Claudia Klingelhöfer
Autor:
Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)

Skateboarder erklärt, wie die Digitalisierung den Sport pushen kann

Tony Hawk: „ISPO ist legendär”

Tony Hawk – den Jüngeren ist er ein Begriff, weil ein Videospiel seinen Namen trägt, die älteren Sportfans sehen natürlich in ihm zuerst den Skateboarder. Im Interview mit ISPO.com lässt er keinen Zweifel daran, dass die Digitalisierung den Sport an sich weiterbringt und Social Media Sport demokratischer macht.

Tony Hawk war Keynote-Speaker auf der ISPO Digitize Pioneers Night.
Tony Hawk war Keynote-Speaker auf der ISPO Digitize Pioneers Night.

ISPO.com: Tony Hawk, Sie sind Skateboard-Legende, Unternehmer, Held Ihres eigenen Videospiels, Social-Media-Star. Sind Sie die perfekte Kombination aus beiden Welten – der digitalen und der analogen?
Tony Hawk:
(lacht) Das hoffe ich. Ich liebe Technologie, ich habe als Kind so viele Videospiele gespielt und dann konnte ich mein eigenes Videospiel entwickeln. Diese Chance wollte ich unbedingt nutzen. Ich habe dann auch mit den Entwicklern sehr eng zusammengearbeitet und gleichzeitig bin ich natürlich weiter skaten gegangen. Und jetzt entwickle ich gerade ein Mobile Game.

Bei Ihrer Rede bei der ISPO Digitize Pioneers Night haben Sie gesagt, dass die Zukunft des Sports, auch durch die Möglichkeiten der Digitalisierung, großartig wird. Können Sie das genauer erklären?
Die Digitalisierung bietet den Vorteil, dass beispielsweise Informationen über Sport viel schneller und besser geteilt werden können. Geographische oder wirtschaftliche Faktoren sind nicht mehr hinderlich. Es ist viel eher so, dass alle Informationen vorhanden sind und du selbst herausfinden kannst, wie etwas gespielt oder ein Sport erlernt wird.

Tony Hawk: Social Media macht alles demokratischer

Und welche Rolle spielt Social Media?
Social Media macht alles gleichberechtigter, demokratischer. Egal, wo du herkommst: Du kannst ein Star werden, wenn du das Talent dafür hast. Wenn du den richtigen Content hast, wird das wahrgenommen und du gewinnst Follower und bekommst mehr und mehr Aufmerksamkeit.
Aus meiner Sicht ist das ein großer Vorteil – und war es insbesondere für die Entwicklung des Skateboardens und für die Entwicklung des Sports allgemein.

Werden Digitalisierung und Sport in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unweigerlich miteinander verflochten sein?
Tony Hawk: Ja, absolut! Nehmen wir zum Beispiel Profisportler mit ihren Social-Media-Fangemeinden. Es steht jetzt in ihren Verträgen, dass sie ihre Sponsoren oder ihr Team in ihren sozialen Medien bewerben müssen. Und wenn sie eine relativ geringe Anzahl von Followern haben, bekommen sie vielleicht nicht so viel Geld. Das ist jetzt ein echtes Konzept. Es ist nicht nur eine Theorie, sondern sehr anspruchsvoll und zeigt, wie weit wir im digitalen Zeitalter schon gekommen sind.

Es gibt eine ziemlich große Diskussion darüber, warum ISPO eSports integriert. Was würden Sie als eine Art Botschafter für die Digitalisierung den Menschen sagen, die sich nicht damit beschäftigen?
Das ist nur naiv. Weil Sport einen viel größeren Einfluss hat. Wenn man sich nur mal die größten Sportarten der Welt wie Fußball, American Football oder Basketball ansieht. Die haben über den Sport hinaus Welten erschaffen und eSports sind auch ein Teil davon. Es gibt Leute, die ihr ganzes Leben damit verbringen, auf bestimmte Mannschaften zu wetten. Dahinter steht ein Lebensstil und eine riesige Industrie und sie sollte sich mit der Technologie weiterentwickeln. Ich denke, dass ISPO eine großartige Plattform ist, um das den Leuten zu erklären und vorzustellen und ihr Denken zu ändern.

Was Tony Hawk an der ISPO Munich am meisten gefällt

Mit Digitize nimmt ISPO das Thema Digitalisierung ja ganz konkret auf. Was werden Sie, wenn Sie zurück in den USA sind, Ihren Freunden davon erzählen?
Ich finde, dass es eine echt große Sache ist und sage, dass sie rüberkommen und sich das anschauen sollen. ISPO ist so eine große Bewegung, ISPO ist legendär. Außerdem ist ISPO ja eine der wenigen Sport-Plattformen, die auch Action-Sport so prominent einbindet. Deswegen würde ich gerne in den kommenden Jahren nochmal herkommen, um all die Innovationen, die es hier gibt, zu sehen.

Social Media, Digitalisierung, Videogames und die Verbindung zum normalen Sport - klingt so einfach bei Ihnen. Viele Eltern haben dagegen Angst, dass ihre Kinder wegen eSports und Videospielen keinen Sport mehr treiben. Ist das eine berechtigte Angst?
Ich denke, man muss nur etwas finden, das einem zu sagt und alles ausprobieren. Als ich das Skateboarden für mich entdeckte, liebte ich die Einstellung der Skater. Ich liebte es, dass es sofort mit Action verbunden war, dass es aus sich heraus motivierend war. Ich musste nicht auf einen Trainer hören. Ich musste nicht jeden Tag zum Training erscheinen, damit sich das Team auf mich verlassen kann. Ich schätze die Mannschaftsportarten in dieser Hinsicht, aber sie sind einfach nicht für mich gemacht. Als ich das Skateboarden entdeckte, sprach es mich an und ich habe das Gefühl, dass Kinder einfach aus ihrer Komfortzone ausbrechen und neue Dinge ausprobieren müssen. Am Ende werden sie etwas finden, das ihnen zusagt. Natürlich ist es vielleicht nicht das, was man erwartet hätte.

 

Claudia Klingelhöfer
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Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)
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