Autor:
Thomas Becker

Einschätzungen aus der Retail Lounge der OutDoor by ISPO

So wird Nachhaltigkeit für Outdoor-Händler zum Wettbewerbsvorteil

Outdoor ohne Nachhaltigkeit? Geht nicht! Das haben Outdoor-Hersteller längst erkannt. Doch auch für Händler ist Nachhaltigkeit Trumpf. ISPO.com hat sich umgehört - und durchaus noch Verbesserungspotenziale gefunden.

OutDoor by ISPO 2019 - Patagonia
Nachhaltigkeit ist für Outdoor-Kunden inzwischen häufig ein Kaufgrund.

Nachhaltigkeit ist längst ein Faktor beim Kaufverhalten: Erhebungen zeigen, dass sich die Mehrheit der Kunden noch mehr Produkte, Dienstleistungen und Einzelhändler mit „Grünen Labels“ wünschen, mit denen sie durch ihren Kauf Nachhaltigkeit fördern und umsetzen können.

Nur: Was genau ist eigentlich wie nachhaltig? Und: Wie gut kennen sich die Händler mit dem Thema aus?

Die Debatte in der Retail Lounge der OutDoor by ISPO widmete sich diesem weiten Feld, und die Diskutanten schafften es, den Händlern dabei ein paar Tipps an die Hand zu geben. Ein Überblick:

„Es ist noch nicht zu spät, ins Thema einzusteigen!“

Anny Cardinahl, Nachhaltigkeitsexpertin der European Outdoor Group (EOG):

„Es ist noch nicht zu spät, ins Thema einzusteigen! Aber tut es jetzt, nicht in zwei Jahren! Es gibt zwar bereits einige Leuchtturmprojekte, aber auch noch viele Nischen. Warte nicht auf die Branche, sondern pushe es selbst in deine Richtung!“

Gabriel Arthur, Chefredakteur von Suston (Sustainable Outdoor News):

„Verkäufer müssen gute Storyteller und von ihren Produkten überzeugt sein – und sie müssen sich damit auskennen! Eine Umfrage bei mehr als 1100 Händlern in West- und Nordeuropa hat ergeben, dass 72 Prozent aller Händler glauben, dass Kunden dazu bereit wären, mehr Geld für „grüne“ Produkte auszugeben – aber nur elf Prozent der großen Händler coachen ihre Mitarbeiter in Sachen Nachhaltigkeit. Hinzu kommt: Die Fragen der Kunden zur Nachhaltigkeit kommen oft nicht in der Chefetage an.“

Manchen Händlern fehlt das Wissen

Joel Svedlund, Nachhaltigkeitsexperte bei Peak Innovation:

„Was man als Händler in Sachen Nachhaltigkeit tun kann? Sich Wissen aneignen! Kurse besuchen. Newsletter abonnieren. Viele Händler haben schon den 'richtig guten Stoff' im Laden, wissen aber gar nicht, wie gut der ist! In einem Selbstversuch habe ich festgestellt: Der Händler hat es verpasst, mir die richtigen Fragen zu stellen, obwohl ich an einem hochpreisigeren Produkt interessiert war.“

„Wir brauchen Fakten, keine Claims!“

Jukka Saarikorpi, Mit-Gründer des E-Commerce-Shops Weekendbee, der nur nachhaltige Produkte verkauft:

„Wichtig für Händler ist es, nicht-nachhaltige Produkte nicht schlechtzureden. Wir wollen keine negative Aufmerksamkeit beim Kunden, sondern ein positives Gefühl beim Kauf fördern. Das Problem ist, dass die nachhaltigsten Brands oft noch unbekannt sind. Mein Tipp an Händler: Schaut, was die Kleinen machen – die sind oft schneller als die Großen. Wichtig ist für uns auch: Nicht nur ein Produkt einer Brand muss nachhaltig sein, sondern die ganze Brand. Generell muss es für den Kunden einfacher werden, nachhaltige Produkte zu finden.“

Martin Kössler, CEO und Gründer von HuginBiz:

„Wir brauchen Fakten, keine Claims! In Sachen Nachhaltigkeit hat die Outdoor-Branche längst eine Vorbildfunktion für Fashion übernommen.“

Autor:
Thomas Becker
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