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Outdoor-Marken starten Aktionen für Nachhaltigkeit statt Konsum

Wie Patagonia, Haglöfs & Co. den Black Friday zum grünen Freitag machen

Der Black Friday steht mit seinen Rabattaktionen für zügellosen Konsum. In der Outdoor-Branche nutzen einige Marken den 29. November dafür, für Nachhaltigkeit zu werben. ISPO.com stellt sechs spektakuläre Aktionen zum Black Friday 2019 von Haglöfs, REI, Patagonia, Ortovox und Isbjörn of Sweden vor.

Patagonia ist eine von mehreren Outdoor-Marken mit Nachhaltigkeits-Aktionen zum Black Friday.
Patagonia ist eine von mehreren Outdoor-Marken mit Nachhaltigkeits-Aktionen zum Black Friday.

Was in den USA begann, ist längst ein weltweites Phänomen: Am Black Friday – dem Freitag nach Thanksgiving – locken Händler, Shops und Marken mit Sonderangeboten. Und die Kunden nehmen die Aktionen dankbar an. Nicht umsonst hat der Tag seinen Namen daher, dass der Einzelhandel hier den Turnaround von roten in schwarze Zahlen schafft. Natürlich locken auch Sport- und Outdoor-Unternehmen die Konsumenten zur Schnäppchenjagd.

Doch die hat auch ihre Schattenseiten: Schließlich verursacht der erhöhte Online-Handel Verpackungs- und Paketmüll. Die für Kunden so bequeme Retoure-Möglichkeit endet nicht selten in Retouren-Vernichtung und damit Verschwendung von Ressourcen.

Deshalb nutzen nun einige Sport- und Outdoor-Marken den Black Friday dazu, mit besonderen Aktionen mitten im exzessiven Shoppingrausch Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Naturschutz zu schaffen. ISPO.com stellt vier Aktionen vor.

Haglöfs verdoppelt die Preise

So stellt etwa Haglöfs das Grundkonzept des Black Fridays auf den Kopf und startet dafür einen „Green Friday“: Statt vergünstigt verkauft das schwedische Outdoor-Unternehmen am 29. November seine Artikel in den eigenen Brand Stores zum doppelten Preis. Dafür spendet Haglöfs sämtliche Tageseinnahmen an die Schwedische Gesellschaft für Naturschutz „Naturskyddsföreningen“.

Der hauseigene Online-Shop bleibt am 29. November gleich ganz geschlossen.

„Als Outdoor-Marke sind wir zutiefst um die Natur besorgt und wir sind uns bewusst, dass Dinge oftmals gekauft werden, nicht weil man sie unbedingt benötigt, sondern weil sie zu einem Sonderpreis angeboten werden. Mit der Entscheidung gegen den Black Friday möchten wir unsere Verbraucher dazu ermutigen, zweimal nachzudenken, bevor sie ein neues Produkt kaufen“, erklärt Carsten Unbehaun, CEO von Haglöfs, die Aktion.

Outdoor-Händler REI räumt lieber auf

Bereits seit 2015 hat der Outdoor-Händler REI am Black Friday aus Prinzip geschlossen. So auch dieses Jahr. Seine 14.000 Mitarbeiter, die trotz des arbeitsfreien Tages bezahlt werden, regt REI genauso wie seine Kunden mit dem Hashtag #OptOusidet an, sich am Black Friday lieber an Umweltaktionen an der frischen Luft zu beteiligen. In den USA organisiert REI gemeinsam mit Partnern dafür dutzende Events zum gemeinsamen Aufräumen von Müll für den 29. November.

„Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, was wir unseren Mitarbeiten an Thanksgiving und dem Black Friday zumuten würden und treten bewusst auf die Bremse“, erklärt Ben Steele, Executive Vice President und Chief Customer Officer von REI.

Ganz auf Schnäppchen will der Retailer allerdings nicht verzichten: Vom 15. bis 25. November gab es Rabatte auf Outdoor-Artikel.

Patagonia verdoppelt Spenden

Die US-Outdoor-Marke Patagonia will dem Umweltschaden durch exzessiven Konsum durch eine besondere Spendenaktion entgegenwirken.

