10

Die fahrradfreundlichsten Städte der Welt

LISTICLE | 09.08.2021
Längst nicht nur in den Bergen ein neuer Trend: E-Mountainbikes eignen sich auch perfekt für die Stadt.
Autor:
Martin Jahns

Ohne das Fahrrad ist die Mobilität der Zukunft undenkbar. Doch wie fahrradfreundlich sind die Metropolen der Welt? Der Copenhagenize Index gibt Einblicke. Wir stellen die zehn bike-tauglichsten Städte vor und zeigen, was sie so besonders macht.

In welchen Städten ist man auf dem Rad am komfortabelsten und sichersten unterwegs? Seit 2011 beantwortet der Copenhagenize Index diese Frage. In den Top 10 des aktuellen Copenhagenize Index‘ sind ausschließlich europäische Städte vertreten. Neben niederländischen und skandinavischen Städten ist vor allem Frankreich stark vertreten. Eine deutsche Stadt schrammt nur knapp an Platz 10 vorbei. Das sind die Top 10 von der zehntplatzierten zur fahrradfreundlichsten Stadt der Welt.

10

Helsinki

Mehr als 1.300 Kilometer Rad-Infrastruktur, dazu die Bike-First-Umorientierung des belebten Boulevards Hämeentie und Umfragewerte, wonach sich 74 Prozent der Einwohner*innen beim Radfahren in der Stadt sicher fühlen. Helsinki macht in Sachen Radfreundlichkeit seit einigen Jahren vieles richtig. So etwa auch, dass Fahrräder seit 2018 kostenlos in öffentlichen Zügen mitfahren können. Und für eine skandinavische Stadt besonders nützlich: Auch bei der Schneeräumung genießt die Rad-Infrastruktur immer mehr Aufmerksamkeit.

  • Gesamtwert: 59,8 %*
  • Streetscape: 2,7
  • Culture: 2,7
  • Ambition: 2,1

*Erklärung der Zahlen siehe unten

9

Wien

Ob durch den kostenlosen Verleih von Lastenrädern, Tausenden neuen Bike-Parkplätzen, den komfortablen neuen Radwegen am Getreidemarkt oder der allgegenwärtigen Marketing-Kampagne #warumfärhstDUnicht? für mehr Radverkehr – Österreichs Hauptstadt machte in den vergangenen Jahren vieles richtig. Was eine noch höhere Platzierung verhindert: Noch zu häufig teilen sich Fahrräder die Radwege mit Bussen oder Taxis.

  • Gesamtwert: 60,7 %
  • Streetscape: 2,8
  • Culture: 2,3
  • Ambition: 2,8
8

Paris

Die französische Hauptstadt ist dank der ambitionierten Begrünungsprojekte von Bürgermeisterin Anne Hidalgo seit Jahren immer wieder als Vorbild für den Mobilitätswandel in den Medien. Auch im Ranking klettert Paris stetig weiter von 13 auf acht. Das liegt zum einen am erfolgreichen städtischen Bike-Sharing-Angebot „Vélib“, aber auch dem Anreizsystem für Lastenräder, autofreie Tage und den steten Ausbau von Radwegen in der Stadt. Nachholbedarf besteht dagegen noch bei Rad-Abstellmöglichkeiten und teils unübersichtlichen Radwege, in die sich beide Fahrtrichtungen hineinteilen müssen.

  • Gesamtwert: 61,6 %
  • Streetscape: 2,7
  • Culture: 1,8
  • Ambition: 3,4
7

Oslo

Die norwegische Hauptstadt ist der große Gewinner des aktuellen Copenhagenize Index: Von Rang 19 ging es hoch auf Platz 7 – der größte Sprung aller Städte. Der Aufschwung ist Konsequenz des städtischen 2015-2025 Bicycle Plan, der mit mehreren Maßnahmen neue Mobilitätsschwerpunkt setzt: Aus den 1,3 km² um das Zentrum sind Autos seit 2017 verbannt, tausende PKW-Parkplätze wichen in den vergangenen Jahren Bikes und Fußgängern. Für Privatpersonen und Unternehmen gibt es finanzielle Anreize für den Kauf von Cargo-Bikes und selbst der verschneite Winter wird dank 400 städtischen Bikes mit Winterrädern ein geringeres Problem.

  • Gesamtwert: 62,5 %
  • Streetscape: 2,7
  • Culture: 2,3
  • Ambition: 2,9
6

Bordeaux

Ob die Sperrung der historischen Brücke Pont de Pierre, das Angebot von 200 E-Bikes für Stadtangestellte oder 100 neue Stellplätze für Lastenräder – Bordeaux investiert stetig in einen wachsenden Anteil des Radverkehrs am öffentlichen Leben. Der Anteil von nur 35 Kilometern für Autos unbefahrbarer Radwege im Vergleich zu über 100 Kilometern lediglich farblich markierter Radstreifen bietet aber noch Raum für Verbesserungen.

  • Gesamtwert: 68,8 %
  • Streetscape: 2,5
  • Culture: 2,8
  • Ambition: 3,4
5

Straßburg

Die fahrradfreundlichste Stadt Frankreichs liegt im Elsass. In Straßburg pendeln immerhin 16 Prozent der Bevölkerung mit dem Rad zur Arbeit. Anwohner-Initiativen haben außerdem dafür gesorgt, dass Autos Platz genommen und dieser dafür den Bikes gegeben wird, so etwa auf der historischen Grande Ile und den Docks „Les Quais“. Hemmschuh für noch mehr Fahrradfreundlichkeit ist das Geld: Projekte sind noch zu häufig unterfinanziert.

