Autor:
Björn Köcher

Kajakfahren, Trailrunning und Mountainbiken in Skandinaviens Skigebiet

Triathlon mal anders: Die Are Extreme Challenge in Schweden

Am 29. Juni 2019 findet mitten in Schwedens einzigartiger Natur die Multisport Open European Championship statt, die Are Extreme Challenge. Anstelle der Triathlon-Klassiker Schwimmen, Rennradfahren und Laufen heißen die zu absolvierenden Disziplinen Kajakfahren, Trailrunning und Mountainbiken.

Die Are Extreme Challenge beginnt mit 25 Kilometer Kajakfahren im Wildwasser.
Die Are Extreme Challenge beginnt mit 25 Kilometer Kajakfahren im Wildwasser.

Der Weg ist weit für die Teilnehmer der Are Extreme Challenge. In der Königsklasse müssen zunächst 25 Kilometer im Wildwasser und über einen oft sehr windigen See gepaddelt werden. Anschließend gilt es, schnell die Trailrunningschuhe zu schnüren und 17 Kilometer über den teils noch schneebedeckten 1.420 Meter hohen Gipfel des Areskutan zu laufen. Auf der anderen Bergseite wartet dann die 30 Kilometer lange und technisch anspruchsvolle Mountainbike-Strecke auf die Teilnehmer, bevor sie hoffentlich irgendwann nach fünf bis zehn Stunden das Ziel auf dem Marktplatz im Wintersportort Are erreichen.

Are Extreme Challenge: Triathlon-Alternative in Schweden

Multisport-Events gelten als naturnahe Alternative zu klassischen Triathlons. Die Are Extreme Challenge in Schweden ist eines der härtesten und vielleicht schönsten Rennen mit Outdoor-Feeling. Obwohl es die Veranstaltung bereits seit über 20 Jahren gibt, ist sie international kaum bekannt und immer noch so etwas wie ein kleiner Geheimtipp.

ISPO.com hat mit dem Co-Renndirektor und Umweltökonom Scott Cole über die Faszination des Events gesprochen, die in mehr als purer körperlicher Leistungsfähigkeit begründet liegt. Der 42-jährige Kalifornier kam im Jahr 2007 nach Schweden, um erstmals an der Are Extreme Challenge teilzunehmen, verliebte sich in das Land und blieb. Fünf Jahre später gewann er das Rennen und wurde im Jahr 2016 an der Seite des Dänen Henrik Weile Renndirektor.

2007 nahm Scott Cole zum ersten Mal an der Are Extreme Challenge teil. Seit 2016 ist er an der Seite des Dänen Henrik Weile Renndirektor.
2007 nahm Scott Cole zum ersten Mal an der Are Extreme Challenge teil. Seit 2016 ist er an der Seite des Dänen Henrik Weile Renndirektor.

ISPO.com: Herr Cole, die Are Extreme Challenge ist ein Multisport-Event. Was sagt Ihr Körper zu der extremen Belastung?
Die Beine werden schon am intensivsten beansprucht, aber auch die Schulter vom Paddeln – speziell auf dem Weg zur ersten Wechselstation, wenn man gegen den Wind anfährt. Wobei es ein großes Missverständnis bezüglich des Paddelns gibt: Viele glauben, dass man beim Paddeln die Beine gar nicht anstrengt, aber wenn man eine gute Technik hat, dann arbeiten die Beine auch beim Paddeln sehr intensiv mit. Ich vermute, 90 Prozent der Teilnehmer nutzen ausschließlich die Arm- und Schultermuskulatur und verlieren so viel Zeit.

Zu den 90 Prozent gehöre ich wohl.
Gut möglich [lacht].

Multisport-Event bringt auch Organisatoren an ihre Grenzen

Was ist eigentlich härter: So einen Wettbewerb zu organisieren oder daran teilzunehmen?
Tatsächlich ist für mich die Organisation der Are Extreme Challenge zehn Mal anstrengender als sie zu finishen. Als Teilnehmer ist ziemlich klar, was zu tun ist und man kann sich auf genau die Dinge fokussieren. Aber als Renndirektor hat man 18 Bälle gleichzeitig in der Luft und es ist fordernd, diesen ganzen Anforderungen immer gerecht zu werden.

Ein Renndirektor zu sein, zwingt einen dazu, anderen zu vertrauen, dass sie ihre Aufgaben nicht nur machen, sondern auch noch gut machen. Als Teilnehmer hingegen ist man nur von sich selbst abhängig. Du bist es, der Leistung bringen muss. Du bist es, der trainieren muss. Es gibt niemanden sonst, den man für etwas verantwortlich machen kann.

