Autor:
Sina Horsthemke

Sustainable Development Goals im Sport

Was kann die Branche zu mehr Nachhaltigkeit beitragen?

Die Vereinten Nationen haben 17 Ziele auf die Agenda 2030 gesetzt, um eine nachhaltige Zukunft zu fördern. Wie Sportmarken sie umsetzen können, diskutierten drei Experten auf der ISPO Munich Online.

Die „17 Sustainable Development Goals“ sollen für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Zukunft sorgen.

Es ist fünfeinhalb Jahre her, dass die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedeten. Die Weltgemeinschaft setzte sich 17 Ziele für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Zukunft: die „Sustainable Development Goals, kurz SDGs genannt. Die Ziele, so das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, „gelten universal und für alle Länder gleichermaßen. Sie reichen von der Beseitigung des weltweiten Hungers bis hin zu Maßnahmen für den Klimaschutz.“ Die 17 SDGs im Überblick:

  1. keine Armut
  2. kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. hochwertige Bildung
  5. Geschlechter-Gleichheit
  6. sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  7. bezahlbare und saubere Energie
  8.  menschenwürdiges Arbeits- und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. weniger Ungleichheiten
  11. nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. nachhaltiger Konsum und Produktion
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zum Erreichen der Ziele

Drei Experten aus der Sportbranche

Und was hat die Sportbranche mit all dem zu tun? Vieles! Denn auch Marken, Zulieferer, Händler und Sportler sollten gemeinsam versuchen, diese 17 Ziele umzusetzen und ihren Teil dazu beitragen, sie bis 2030 zu erreichen. Wie das gehen könnte, diskutierten auf der ISPO Munich Online drei Experten: 

  • Jill Dumain, Geschäftsführerin von Bluesign,
  • Richard Collier, Geschäftsführer von Jack Wolfskin, und
  • Hao Ding, Business Manager EMEA bei DuPont Biomaterials und Sorona DuPont.

Für Jill Dumain ist Nachhaltigkeit schon seit Langem ein Thema: Ihre Schweizer Aktiengesellschaft Bluesign Technologies geht auf eine Initiative aus dem Jahr 1997 zurück. Textilien, die das Bluesign-Siegel tragen, sind ohne gefährliche Chemikalien produziert worden. „Ich habe schon seit vielen Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun. Mein Eindruck ist: Es passiert gerade einiges. Und ich bin optimistisch, dass die Sportbranche sehr viel für die SDGs tun kann.“ Nachhaltigkeit sein viel mehr als nur ein Trend, „denn wir haben keine Wahl“.

Panel mit Jill Dumain, Richard Collier und Hao Ding.

Prioritäten setzen – sonst droht Überwältigung

In den SDGs geht es um Hunger, Bildung, Transport, Technologie, Gleichberechtigung und vieles mehr – wie soll man da anfangen? „Das kann überwältigend sein“, gibt Dumain zu. „Aber das breite Spektrum hat auch Vorteile, weil jede Marke die Ziele so priorisieren kann, wie sie am besten zu ihr passen. Darauf sollten sie sich konzentrieren – auf die Priorisierung.“ Laut Dumain sollten Marken bei der Auswahl aus den 17 gesetzten Zielen wie folgt vorgehen:

  • „Fragt euch als erstes, welche Werte euer Unternehmen hat. Je besser die gewählten Ziele zu euch passen, desto eher könnt ihr etwas erreichen. Uns von Bluesign spricht zum Beispiel das Ziel Nummer 3 an, während andere vielleicht gar nicht so gut passen.“
  • „Verbindet die Nachhaltigkeitsziele mit euren Kernkompetenzen: Wenn ihr Kajaks baut, setzt euch für Wasserqualität ein.“
  • „Wählt eine Gruppe von Zielen aus, die gut zueinander passen – Energie und Wasser zum Beispiel.“
  • „Bezieht euer ganzes Unternehmen und alle Angestellten mit ein, das ist ganz wichtig. Und macht die Schritte nur so groß, dass ihr sie als Unternehmen auch wirklich schaffen könnt.“

