Autor:
Martin Jahns

Runner’s World Laufsymposium am zweiten Messetag

Trends der Laufbranche: Was kommt nach dem Corona-Boom?

Viele haben in der Corona-Pandemie das Laufen für sich entdeckt. Doch Mega-Umsätzen für Laufmarken stehen sinkende Teilnehmerzahlen bei Wettbewerben gegenüber. Hält das Runner’s High an oder geht dem Laufen die Luft aus? Urs Weber gab beim Runner’s World Laufsymposium im Rahmen der ISPO Munich einen Branchen-Einblick – mit vier großen Trends, die Mut machen.

Urs Weber auf dem Runner's World Laufsymposium im Rahmen der ISPO Munich 2022

Dass eine Krise eine Chance sein kann, hat wohl keine Branche in den vergangenen Jahren mehr verkörpert als die Laufbranche. Während die Fitness-Industrie litt, waren Laufschuhe und Lauf-Bekleidung in den vergangenen zwei Jahren dauergefragt. Insbesondere das Trailrunning legte einen atemberaubenden Aufstieg hin.

Doch mit den weltweiten Lieferkettenproblemen sowie der Kaufunsicherheit der Verbraucher angesichts der Energiekrise und Inflation stehen die nächsten Unsicherheitsfaktoren schon vor der Tür. Auch die Nachhaltigkeit des Lauf-Hypes ist offen: Wie viele der Running-Einsteiger bleiben letztlich am Ball?

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Viele Unklarheiten. Licht ins Dunkel brachte „Lauf-Orakel“ Urs Weber auf dem Runner’s World Laufsymposium im Rahmen der ISPO Munich 2022. Und er hatte gute Nachrichten im Gepäck: „Es brummt wahnsinnig, auch bei den Händlern“, so Weber. Running-Brands verzeichnen aktuell Umsatzsteigerungen von bis zu 60 oder 70 Prozent. McKinsey prognostiziert für die kommenden drei Jahre zudem ein Wachstum im Sportartikelmarkt von bis zu zehn Prozent.

Trends, die der Laufbranche Mut machen können, identifizierte Weber auch anhand der aktuellen Leserumfrage der Runner’s World mit mehr als 9.000 Befragten.

Trend 1: Mehr Einsteiger, weniger Wettkampf-Fokus

Die Lauf-Community wächst rasant. „Jeder Sechste der Umfrage-Teilnehmer hat erst in den vergangenen zwei Jahren mit dem Laufen angefangen“, so Weber. Nebeneffekt der „Neulinge“: Relativ gesehen sinkt die Zahl der Wettkampf-Läufer*innen. Vorbei sind die Zeiten, in denen noch 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer auch an Wettkämpfen an den Start gingen. Bei der aktuellen Leserumfrage gaben 58 Prozent an, im Jahr 2021 an einem Laufwettkampf teilgenommen zu haben – der niedrigste Wert in der Umfrage-Geschichte.

Aber auch in absoluten Zahlen lief es für Lauf-Events schon besser:  Die Teilnehmerzahlen bei den großen Laufveranstaltungen in Deutschland seien laut Weber durchweg um 20 bis 60 Prozent gesunken. Ähnliche Rückgänge erlebten Firmenläufe seit der Pandemie.

Ein Blick auf die Motivation fürs Laufen gibt Aufschlüsse: „Laufen wird viel mehr als Gesundheitssport anerkannt. Die persönlichen Faktoren Gesundheit, Fitness und Stressabbau sind inzwischen die Top-drei-Motive fürs Laufen“, so Weber.

Gleichzeitig bleiben Laufwettbewerbe in China trotz drakonischer Corona-Lockdowns ein Renner: Beim Marathon in Chengdu, der 2022 nur als Stadtmeisterschaft mit empfindlichen Einschränkungen stattfinden durfte, gingen 30.000 Teilnehmer*innen an den Start. Und auch in Deutschland erwartet Weber wieder einen Aufschwung: „Das Thema Marathon ist sicherlich nicht erledigt.“

Trend 2: Straßen-Laufschuhe wieder gefragter – Umsätze und Preise steigen

Laut der Leserumfrage geben die deutschen Lauffans durchschnittlich 377 Euro jährlich für Laufschuhe aus. Im Schnitt besitzen die Befragten sechs Paar Laufschuhe – und das trotz des für den Laufmarkt schwierigen Hitzesommer 2022 und steigender Preise. 2022 lag der Durchschnittspreis für ein Paar Laufschuhe mit ca. 98 Euro etwa vier Euro über dem Niveau von 2019.

Vor allem der Straßenlaufschuhe sind gefragt. Sie konnten den Umsatz-Abwärtstrend der vergangenen zwei Jahre umkehren. Auch Track & Field-Schuhe konnten beim Umsatz wieder deutlich zulegen. Rückläufig ist der Umsatz 2022 hingegen in den Teilbereichen, die während der Corona-Pandemie noch besonders profitiert hatten: Road-Entry-Level-Schuhe und Trailrunning-Schuhe.

Trend 3: Sportfachhandel ist Top-Adresse beim Laufschuh-Kauf

Die Lauf-Branche ist das Paradies für den Fachhandel. Denn beim Kauf von Laufschuhen vertraut die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer*innen auf spezialisierten Lauf-Shops und stationären Sportfachhandel. Insgesamt 77 Prozent der Befragten gab an, Laufschuhe oft oder ab und zu in Lauf-Shops zu kaufen, 71 Prozent tat dies im Sportfachhandel.

Auf den Plätzen drei und vier folgen Online-Angebote spezialisierter Lauf-Shops (59 Prozent) und Online-Angebote aus dem Sportfachhandel (56 Prozent). Online-Generalisten wie Amazon stehen im Ranking nur auf Rang fünf (32 Prozent).

Die Laufschuh-Umsätze von 2019 bis 2022

Trend 4: Immer mehr Laufschuh-Marken in den Startlöchern

Die Auswahl an innovativen Laufschuhen wächst weiter. Laut Weber sind seit dem Jahr 2000 19 neue Laufschuhmarken auf dem deutschen Markt hinzugekommen. Unter den heißesten aktuellen Lauf-Neulingen zählte Weber die mit dem ISPO Award prämierte Marke Infinite Running, der kenianischen Marke Enda oder Chinas Sportriesen Li-Ning, der seinen Laufschuh Feidian mit der hauseigenen Boom-Technologie ab 2023 auch in Deutschland vertreiben wird.

Dazu kommen weitere frische Laufmarken wie die Berliner Marke Winqs, Joe Nimble, True Motion oder die Mallorquiner Brand NNormal mit Support von Ultralauf-Ikone Kilian Jornet.

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Martin Jahns