Alle Spenden, die auf der firmeneigenen Plattform Patagonia Action Works vom 29. November bis 31. Dezember getätigt werden, verdoppelt Patagonia mit eigenem Kapital (bis zu 10.000 US-Dollar pro Spende). Die Verdopplung von Spenden erfolgt unabhängig davon, ob die Spender Patagonia-Produkte kaufen.

Insgesamt ist der von Patagonia geleistete Betrag in dieser Aktion auf maximal 10 Millionen Dollar gedeckelt. So viel spendete das Unternehmen bereits 2017 nach einer US-Steuerreform an Umweltschutzorganisationen.

„Spenden an gemeinnützige Umweltorganisationen machen einen winzigen Prozentsatz des philanthropischen Spendens aus. Und das, obwohl der Planet brennt. Aus diesem Grund verdoppelt Patagonia alle Spenden, die vom 29. November (Black Friday) bis zum 31. Dezember 2019 zur Unterstützung von Umweltschutzgruppen wie zum Beispiel Meine Landwirtschaft, Riverwatch, Rehab Republic oder Euronatur auf Patagonia Action Works getätigt werden“, teilte das Unternehmen mit.

Auch bei Patagonia ist die aktuelle Aktion keine Eintagsfliege. 2016 etwa spendete das Unternehmen die kompletten Einnahmen des damaligen Black Fridays an Umweltprojekte.

Patagonia verdoppelt noch bis Ende des Jahres alle Spenden.
Patagonia verdoppelt noch bis Ende des Jahres alle Spenden.

Ortovox: Klimastreik statt blindem Konsum

Auch der deutsche Sport- und Outdoor-Hersteller Ortovox nutzt den Black Friday, um auf umweltpolitische Themen aufmerksam zu machen. So wird der firmeneigene Online-Shop am Black Friday offline genommen – als klares Zeichen gegen Rabatt-Konsumwahn.

Zudem ermuntert die Firmenleitung seine Angestellten, am Black Friday geschlossen auf Klimademonstrationen zu gehen. Was die Aktion umso glaubwürdiger macht: Ortovox verzichtete im Vorfeld auf marktschreierische Kampagnen zu der getroffenen Entscheidung.

Schaf statt Schnäppchen: Der Online-Shop von Ortovox hat am Black Friday geschlossen.
Schaf statt Schnäppchen: Der Online-Shop von Ortovox hat am Black Friday geschlossen.

Isbjörn: Leihen statt Kaufen ab dem Black Friday

Isbjörn of Sweden, Hersteller von Kinder-Outdoor-Bekleidung, startet ausgerechnet zum Black Friday sein neues Konzept gegen exzessiven Konsum und Ressourcenverschwendung: Ab dem 29. November können Kunden auf www.isbjornofsweden.com Funktionskleidung nicht mehr nur kaufen, sondern auch mieten.

„Aktionen wie der Black Friday verschärfen Massenkonsum und die Abfallproblematik in erheblichem Maße. Verbraucher werden übertrieben dazu animiert, Dinge zu kaufen, die sie zum größten Teil gar nicht wirklich benötigen. Anderes Brauchbares landet dafür im Müll“, bemängelt Maria Frykman Forsberg, eine der Gründerinnen und CEO von Isbjörn of Sweden: „Diesen Kreislauf möchten wir durchbrechen und Eltern dafür sensibilisieren, bewusst und damit weniger anstatt mehr zu konsumieren.“

Gerade Outdoor-Bekleidung für Kinder hat wegen des stetigen Wachstums häufig nur eine kurze Verwendungsdauer. Mit dem Mietangebot will Isbjörn of Sweden die Langlebigkeit von Funktionskleidung erhöhen und Textilabfälle durch die Wiederverwendung reduzieren.

Interessenten können Kleidung in einem saisonalen Abo-Modell ausleihen. Anschließend werden die Kleidungsstücke wieder aufbereitet und zu einem geringeren Preis weitervermietet oder in den Second-Hand-Markt gegeben.

Zunächst startet da Projekt allerdings nur in Schweden. Zeitnah soll allerdings eine Ausweitung auf die DACH-Region erfolgen.

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