Autor:
Björn Köcher

Digitale Lebensretter für Outdoor- und Wintersport-Fans (Teil 2)

Outdoor digital: Smarte Notrufsysteme statt Handys

Outdoor-Fans haben nicht immer in der Hand, was auf Touren passieren kann. Gleichzeitig wächst das Angebot an digitalen Helfern, die mehr Sicherheit versprechen. ISPO.com stellt digitale Lebensretter vor. Teil 2: Notrufsysteme als Lebensretter. Und auch auf dem Snow & Safety Summit auf der ISPO Munich 2019 dreht sich alles um digitale Tools und Sicherheit.

Im Ernstfall kann ein Notrufsender zum Lebensretter werden.
Im Ernstfall kann ein Notrufsender zum Lebensretter werden.

Sind Outdoor-Enthusiasten mit einem Smartphone in den abgelegensten Regionen ausreichend für Notfälle gerüstet? Nein, meint Markus Schlittenbauer, Gründer von ProteGear: „Wir verlassen uns oftmals ausschließlich auf unsere Smartphones und das, obwohl wir wissen, dass selbst einige Alpentäler gänzlich ohne Netzempfang sind oder Handy-Akkus sehr sensibel auf Kälte reagieren.“

Zudem ist das Senden eines Notrufs via Handy immer an eine aktive Handlung des Nutzers gebunden. Ist der Nutzer in der jeweiligen Situation nicht mehr handlungsfähig, sind diese Systeme mehr oder weniger nutzlos. Informationen über medizinischen Daten bieten Handys auch nicht. Diese können bspw. der Bergrettung bei der Bergung aber wichtige Hinweise liefern können. Hier schaffen spezielle Notrufsysteme für Outdoor-Aktivitäten Abhilfe. Lesen Sie hier Teil 1: Mehr Sicherheit durch digitale Tourenplanung

Globalstar Spot

Systeme wie Globalstar Spot, Garmin inReach aus den USA oder der Marktneuling Protegear A*Live aus Stephanskirchen in Bayern entwickeln Notfallkommunikationssysteme. Sie sind mittlerweile mehr als pure Notrufsender und können dank Satellitentechnik unabhängig vom Mobilfunknetz weltweit eingesetzt werden.

Am ehesten hat man wohl schon einmal den klassischen Tracker von Spot gesehen, der bereits vor mehr als zehn Jahren auf den Markt kam und der es mittlerweile zu seiner dritten Produktversion geschafft hat (Spot Gen3). Das neueste Modell heißt Spot X, unterscheidet sich vom Spot Gen3 durch die Möglichkeit zu einer echten Zwei-Wege-Kommunikation und wird auf der ISPO Munich 2019 für den europäischen Markt vorgestellt.

Während das Spot Gen3 neben dem Tracking lediglich die Möglichkeit bietet, eigene Locationpunkte oder verschiedene Hilferufe auch außerhalb von Mobilfunknetzen zu versenden, erlaubt das Spot X auch die Kontaktaufnahme von außen und den Dialog via Messenger.

Globalstar setzt hinsichtlich seiner Spot-Produkte bei der Übertragung der Daten auf Kommunikationssatelliten, die wiederum die Daten an Empfangsstationen weiterleiten. Im Gegensatz zu Garmin und Protegear bietet die Spot-Familie keine 100-prozentige Netzabdeckung.

Garmin inReach

Genau darauf schwört man bei Garmin: „Das schwerwiegendste Alleinstellungsmerkmal aller unserer inReach-Produkte ist die 100-prozentige, globale Iridium-Satellitennetzwerk-Abdeckung“, erklärt Peter Weirether, Garmin Head of Category Management DACH.

Seit Mitte 2018 ist das inReach mini verfügbar. Da es nur 100 Gramm schwer ist, eignet sich laut Weirether „besonders für Unternehmungen mit sehr begrenzten Gepäckmöglichkeiten“.

Mit dem inReach Explorer+ hat Garmin ein Notrufsystem im Sortiment, das die Navigation über vorinstallierte topographische Karten und ein integriertes Farbdisplay direkt auf dem Explorer+ erlaubt. Somit wird Sicherheits- und Navigationsfunktionalität in einem Gerät vereint.

Protegear A*Live

Neu auf dem Markt – und auch wieder nicht – ist die Firma Protegear. Bereits seit einigen Jahren vertreibt Protegear Tracking-, Kommunikations- und Notrufsysteme sowie zugehörige Dienstleistungen – allen voran die Garmin inReach Produkte. Parallel hat das Unternehmen – unterstützt und gefördert vom Land Bayern – an einer eigenen Produktentwicklung gearbeitet, die das Beste aus den verschiedenen bestehenden Systemen in einem Gerät vereinigen und zusätzliche Features bieten soll.

Geschäftsführer Markus Schlittenbauer sieht sowohl in einer nicht 100-prozentigen Gebietsabdeckung, als auch in der ausschließlichen Satellitennutzung Nachteile: „Die dauerhafte Verbindung zu einem Satellitensystem zieht sehr viel Batterie. Zudem sind die Verbindungskosten deutlich höher, wenn das GPS-Live-Tracking ausschließlich über Satellit stattfinden muss, aber – wie zum Beispiel beim Segelfliegen – sehr kurze GPS-Intervalle empfohlen sind. Nutzt man jedoch das Mobilfunknetz, das in den meisten Fällen zumindest zeitweise verfügbar ist, kann man Batterieleistung und Geld sparen. Deshalb haben wir genau diese Möglichkeit in unserem A*Live umgesetzt.“

Das System registriert Unfälle und sendet einen Warnhinweis mit den genauen Ortsangaben an vorab hinterlegte Kontakte oder direkt an die Rettungskräfte, wenn man sich zum Beispiel infolge eines Sturzes länger als fünf Minuten nicht mehr bewegt.

Innovativ ist zudem die Kopplungsmöglichkeit mit den P.RIDE Lawinenairbagrucksäcken von ABS: Wird der Airbag bei einem Lawinenabgang vom Fahrer oder von der Fahrerin ausgelöst, setzt das A*Live automatisch einen Notruf ab, was zu einem schnelleren und oft lebensrettenden Eintreffen der Bergrettung führt. Das A*Live ist mittlerweile serienreif, vorbestellbar und ab Frühjahr 2019 erhältlich.  

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Björn Köcher
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