Autor:
Marcos Moschovidis

Was macht einen FIFA-Star aus?

Niklas Luginsland: eSports Profi trotz Glasknochenkrankheit

Niklas Luginsland ist eSports Profi beim deutschen Fußballclub VfB Stuttgart. Als Fünfjähriger besuchte er zum ersten Mal ein Spiel des VfB. Seit fast 15 Jahren ist der heute 22-Jährige nun Mitglied in dem Verein. Mit seinem Profivertrag erfüllt er sich einen großen Traum: Er ist Profisportler – und das trotz seiner Glasknochenkrankheit. Zusammen mit Mario Viska, dem erfolgreichsten und bekanntesten FIFA-Spieler Österreichs, trat er auf dem ISPO Digitize Summit 2019 auf.

Die beiden FIFA-Profis Mario Viska und Niklas Luginsland

„Der VfB Stuttgart ist mein absoluter Herzensverein und Lieblingsclub. Und war es schon immer."

Erfolgsgeschichten wie die von Niklas und Mario zeigen immer deutlicher, welch großes Potenzial eSports besitzt. Egal ob ein Mensch mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen hat oder nicht, er ist willkommen und kann es bis ganz nach oben schaffen. Das Schöne daran ist, dass sich dabei Menschen kennenlernen, die sonst vermutlich nicht zueinander gefunden hätten. Und das gibt Hoffnung. Insbesondere wenn man sieht, dass dabei ein so sympathisches Duo wie bei den zwei Champions entsteht.

Bereits zu Beginn des Gesprächs wird klar, mit wie viel Leidenschaft und Elan die zwei eSports Größen für das Thema brennen. Wenn beide sprechen, dann hört das Publikum gebannt zu. Das liegt nicht nur am selbstbewussten Auftreten der zwei Profis, sondern auch an den vielen interessanten und motivierenden Anekdoten aus ihrer eigenen Biografie.

„Der VfB Stuttgart ist mein absoluter Herzensverein und Lieblingsclub. Und war es schon immer. Seit 2004 bin ich Mitglied und natürlich war es vor allem der eSports, der es mir ermöglicht hat, ein Part dieser Familie und dieses tollen Vereins zu werden", so Niklas.

NIklas Luginsland bei einer Runde FIFA
Niklas Luginsland bei einer Runde FIFA beim ISPO Digitize Summit

Ein wahrer Champion durchbricht alle Hindernisse

Niklas liebt den Fußball, seit er denken kann. Da er aber an der Glasknochenkrankheit leidet, stand für ihn fest, dass ihm der klassische Weg zur Profikarriere leider niemals offen stehen wird. In seinen ersten fünf Lebensjahren erlitt er mehr als 40 Knochenbrüche. Mittlerweile liegt der letzte Bruch zwar einige Jahre zurück, doch auf den Rollstuhl wird der sympathische eSportler immer angewiesen sein.

Trotz der fehlenden Möglichkeiten im klassischen Sport gab Niklas aber seinen Traum nicht auf. Er wollte Profispieler für den VfB Stuttgart werden. Unbedingt. Und so entwickelte er eine alternative Strategie und gelangte zum eSports. Mit viel Training, Kampfgeist und Hingabe hat er es geschafft und ist heute im Kader des VfB Stuttgart.

„Natürlich muss man täglich trainieren. Man muss sich ständig spielerisch weiterentwickeln und dazu gehört zum Beispiel auch die Analyse des eigenen Spiels. Wo sind Fehler und was kann ich nächstes Mal besser machen? Aber um wirklich ein funktionierendes Konstrukt zu haben muss man auch physisch fit sein. In meinem Fall bedeutet das vor allem viel Physiotherapie und ich halte mich selber auf jeden Fall körperlich fit, aber natürlich auch Sachen wie das familiäre Umfeld und die mentale Einstellungen müssen stimmen", erzählt er. „Ab einem gewissen Niveau ist es ähnlich wie im Profifußball. Da machen dann eben Nuancen den Unterschied und dann gewinnt oft derjenige, der eben in dem Match on point da ist und dann eben auch mental stärker ist."

Niklas macht deutlich: Wer im eSports erfolgreich sein will, der hat es nicht unbedingt einfacher als Profis im klassischen Sport. Doch für ihn hat der eSports einen ganz zentralen Vorteil:

„Bezogen auf meine physische Einschränkung gibt es im eSports natürlich keine Barrieren. Im eSports kann ich genauso, wie jeder andere eben, den Controller in die Hand nehmen und einfach loslegen. Und kann da genauso Erfolge erzielen."