Jeder sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, sich die 17 Ziele vor der Auswahl genau durchzulesen, rät die Bluesign-Geschäftsführerin: „Denn jeder interpretiert sie anders. Mir ging das auch so, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Ich dachte zum Beispiel: Wow, ja klar brauchen wir Infrastruktur! Aber meine Interpretation davon war eine ganz andere, als mit dem Ziel gemeint war.“

Den Nachhaltigkeitszielen vorangestellt sind fünf Kernbotschaften, die alle Ziele miteinander verbindet und die Dumain unter den „5 P’s“ zusammenfasst: „People, Planet, Prosperity, Partnership und Peace. Das sind große Worte und große Ziele. Aber je mehr Leute darüber reden, desto besser.“

„Wenn jeder für sich allein daran arbeitet, schaffen wir es nicht“

Auch Richard Collier, CEO bei Jack Wolfskin, rät anderen Marken, nicht alle Ziele auf einmal anzugehen, sondern sich zunächst auf ausgewählte zu konzentrieren: „Findet heraus, welche SDGs am besten zu eurer Marke passen und verfolgt nur diese akribisch. Es ist unmöglich, als einzelne Marke alle zu schaffen – von dieser Vorstellung sollte man sich verabschieden.“

Collier empfiehlt, die selbst gesetzten Ziele offen zu kommunizieren und gerade am Anfang nicht nach Perfektion zu schauen: „Wichtig ist, dass es überhaupt losgeht. Startet zum Beispiel mit einem Teil eines eurer Produkte, nicht mit dem ganzen Produkt. Am Ende wird etwas Gutes dabei herauskommen.“ Auch mal kleiner zu denken, könne sich lohnen: „Vielleicht ist eine einfache Lösung schon hinter der nächsten Ecke.“

Zusammenarbeit, merkt Collier an, sei dabei das A und O: „Es ist der Schlüssel zu allem, dass wir alle an einem Strang ziehen. Wir werden es nicht schaffen, die Ziele zu erreichen, wenn jeder für sich allein daran arbeitet. Wir sitzen alle im selben Boot, das sollten wir nicht vergessen.“ Möglichkeiten, dass Marken, die sonst Konkurrenten sind, zusammenarbeiten, gibt es reichlich, da ist sich Collier sicher: „Es fängt bei den Zulieferbetrieben an und endet mit der Zusammenarbeit untereinander. Denkt zum Beispiel nicht, dass es schlecht ist, Ideen zu teilen. Im Gegenteil: Gerade jetzt ist wichtig, dass wir uns austauschen, denn davon profitieren wir alle.“

Zusammenarbeit ist das A und O auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.

„Nachhaltigkeit muss schon im Designprozess verankert sein“

Hao Ding, Business Manager für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei DuPont Biomaterials, bringt als Zulieferer eine andere Perspektive in die Diskussion: „Das finanzielle Ergebnis darf man bei all dem nicht aus den Augen verlieren – es muss immer eine Balance zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bestehen, sonst funktioniert es langfristig nicht.“

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit sei eine lange Reise, die schon beim Designprozess beginne, so Ding: „Wir kooperieren viel mit Universitäten und Wissenschaftlern. In den vergangenen Jahren haben wir auch mit einer bekannten Modeschule zusammengearbeitet, denn ich bin davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit schon im Designprozess verankert werden muss und bei der Auswahl der Rohmaterialien.“

Eine enge Kommunikation mit den Marken zu pflegen, sei bei DuPont wichtig, berichtet Ding. Der enge Kontakt habe ihm gezeigt: „Erst in den letzten paar Jahren haben die Marken angefangen über Nachhaltigkeit nachzudenken. Um die SDGs zu erreichen, müssen wir auf einer langen Reise einen Schritt nach dem anderen gehen. Wir befinden uns erst am Anfang dieser Reise, aber es ist wichtig, dass wir nun losgehen. Es muss mehr Pioniere geben, die jetzt starten.“

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Sina Horsthemke
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