und die Pro-Gamer sind begehrte Werbeträger.



Der Milliardenmarkt lockt große Investoren an

Viele der südkoreanischen Pro-Teams haben potente Sponsoren wie SK Telecom, Samsung oder Korea Telecom hinter sich, die sich um alles kümmern. Häufig leben die Mannschaften zusammen in einem Haus und werden in jeder Hinsicht unterstützt.

Genau wie bei professionellen Sportmannschaften kümmern sich Köche und Ernährungsberater um das richtige Essen, Trainer fordern und fördern die Spieler, wo sie nur können. Außerdem verfügt jedes Team über Game Observer, die gemeinsam mit dem Team und den Trainern mögliche Strategien gegen andere Mannschaften erarbeiten. Die Gehälter der Spieler können ebenfalls mit denen von Spitzensportlern mithalten.

In Seoul gibt es ca. 10 000 PC Bangs.

Die Nachwuchsspieler rekrutieren sich aus den sogenannten „PC-Bangs“, von denen es schätzungsweise mehr als 20 000 in Südkorea geben soll – diese sind am ehesten vergleichbar mit Cyber-Cafés und 24 Stunden rund um die Uhr geöffnet. Allerdings haben hier Gamer die Chance, ihre Lieblingstitel stundenlang mit ihren Freunden zu zocken und sich mit anderen zu messen.

Der Erfolg des eSports in Südkorea ist also keineswegs monokausal, sondern stützt sich auf mehrere Säulen. So gelang es schon früh, auf allen Ebenen professionelle Strukturen zu schaffen und den eSport einer breiten Masse zugänglich zu machen.

Autor:
Florian Larch
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