Hersteller engagieren sich für Reparatur, Upcycling und Sharing

Second Life: So wird Outdoor-Kleidung noch nachhaltiger

Auch wenn Kleidung möglichst umweltfreundlich produziert wird – wirklich nachhaltig ist sie erst, wenn sie lange genutzt wird. Bisher war das nicht der Fall, vieles landet zu schnell auf dem Müll. Mit Second-Life-Initiativen wollen Outdoor-Hersteller wie Vaude, Patagonia oder Peak Performance den Lebenszyklus ihrer Produkte verlängern.

Patagonia tourt durch europäische Skigebiete und repariert Outdoor-Kleidung. gratis.
Patagonia tourt durch europäische Skigebiete und repariert Outdoor-Kleidung gratis.

Bisher verortete die Industrie den größten Umwelteffekt in der Produktion von
Kleidung. Mittlerweile weiß man, dass sich auch Nutzung und Entsorgung auf die
Umwelt auswirken. Die Logik ist einfach: Wenn ein Kleidungsstück länger getragen
wird, wird weniger produziert und weniger weggeworfen. Wer seine Kleidung nur
neun Monate länger nutzt, verringert seinen ökologischen Fußabdruck um je 20 bis
30 Prozent, ist in einem Papier von WRAP zu lesen. Die gemeinnützige Organisation
entwickelt Strategien für einen schnelleren Wandel zu einer nachhaltigen Industrie.

Nachhaltige Produktion und Higg Index

„In unserer Nachhaltigkeitsstrategie ist die Langlebigkeit der Produkte eines der wichtigsten Dinge“, erklärt Åsa Andresson, Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanager bei Peak Performance. Um diese zu gewährleisten, hat das Unternehmen für die gesamte Lieferkette festgelegte Prozesse und wählt Lieferanten und Produktionspartner sehr sorgfältig aus. Das Konzept basiert auf der Kooperation mit der Sustainable Apparel Coalition (SAC). Diese entwickelte den populären Higg Index, der standardisierte Maßnahmen für eine nachhaltigere Wertschöpfungskette bietet.

Ersatzteile und Reparatur für längeren Lebenszyklus

„Lebensverlängernde Maßnahmen“ fließen auch in die Planung der Kleidungsstücke ein. Die Produkte sollen einfach zu reparieren sein. Leicht verschleißende Teile wie Zipps, Kordeln und Druckknöpfe sind als Ersatzteile verfügbar. Viele Unternehmen bieten ein Reparaturservice an – manche promoten dies auch:

- Vaude entwickelte gemeinsam mit der Online-Plattform ifixit Reparaturanleitungen und regt so die Verbraucher zum Do-it-Yourself an.

- Patagonia tourt im Rahmen der Worn Wear Tour in einem Bus durch europäische Skigebiete. Verbraucher können Verschleißmängel und Schäden vor Ort gratis reparieren lassen. In zusätzlichen Workshops wird der nachhaltige Gebrauch von
Funktionskleidung erklärt.

Second-Life-Strategie fördert Image

Die Promotion der Second-Life-Strategien zeigt Erfolge. In einem Interview in der Süddeutsche Zeitung wurde Melody Harris-Jensbach, die Geschäftsführerin von Jack Wolfskin, gefragt, warum ihre Marke nicht auf Umweltthemen wie das Reparieren von Kleidung setze. Ihre Antwort: „Wir haben auch schon seit über 20 Jahren einen Reparaturservice. Aber wir haben das nie an die große Glocke gehängt und eine Marketingaktion daraus gemacht. Das war sicher ein Fehler.“

Tauschen, Teilen, Mieten – Produkt-Sharing wird beliebter

Für viele Leute unter 30 Jahren ist Besitz nur mehr eine Form von Konsum. Abhängig von Funktion und Anlass wird Kleidung geteilt, getauscht und gemietet. An diese Einstellung knüpfen die Second-Life-Initiativen der Industrie an.

Second Life steht für Maßnahmen, die Produkten ein zweites Leben geben. Unternehmen nehmen die gebrauchte Kleidung von ihren Kunden zurück. Je nach Zustand wird diese recycelt, wiederverkauft oder gemeinnützigen Vereinen gespendet.

So bietet etwa der Sportartikelhändler Decathlon seit Oktober 2018 auch eine Online-Plattform für den Weiterverkauf von Sportartikeln durch die Kunden. An sogenannten Trocathlons ist auch in den Filialen der Kette in einer Flohmarkt der Kauf und Verkauf von bereits gebrauchter Ware möglich.

Vaude und Houdini sind Pioniere im Vermieten von Outdoor-Kleidung. Beide Unternehmen bieten die Miete von Shells in den eigenen Läden an. Houdini startete den Service bereits 2013. Der schwedische Hersteller möchte seinen Kunden alternative Möglichkeiten des Konsums bieten – und sieht in der Miete eine gute Alternative zum Neukauf.

