Autor:
Sina Horsthemke

Netzwerk-Abend für Frauen

Trendforscherin: So beeinflussen Megatrends den Sport

Was sind Megatrends? Wie entstehen Gegentrends? Und was hat der Sport damit zu tun? Diese Fragen beantwortete die Wiener Trendforscherin Oona Horx-Strathern – und prognostiziere der Rekordjagd im Sport eine schlechte Zukunft.

Oona Horx-Strathern sprach über Megatrends und Sport als Lebensgefühl.
Oona Horx-Strathern sprach über Megatrends und Sport als Lebensgefühl.

Als die ISPO Munich 2020 am Montagabend ihre Tore schloss und die Besucher zur U-Bahn strömten, geschah in Halle A2 am Treffpunkt „Sustainability Hub“ das Gegenteil: Immer mehr Frauen – und auch einige Männer – reihten sich am Eingang zur Anmeldung in die Schlange ein. So viele, dass Oona Horx-Strathern ihren Vortrag mit Verspätung beginnen musste.

Die Wiener Trendforscherin sprach beim Women’s Networking Event vor mehr als 160 Gästen, darunter prominente Sportlerinnen wie Langstreckenläuferin Sabrina Mockenhaupt. Durch den Abend begleitete Galileo-Moderatorin Funda Vanroy.

Megatrends, so Horx-Strathern, seien langfristige Entwicklungen, welche die Gesellschaft prägen. „Sie sind wie auf einem U-Bahn-Fahrplan alle miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig.“ Jeder Megatrend hätte rund 100 Jahre Bestand, berichtete die Zukunftsforscherin.

Immer entwickele sich daraus ein Gegentrend, der wieder in die andere Richtung führe. Drei aktuelle Megatrends stellte Horx-Strathern ihren Zuhörerinnen beim Women’s Networking Event abseits der After-Work-Partys genauer vor:
 

  • Silver Society
  • Individualisierung
  • Digitalisierung
     
Oona Horx-Strathern prognostiziert der Rekordjagd im Sport eine schlechte Zukunft.
Oona Horx-Strathern prognostiziert der Rekordjagd im Sport eine schlechte Zukunft.

Megatrend Silver Society: Wir werden immer älter

Jedes dritte Baby, das heute zur Welt kommt, wird seinen 100. Geburtstag erleben. Die Lebenserwartung ist zuletzt immer weiter angestiegen, bei Frauen auf 83 Jahre, bei Männern auf 78. „Der Gegentrend dazu ist das Down-Aging“, so Horx-Strathern. „Je älter wir werden, desto jünger wollen wir sein. Die heute 40-Jährigen sind ganz anders als die 40-Jährigen beispielsweise aus den 60er-Jahren. Und der Ruhestand ist kein Ruhestand mehr, sondern ein Unruhestand.“

Je älter wir werden, so die Trendforscherin, desto achtsamer seien wir, was Sport angeht. „Ärzte sprechen von Boomeritis, weil sich 50-Jährige heute beim Sport viel mehr Verletzungen zuziehen als früher – weil sie einfach viel aktiver sind.“
 

Megatrend Individualisierung: Sind wir dadurch einsam?

In der Kultur der Wahl, in der wir heute leben, mit lauter Einzelpersonenhaushalten, sei die Gefahr von Einsamkeit groß, warnte Horx-Strathern. „Die flexiblen Arbeitszeiten, die viele von uns heute haben, führen dazu, dass wir oft ganz andere Tagesabläufe als unsere Freunde haben. Es ist manchmal schwierig, gemeinsame Zeit zu finden – und das macht einsam.“

Der Gegentrend seien neue Gemeinschaften: Co-Working, Co-Living, Co-Gardening. „Denn je individualistischer wir werden, desto eher brauchen wir die Unterstützung anderer Menschen.“ 
 

Megatrend Digitalisierung: Und als Ergebnis Digital Detox?

Der dritte Megatrend, den Horx-Strathern in ihrem Vortrag vorstellte, war die Digitalisierung. „Durch sie haben wir mehr Möglichkeiten, uns zu vernetzen“, so die Wissenschaftlerin. „Doch statt uns mit Menschen zu vernetzen, verbinden wir uns eher mit der Technologie, und reden zuerst mit Alexa, statt mit unserem Partner, wenn wir nach Hause kommen.“ Dadurch entstehe wieder der Gegentrend: das Bedürfnis, öfter mal bewusst offline zu sein.

Sport als Lebensgefühl im Alltag verankern

Und was hat das alles mit Sport zu tun? Im Idealfall, so Horx-Strathern, nutzen wir die digitale Technologie, um unser Offline-Leben zu verbessern. „In Großbritannien beispielsweise gibt es eine App, die Sportler mit alten Menschen vernetzt, die Hilfe brauchen. Ziel ist beispielsweise, zu ihnen zu joggen, ihnen im Haus oder im Garten zu helfen und dann wieder nach Hause zu joggen.“

Beim Sport, so die Trendforscherin, gehe es in Zukunft nicht mehr darum, Rekorde zu brechen und Bestzeiten aufzustellen, „sondern darum, ein neues Lebensgefühl im Alltag zu verankern. Das wird den Sport in den kommenden Jahren massiv verändern.“
 

Der Sustainability Hub war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Der Sustainability Hub war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Über Mindful Sports und Frauen in vermeintlichen Männersportarten

Der Achtsamkeitstrend, so Horx-Strathern weiter, sei der kulturelle Megatrend unserer Zeit. „Und es gibt nichts Achtsameres als Sport.“ Sogenannte achtsame Sportarten, seien deshalb in, etwa Stand-up-Paddling oder Surfing. „Sie befreien Menschen ganz besonders aus dem digitalen Autismus und schaffen Verbundenheit.“

Neben diesen „Mindful Sports“ sieht die Trendforscherin Sportarten im Kommen, die einmal als Männersportarten galten und immer mehr von Frauen erobert werden: „Boxen zum Beispiel entdecken gerade immer mehr Frauen. Ich nenne solche Sportarten We-too-Sports, denn natürlich können Frauen sie auch.“

Networking unter Frauen

Dass Frauen netzwerken können, bewiesen die Teilnehmerinnen des Events im Anschluss an den Vortrag von Oona Horx-Strathern – noch zwei Stunden lang ließen sie den Abend an verschiedenen Thementischen ausklingen. Weitere Aktionen für Frauen gibt es auf der ISPO Munich in Form von täglichen “Expert4Women-Touren”, auf denen ausgewählte Hersteller interessierten Journalistinnen, Bloggerinnen und Händlerinnen ihre Kollektionen speziell für Frauen vorstellen.
 
Mehr über Megatrends und die Zukunft des Sports lesen Sie im Interview mit Tristan Horx, einem der beiden Söhne Oona Horx-Stratherns.
 

Autor:
Sina Horsthemke
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