  • Gesamtwert: 70,5 %
  • Streetscape: 3,3
  • Culture: 2,8
  • Ambition: 2,9
4

Antwerpen

Auch Antwerpen baut fleißig seine Abstellmöglichkeiten für Bikes aus und baut ein Netz an Radwegen ins Umland. Dazu kommt das Tempolimit von 30 km/h in 95 Prozent der städtischen Straßen, das die Sicherheit für Rad-Fans erhöht. Dennoch bleibt noch Luft für Verbesserungen: Noch immer zeugen schwere Unfälle von Radfahrer*innen mit LKWs und Autos davon, dass weitere Investitionen in die Infrastruktur nötig sind.

  • Gesamtwert: 73,2 %
  • Streetscape: 3,3
  • Culture: 3,3
  • Ambition: 2,9
3

Utrecht

Fahrräder sind in Utrecht allgegenwärtig – doch das ist der Stadt nicht genug: Bis 2030 soll die Zahl der Arbeitswege per Fahrrad verdoppelt werden. Dafür investiert die niederländische Stadt in „Fast Lanes“ für E-Bikes, smarte Verkehrsleitsysteme und Fahrrad-Abstellplätze auf Rekordniveau: In Utrecht entsteht das weltgrößte Fahrrad-Parkhaus, in dem 22.000 Räder Platz finden werden. Rund um den Hauptbahnhof gibt es inzwischen 33.000 Rad-Abstellplätze. Auch, weil private Investoren ebenfalls Geld in Rad-Infrastruktur stecken. Ein Kritikpunkt des Copenhagenize Index ist die Unübersichtlichkeit der Rad-Infrastruktur für Neuankömmlinge.  

  • Gesamtwert: 88,4 %
  • Streetscape: 3,7
  • Culture: 3,8
  • Ambition: 3,8
2

Amsterdam

Mit einem Aktionsplan will Amsterdam bis 2022 vor allem die Parksituation für Räder und bestehende Infrastruktur weiter verbessern. Eine der Maßnahmen angesichts der stetig steigenden Zahl an Radfahrer*innen: Die Verbreiterung bestehender Radwege für gefahrloses Überholen. Außerdem sollen bis 2025 insgesamt 11.000 Parkplätze für Autos unter anderem in Rad-Stehplätze umgewandelt werden. Und: Es entsteht eine neue Brücke für Fuß- und Radverkehr und die Stadt plant die Verbannung von Mopeds von den Radwegen der Innenstadt zurück auf die Straße. Der Lohn all der Bemühungen: Die Rückeroberung von Platz zwei im Copenhagenize Index nach Rang drei im vorherigen Ranking.

  • Gesamtwert: 89,3 %
  • Streetscape: 3,7
  • Culture: 3,8
  • Ambition: 3,8
1

Kopenhagen

Die fahrradfreundlichste Stadt der Welt ist und bleibt Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt steht seit 2015 an der Spitze des Rankings. 62 Prozent der Arbeits- und Schulwege werden hier auf dem Rad zurückgelegt. Im Schnitt investiert die Stadt 40 Euro pro Einwohner in Rad-Infrastruktur, darunter neue Fahrradbrücken, 167 Kilometer neue Radwege ins Umland sowie Beleuchtung, Beschilderung und Reparatur-Stationen. Aber der Vorsprung auf die Verfolger schmilzt. Auch, weil die dänische Staatsregierung durch Ausgabeneinschränkungen für kommunale Behörden Investitionen in die Infrastruktur erschwert.

  • Gesamtwert: 90,2 %
  • Streetscape: 4,0
  • Culture: 3,8
  • Ambition: 4,0

Die weiteren Plätze 11 bis 20 im Überblick

PositionStadtGesamtwert in Prozent
11Bremen58,9
12Bogota58,1
13Barcelona57,4
14Ljubljana57,1
15Berlin56,3
16Tokio55,4
17Taipei54,5
18Montreal53,6
18Vancouver53,6
20Hamburg52,7

 

Das steckt hinter den Zahlen des Copenhagenize Index

115 Städte wurden in 13 Kategorien mit Punkten von 0 bis 4 (Bestwert) bewertet. Zudem können die Städte in einer 14. Kategorie Bonuspunkte für besondere Errungenschaften für die Bike-Community erhalten. Aus den 14 Werten wird ein prozentualer Gesamtwert für die Fahrradfreundlichkeit der jeweiligen Stadt ermittelt. Dieser ist entscheidend für das Ranking

Zudem wird im Copenhagenize Index der Punktewert für die 13 Kategorien veröffentlicht. Diese verteilen sich auf drei Oberkategorien. Dabei handelt es sich um

  • Streetscape: bestehend aus: Rad-Infrastruktur, Rad-Einrichtungen, Verkehrsberuhigung
  • Culture: Gender-Split, Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr, Anstieg des Radverkehrs binnen zehn Jahren, Sicherheit, Image, Verfügbarkeit von Lastenrädern
  • Ambition: Bike-Interessensvertretung, politische Entscheidungen, städtisches Bike-Sharing, Stadtplanung
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