Second-Life-Plattformen von Nutzern

Vaude engagiert sich auch im Wiederverkauf von gebrauchter Kleidung. Das
Unternehmen errichtete in Kooperation mit eBay einen Online-Shop, den
Endverbraucher für den Verkauf ihrer gebrauchten Vaude-Produkte nutzen können.
Das Unternehmen ist weder Betreiber der Plattform noch verdient es daran. Dazu
Hilke Patzwall, CSR-Manager bei Vaude: „Die Second-Use-Website ist eine von
mehreren lebensverlängernden Maßnahmen für unsere Produkte. Wir bekommen
sehr positives Feedback darauf.“

Vaude stellte seinen Nutzern auf eBay eine Wiederverkaufsplattform zur Verfügung.
Vaude stellte seinen Nutzern auf eBay eine Wiederverkaufsplattform zur Verfügung.

Der Outdoorhändler Steppenwolf in Wien organisiert zweimal jährlich einen
Flohmarkt – und das schon seit 1992. Leitmotiv ist das „Less-is-more“-Prinzip von
Patagonia, einer seiner Hauptmarken. Auch wolle er seinen Kunden einen Mehrwert
bieten, erklärt Michael Lanmüller, Gründer und Inhaber. Zu Beginn der 1990er
Jahre sei das Interesse sehr groß gewesen. Mit dem Internet flaute das Interesse ab
und sei erst 2008 wieder gestiegen.

Michael Lanmüller: „Über Facebook ist der Flohmarkt zum Happening geworden.
Befeuert von Medienthemen wie Zero Waste, Up- und Recycling sowie der Patagonia
Worn-Wear-Tour. Unser Publikum ist jung, großteils weiblich und die meisten
kommen in der Gruppe.“

Second-Life-Plattformen von Outdoor-Herstellern

Bei Patagonia läuft der Wiederverkauf über den eigenen US-Webshop. Im Dezember
2017 stellte der Outdoor-Hersteller die Initiative in Berlin vor: In einem eintägigen
Pop-up-Store. Der Erfolg war groß und der Erlös ging an drei deutsche
Umweltorganisationen. Ryan Gellert, Patagonias General Manager EMEA, zeigte
sich begeistert von der kreativen Energie in Berlin, welche den Erfolg des progressiven
Projekts ermöglichte. Der nächste Worn-Wear-Pop-up-Store ist im Herbst 2018 in
Mailand geplant.

Lange Warteschlangen beim Patagonia Worn Wear Pop-up-Store in Berlin.
Lange Warteschlangen beim Patagonia Worn Wear Pop-up-Store in Berlin.

Nachhaltiger Umgang mit Produktionsproblemen

Im Nachhaltigkeitsprogramm von Burton stehen Retouren im Fokus. In der
Vergangenheit wurden viele Teile ersetzt. Jetzt will die Snowboardbrand mehr
reparieren. Christine Egger, Senior Softgoods Manager Europe: „Wir arbeiten mit
professionellen Partnern, wie zum Beispiel Schustern, zusammen und können so mehr
Reparaturen ausführen. Bis 2020 wollen wir eine Quote von 40% erreichen.“

Der Hintergrund: Eine Reihe von Unternehmen vernichten oder entsorgen
Mangelware und werden dafür von Umweltorganisationen scharf kritisiert.

The Northface bietet Ware aus Retouren und mit Produktionsmängeln im eigenen
US-Online-Shop an – zu reduzierten Preisen und mit einem Jahr Garantie auf
Verschleiß. James Rogers, Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung bei Northface sieht im
Wiederverkauf eine wichtige Maßnahme „den ökologischen Fußabdruck zu
verkleinern und neue Märkte zu erschließen“.



Am Ende des Lebenszyklus: Recycling

Wenn gebrauchte Kleidungsstücke die Anforderungen für einen Wiederverkauf nicht
mehr erfüllen, bleibt nur noch umweltfreundliche Entsorgung, Upcycling und
Recycling. Houdini ist eines der Unternehmen, das in seinen Verkaufsstellen
Recyclingboxen aufstellt und darin die aussortierte Polyesterkleidung seiner Kunden sammelt. Kunden können die Container mit gutem Gewissen nutzen. Houdini
garantiert das fachgemäße Recycling.

Rentables Recycling ist laut Greenpeace in vielen Fällen nicht möglich, weil Kleidung
meist aus verschiedenen Grundstoffen besteht und nicht sortenrein ist. Zuletzt war
Recycling auf den Oberstoff beschränkt. Dementsprechend groß war die Aufmerksamkeit, als Jack Wolfskin zur ISPO Munich 2018 seine Texapore Ecosphere
Jacken vorstellte. Sowohl Oberstoff als auch Membran und Innenfutter sind aus
vollständig recyceltem Material. Im Winter 18/19 sollen auch Shells, Fleece und
hybride Modelle in vollständig recycelten Materialien erscheinen.

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