Ein Profi mit Herz

Niklas möchte sich aber nicht auf seinen Erfolgen ausruhen, sondern auch anderen Menschen zeigen, dass man es trotz körperlicher Einschränkungen ganz an die Spitze schaffen kann. Sein Engagement findet an mehreren Fronten statt, sowohl on- als auch offline. Seiner Social Media Community gibt er beispielsweise Tipps für die eigene Sportlerkarriere und beantwortet Fragen und Kommentare seiner Follower. Zusätzlich führt er auch Gespräche mit Institutionen, die sich für behinderte Menschen einsetzen. Außerdem ist er im regen Austausch mit anderen eSportlern und Unternehmen, um dem Thema Inklusion eine bessere Plattform zu verschaffen.

„Wenn ich durch mein Beispiel anderen Menschen Mut machen kann, für ihre Träume zu kämpfen, dann habe ich schon viel erreicht.“

Mario Viska als Quelle der Inspiration

Niklas steht zusammen mit Mario Viska auf der Bühne. Mario ist der wahrscheinlich erfolgreichste und bekannteste FIFA-Spieler Österreichs und neun Jahre älter als Niklas. Als Mario davon redet, wie wichtig es ist, gerade Anfangs ein Vorbild zu haben, fragt er auch Niklas, wer denn zu Beginn seiner Karriere ein Vorbild gewesen sei. Verschmitzt antwortete Niklas mit einem Lachen im Gesicht: „Mario". Diese Antwortet verwundert eigentlich auch nicht, denn abgesehen von den offensichtlichen körperlichen Unterschieden, haben die beiden sehr viel gemeinsam.

„Fußball ist meine Leidenschaft und ich wollte immer Profi werden.“

Für Mario Viska stand ebenfalls bereits im jungen Alter fest, dass er eines Tages seinen Lebensunterhalt als professioneller Fußballspieler bestreiten würde. Um sein großes Ziel erreichen zu können, arbeitete er schon in seiner frühesten Kindheit hart und spielte mit fünf Jahren bereits im Fußballverein. Eine Zeit lang sah es auch tatsächlich so aus, als ob sein Weg direkt in die Bundesliga führen würde, denn er schaffte es in seiner Jugend Spieler beim österreichischen Profiklub Admira zu werden. Doch wie das manchmal so ist im Leben, hatte das Schicksal andere Pläne und Mario musste als Teenager feststellen, dass der konventionelle Weg zum Profi leider nicht aufgehen wird.

Im Duell: Mario Viska und Niklas Luginsland
Die beiden Profis Mario Viska und Niklas Luginsland lieferten sich beim ISPO Digitize Summit ein spannendes FIFA-Match

Niemals aufgeben

Trotz dieses Rückschlages ließ er sich aber nicht von seinem Traum abbringen und kämpfte weiter für den Fußball, diesmal auf dem digitalen Weg als FIFA-Spieler. Und sein Fleiß machte sich bezahlt: Nach Jahren voller Trainings- und Spielstunden war ihm im Jahr 2004 klar, dass er den Traum Fußballprofi zu werden doch noch verwirklichen kann.

Ein Erfolg folgt dem nächsten

Seine Erfolge sprechen für sich: Seit 2006 sechsmal hintereinander Deutscher Meister im Teamwettbewerb (ein neuer Rekord, der bis dato nicht gebrochen wurde), fünfmal Österreichischer Meister, dreimal dritter Platz bei der Europameisterschaft und einmal Vierter bei der WM. Kurz gesagt: Mario ist unangefochten Teil der globalen eSports Elite.

FIFA-Profis Mario Viska und Niklas Luginsland
Die beiden FIFA-Profis Mario Viska und Niklas Luginsland schlendern über das Gelände des ISPO Digitize Summit

Coaching for Good

Auch Mario beweist, dass ein wahrer Champion nicht nur an sich denkt. Er erfüllte dieses Jahr den Traum eines jeden FIFA-Spielers und ermöglichte einem glücklichen Nachwuchstalent ein Coaching von einem wahren Profi. Das persönliche Treffen ersteigerte der User Tim546 bei einer Charity Aktion von VIPrize, bei der insgesamt 600 Euro für die internationale Kinderhilfsorganisation Right To Play gesammelt werden konnten. Mit dem Geld werden Kindern im Nahen Osten, Afrika und Asien, mit Hilfe von Sport und Spiel bessere Chancen im Leben geboten. So setzt sich Mario für ihre Zukunft ein.

Autor:
Marcos Moschovidis
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