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Statement an EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

Sportbranche warnt vor unverhältnismäßigen Wintersport-Verboten

In einem gemeinsamen Statement haben 26 Verbände und Unternehmen aus der Sport- und Wintersportbranche die EU auf schwere Folgen der Schließungen von Skigebieten hingewiesen. Pauschale Wintersportverbote werden darin als unverhältnismäßig gesehen und somit abgelehnt.

Skifahren - im Coronawinter gibt es einiges zu beachten

Nachdem mehrere EU-Staaten Skigebiete geschlossen und die Bevölkerung aufgerufen haben, angesichts der Corona-Pandemie Wintersport zu meiden, hat sich der Verband der Europäischen Sportartikelindustrie (FESI) gemeinsam mit 25 Unternehmen und Verbänden der Sportbranche in einem Statement an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, gewandt.

Marken wie Atomic, Fischer, Head, Intersport, K2, Rossignol, Salomon, Sport 2000 oder Tecnica sowie Verbände wie der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI), die European Outdoor Group (EOG), der Verband Deutscher Sportfachhandel (VDS) oder die World Federation of the Sporting Goods Industry (WFSG) zeigen darin die Wichtigkeit des Wintersports für Gesundheit und Wirtschaft sowie die schweren Auswirkungen unkoordinierter Schließungen ohne Vorlaufzeit für die Branche auf.

Wintersportbranche besonders hart betroffen

So haben die Einschränkungen im Wintersport Einfluss auf rund 60 Millionen Europäer, die regelmäßig Ski fahren. Dabei ist Wintersport nicht nur ein Teil des Kulturerbes in vielen Regionen, sondern als Sport auch wichtig für die geistige und körperliche Gesundheit.

Die Maßnahmen treffen die Branche, die jährlich 10 Milliarden Euro Umsatz in Europa generiert und 1,4 Millionen Menschen pro Saison anstellt, hart. Umso mehr, da der Wintersportsektor als saisonale und verleihorientierte Branche unwiederbringliche Umsatzeinbrüche zu befürchten hat.

Zudem hat der ausbleibende Wintersporttourismus unvorhersehbare Auswirkungen in den jeweiligen Regionen, in denen „der Löwenanteil der Einnahmen ganzer Gemeinschaften stark betroffen ist“.

Hygienemaßnahmen statt pauschaler Verbote

Dabei haben Skigebiete, Sportverbände, Ski-Schulen, Liftbetreiber und Geschäfte in den vergangenen Monaten massiv an Hygienemaßnahmen gearbeitet und darin investiert.

„Es ist daher unverhältnismäßig, einer ganzen Branche ein solches pauschales Verbot aufzuerlegen, da geeignete Hygienemaßnahmen gemeinsam mit öffentlichen und privaten Akteuren entwickelt und umgesetzt werden können“, heißt es in dem Statement.

Vorschläge: Mehr Hilfen, mehr Mitspracherecht, mehr Augenmaß

Daher regen die Signatoren des Statements die EU und ihre Mitgliedsstaaten an, folgende Vorschläge der Branche zu berücksichtigen:

  • „Viele Sektoren haben von den EU- und nationalen Behörden klare Zusagen erhalten, dass sie finanzielle Sicherheitspakete in verschiedenen Formen erhalten werden. Der Wintersportsektor sollte einer von ihnen sein. Auch die derzeitige Obergrenze der finanziellen Unterstützung von 800.000 EUR pro Unternehmen im Bereich des Fixkostenausgleichs halten wir für eine massive Benachteiligung auch von mittelständischen Unternehmen, die neu bewertet werden sollte.“
  • „In Vorbereitung auf die Wiedereröffnung der Skigebiete im Januar würde unsere Branche ein koordiniertes Vorgehen zwischen den Mitgliedstaaten mit Unterstützung der Europäischen Kommission befürworten. Unser Sektor wäre auch daran interessiert, sich an einem solchen Dialog zu beteiligen und sein Fachwissen und seine Empfehlungen für die Zukunft weiterzugeben.“
  • „Der gesamte Wintersportsektor wurde durch einzelne Erklärungen überrascht, ohne vorher proaktiv konsultiert oder informiert worden zu sein. Uns werden Entscheidungen vorgelegt, die auf unverständlichen und manchmal auch etwas unangepassten Verfahren und politischen Prozessen beruhen. Wir fordern die Entwicklung klarer und zuverlässiger Risikoindikatoren für Einreise- oder Ausreiseländer, wie dies in vielen anderen Tourismus- und Reisesektoren geschehen ist. Dies würde es den Akteuren des Wintersports ermöglichen, im Voraus angemessen informiert zu sein und vorherzusagen, wann und welche Wintersportorte geschlossen werden könnten.“
  • „Die COVID-19-Sanitärkrise zeigt, dass sich die Wintersportindustrie auf ein sehr fragiles Modell verlässt. Aufgrund der unkoordinierten Ferien in ganz Europa haben Millionen von Menschen nur eine sehr begrenzte Zeit, um ihren Lieblingssport auszuüben, und das oft unter überfüllten Bedingungen. Wenn nur 1 oder 2 Wochen aufgrund von Wetterbedingungen oder einer sanitären Krise ausfallen, kann ein ganzes Geschäftsjahr beeinträchtigt werden. Eine gründliche Diskussion mit allen Akteuren sollte organisiert werden, um eine effizientere und nachhaltigere Koordination von wintersportbezogenen Ferien für eine langfristige Perspektive zu erreichen.“

Folgende Unternehmen haben das Statement unterzeichnet:

  • Atomic
  • Elan
  • Fischer
  • Head
  • Inretail
  • Intersport
  • K2
  • Marker Dalbello Völkl
  • Groupe Rossignol
  • Salomon
  • Skimium
  • Ski Set
  • Sport 2000
  • Tecnica Group

Folgende Verbände haben das Statement unterzeichnet:

  • Asociación Española de Fabricantes y Distribuidores de Artículos Deportivos (AFYDAD)
  • Association Suisse des Magasins d’Articles de Sport (ASMAS)
  • Associazione Nazionale fra i Produttori di Articoli Sportivi (Assosport)
  • Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI)
  • European Outdoor Group (EOG)
  • Federation of European sporting goods retail associations (FEDAS)
  • Federation of the European Sporting Goods Industry (FESI)
  • Dutch industry association for sporting goods suppliers (FGHS)
  • Union Sport Cycle Verband Deutscher Sportfachhandel (VDS)
  • Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ)
  • World Federation of the Sporting Goods Industry (WFSG)
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