Teilnehmer-Mix aus Olympiasieger und „Weekend Warriors“

Was ist das Besondere an der Are Extreme Challenge?
Das Besondere für mich ist jedes Jahr aufs Neue der Facettenreichtum hinsichtlich der Teilnehmer der Are Extreme Challenge. Auf der einen Seite sind da die Top-Athleten. Zum Beispiel haben schon zwei olympische Goldmedaillengewinner aus Schweden teilgenommen, genau wie einer der besten Trailrunner Skandinaviens und einige Top-Kajakfahrer aus Stockholm.

Auf der anderen Seite – und das ist die große Mehrheit – sind da die von uns liebe- und respektvoll als „Weekend Warriors“ bezeichneten Teilnehmer. Menschen, die müde sind von der Montag-bis-Freitag-Routine und nach mehr Abenteuer in ihrem Leben suchen. Sie sehen die Are Extreme Challenge als eine Option, um sich aus ihrer Komfortzone zu zwingen – zum Beispiel, um durch Stromschnellen zu paddeln, die sie normalerweise verängstigen würden. Schlussendlich ist die Are Extreme Challenge ein so schöner Event, weil er gleichermaßen Top-Athleten anspricht, die in weniger als fünf Stunden die Ziellinie erreichen, und Teilnehmer, die dafür die doppelte Zeit benötigen.

Die Zahl der Frauen bei der Are Extreme Challenge steigt

Können Sie mehr über die Teilnehmer verraten?
Natürlich. Klassischerweise waren es in den vergangenen Jahren vor allem männliche Mittvierziger, die oftmals sehr erfolgreich im Job sind und nach neuen Herausforderungen oder neuer Inspiration suchen. Aber auch die Flucht aus dem urbanen Raum in die Natur – wenigstens für ein paar Tage – ist ein wichtiges Motiv. Zudem ist gerade in den letzten beiden Jahren die Zahl der weiblichen Teilnehmer und auch der weiblichen Finisher gestiegen, was uns natürlich ungemein freut.

Möglichkeiten für anschließende Outdoor-Aktivitäten

Warum sollten auch Nicht-Skandinavier wenigstens einmal in ihrem Leben die lange Reise nach Are antreten?
Es lohnt sich alleine schon für die schönen schwedischen Mittsommernächte. Ich lebe mittlerweile seit mehr als zehn Jahren hier und bin noch immer fasziniert von den hellen Nächten. Aber auch sonst wird neben dem Rennen sehr viel geboten und die Möglichkeiten für anschließende Outdoor-Aktivitäten sind vielfältig – zum Camping, Wandern oder Angeln.

In den letzten Jahren wurde auch viel Geld in wunderschöne Trails investiert, weshalb gerade Mountainbiker in und um Are viel Spaß haben dürften. Zudem gibt es so viel pure Natur zu entdecken. Und tatsächlich freuen wir uns über jeden internationalen Teilnehmer, denn die weite Anreise ist ein Beleg für eine große Leidenschaft für den Sport und die Region hier, in der wir leben.

Nicht nur Extremsportler ansprechen, sondern auch Staffeln

Was wird es Neues geben bei der Are Extreme Challenge 2019?
Wir haben jetzt Angebote für Unternehmen, die den Wettbewerb als Basis für einen gemeinsamen Firmen- oder Abteilungs-Event sehen. Außerdem haben wir mit Run ‚n‘ Bike für diejenigen eine neue Kategorie geschaffen, die nicht Kajakfahren können oder wollen. Außerdem soll unser Kids-Race am Vortag weiter wachsen.

Überhaupt ist uns wichtig, dass wir nicht nur die Übersportler ansprechen, die als Einzelstarter an der Are Extreme Challenge teilnehmen. Deshalb haben wir auch eine Staffel-Kategorie, bei der sich drei Teilnehmer die einzelnen Streckenelemente untereinander aufteilen. Oder die Duo-Klasse, bei der man das Rennen zu zweit absolviert. Und unsere Teilnehmer sorgen ja selbst immer wieder gerne für Überraschungen oder inspirierende Geschichten.

„Am Ende geht jeder mit seiner ganz persönlichen Geschichte"

Was meinen Sie damit?
So schöne Dinge wie Hochzeitsanträge auf der Ziellinie oder eine junge Mutter, die mit ihrer Teilnahme zeigen wollte, dass man nach einer Schwangerschaft nicht alle sportlichen Träume und Ziele begraben muss. Am Ende kommt und geht jeder mit seiner ganz persönlichen Geschichte – das ist das Schöne an der Are Extreme Challenge.

Autor:
Björn Köcher
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