Autor:
Lars Becker

Von Felix Neureuther über Hackl-Schorsch bis Gary Fisher

Bike-Branche: Influencer spielen immer größere Rolle

Influencer-Marketing erlebt seit Jahren einen Aufschwung. Auch die Bike-Branche setzt verstärkt auf bekannte Gesichter, um das eigene Image aufzuwerten. Doch was genau versprechen sich die Unternehmen von Influencern, wer nutzt welchen Markenbotschafter und wie setzt man diese in der Kundenkommunikation zielführend ein - und wie nicht? ISPO.com hat sich in der Branche umgehört.

Felix Neurether soll als Markenbotschafter für Bosch eBike Systems die Freude an Bewegung transportieren.

Eine Bespielung der üblichen Social-Media-Kanäle ist bei den meisten Unternehmen der Bike-Branche längst Standard. In Zeiten der Digitalisierung geht gute Kundenkommunikation jedoch weit darüber hinaus, der Marketingmix wird bestmöglich der Zielgruppe angepasst. „Klassische Werbung im Sinne von Printanzeigen ist generell rückläufig, auch klassische Bannerwerbung hat in Zeiten von Ad-Blockern ausgedient. Storytelling und Content-Marketing sind neue Wege der Kundenansprache“, sagt Daniel Gareus, Head of Marketing und Communications beim Fahrradteile-Importeur Cosmic Sports, gegenüber ISPO.com: „Je nach Zielgruppe eignet sich eine Kundenansprache durch Social Media und Influencer-Marketing.“

Das Thema Influencer treibt momentan viele Entscheidungsträger in der Bike-Branche um. Immer mehr Unternehmen setzen auf bekannte Sportler, um ihr eigenes Image mit einem passenden Botschafter an die Kunden heranzuführen. Bosch eBike Systems setzt dabei auf prominente Namen. „Die Zusammenarbeit mit Influencern spielt eine wichtige Rolle innerhalb unseres Kommunikationsmix – gerade im Hinblick auf die Ansprache der jungen, digital affinen Zielgruppe“, erklärt Tamara Winograd, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Bosch eBike Systems. Der Marktführer bei den Elektrorad-Antrieben setzt im Bereich E-MTB auf bekannte Influencer wie Mountainbike-Legende Gary Fisher oder die ehemalige Weltcup-Fahrerin Greta Weithaler.

Das schwedische Unternehmen Husqvarna verkauft seit rund einem Jahr auch E-Bikes und wirbt seit Januar 2018 mit Guido Tschugg. Der ehemalige MTB-Profi war zuvor bereits jahrelang das Gesicht für Haibike, bevor er von Freerider Sam Pilgrim abgelöst wurde. Eine Entscheidung, die Haibike traf, um ein internationaleres Publikum anzusprechen. Mit Andi Wittmann hat Haibike aber auch weiterhin einen deutschsprachigen E-Bike-Ambassador aus der MTB-Szene unter Vertrag.

Auch bei Paul Lange & Co spielen „Blogger und Influencer eine wichtige Rolle innerhalb unseres umfangreichen Kommunikations-Mix“, wie Marketing-Chef Michael Wild verrät. „Die Zusammenarbeit mit Influencern birgt dabei Chancen, neue, bisher nicht zwangsläufig E-Bike-affine Zielgruppen zu erreichen“, fügt Sandra Wolf, Geschäftsführerin von Riese & Müller, hinzu.

Von Felix Neureuther bis Hackl-Schorsch: Influencer abseits der Bike-Strecke

Interessante Markenbotschafter sind dabei auch abseits der Bike-Branche zu finden. Dass etwa der deutsche Wintersportler Felix Neureuther als neuer Markenbotschafter von Bosch eBike Systems auftritt, ist für Bosch kein Widerspruch, sondern sinnvolle Ergänzung. Neureuther soll Stellvertreter sein, für eine „junge Generation, die Spaß an der Bewegung hat und nach nachhaltigen Fortbewegungsalternativen sucht“, erklärt Tamara Winograd.

Auch andere Bike-Unternehmen setzen auf Größen aus der Wintersportwelt. So ist Rodlerlegende Georg Hackl, besser bekannt als Hackl-Schorsch, seit Sommer 2017 E-Bike-Botschafter für Bergamont. Der Ex-Skilangläufer Peter Schlickenrieder wirbt nach Beendigung seiner TV-Karriere für den E-Bike-Antrieb von TQ-Drives. Für die Zusammenarbeit spielen „die Gemeinsamkeiten der Marke TQ und Peter Schlickenrieder eine große Rolle, denn beide zeichnet Ambition und Leistungsbereitschaft aus“, erklärt TQ-Group CMO Reiner Gerstner. „Für uns steht Peter mit seiner authentischen Art, selbst abenteuerliche Projekte anzugehen, für Glaubwürdigkeit und Sympathie.“ Der Technologiekonzern ist sicher: Peter Schlickenrieders „bodenständige Art, kalkulierte Abenteuerlust und Begeisterung für moderne Technologien haben uns überzeugt. Das passt einfach ideal zusammen.“

Trotz Digitalisierung: Authentizität und Kundennähe bleiben wichtig

Eine etwas andere Meinung vertritt Tobias Hild, Gründer und Geschäftsführer von SQlab. Er setzt auf Authentizität und Kundennähe: „Influencer sind gut, so lange sie authentisch und noch keine Influencer sind. Sie verlieren stark, sobald sie professionell als Influencer sind. Am Ende ist der Kunde heute überall und nirgends. Wir gehen viel raus und setzen auf Messen und Events in der heutigen digitalen, schnellen Zeit genau auf das, wonach sich die Kunden dann doch sehnen: ein Gesicht zur Firma, einer der sich kümmert und hilft, die Probleme zu lösen. Das in Kombination mit durchdachten Produkten in Top-Qualität spricht sich rum. Gute Empfehlungen funktionieren in der heutigen digitalen schnellen Welt immer noch am besten.“

Social Media gewinnt weiter an Bedeutung

Festzustehen scheint aber auch, dass der Kommunikationskanal Social Media in der Bike-Branche auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. So können Ländergrenzen überschritten und neue Zielgruppen gewonnen werden. Das zeigt zum Beispiel die Entwicklung des vor allem in der DACH-Region aktiven Premium-Herstellers Simplon. „2015 beim Start lagen wir bei Facebook bei unter 1000 Fans. Heute sind es schon über 20.000, wobei wir Wert auf die Feststellung legen, dass es sich dabei fast ausschließlich um natürliches, nicht gekauftes, Wachstum handelt. Auf Instagram sind wir seit etwa 1,5 Jahren aktiver geworden und dort ist auch der Anteil der Kundenbeiträge sehr hoch. Wir sind derzeit dabei, das Thema ab 10/2018 mit einer Agentur noch wesentlich professioneller anzugehen“, so CEO Stefan Vollbach.

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Lars Becker
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