Stars at the ISPO MUNICH 2016
Autor:
Louisa Smith

Bio-Begeisterung in der Textilverarbeitung

Biologische Entwicklungen halten weiter Einzug in die Textilbranche

Es ist allgemein bekannt, dass die Textilkette erhebliche Veränderungen durchläuft, indem sie die Verantwortung für die Produktion auf allen Ebenen deutlich erhöht. Prozesse zur Reduzierung von Energie und Wasser, Garne in Kreislaufwirtschaft, recycelte Garne, recycelbare Stoffe und sauberere Technologien – all das schlägt Wellen. Ein wachsender Bereich in der Bio-Branche sind biologisch basierte Rohstoffe, die entsprechend auch biologisch abbaubar sind. Der Anteil dieser immer beliebter werdenden Produkte steigt an und trägt zu mehr Nachhaltigkeit bei.

Biologisch abbaubare Funktionstextilien werden dazu beitragen, die Zeit bis zur Zersetzung auf der Deponie zu verkürzen.

Bei ISPO Textrends standen biologisch basierte Produkte, vor allem Dank We are Spin Dye und deren neue Art von biologisch abbaubarem Polyesters auf Polylactid-Basis, im Vordergrund. Archroma fordert die Färbeindustrie mit seinen natürlichen abfallbasierten Farben heraus. Dabei werden erdölbasierte Rohstoffe durch erneuerbare, natürliche Materialien ersetzt, um Farbstoffe künstlich herzustellen. Aktuell wird unter neuer Marke ein biologisch basiertes synthetisches Material entwickelt – eine Zusammenarbeit zwischen Aquafil.com und Genomatica.

Biologisch basierte Produkte bei ISPO Textrends

Wenn man bedenkt, dass konventionelle und recycelte synthetische Materialien Jahrzehnte brauchen, um sich auf der Deponie zu zersetzen, wird klar, dass alternative Stoffe erforderlich sind. Da der Markt nach wie vor eine hohe Belastbarkeit und starke Leistung synthetischer Garne fordert, werden die neuen biologisch-synthetischen Materialien mit einer schnelleren Zersetzung als Alternative immer interessanter.

Neues biologisch basiertes Nylon angekündigt

Aquafil und Genomatica haben eine mehrjährige Vereinbarung zur Herstellung von nachhaltigem Caprolactam bekannt gegeben, einen wichtigen Inhaltsstoff für die Produktion von einhundertprozentig nachhaltigem Nylon. Mit dieser Zusammenarbeit soll ein wirtschaftlich vorteilhafter Bioprozess (Genomaticas GENO CPL Prozess) entwickelt werden, um Caprolactam mithilfe von pflanzenbasierten, erneuerbaren Inhaltsstoffen statt mit erdölbasierten Materialien herzustellen, die herkömmlicherweise in der Nylon-Industrie verwendet werden.

Aquafil hat bereits ECONYL, ein recyceltes Nylon-Garn, das zu 100 Prozent aus Nylonabfällen wie Fischernetzen und Industrieabfällen besteht, in seinem Garn-Portfolio. Das biologisch basierte Caprolactam – ein Inhaltsstoff, der in der Produktion von Nylon Anwendung findet – wird aus erneuerbaren oder pflanzenbasierten Rohmaterialien gewonnen.

Biotech-F&E treibt den Textilsektor in eine neue Richtung.

Das GENO CPL-Verfahren von Genomatica wird entwickelt, um bestimmte Zuckerarten aus erneuerbaren Rohmaterialien zur Herstellung der Garne verwendet zu können. Diese Zuckerarten können aus einer Vielzahl von Quellen stammen. Die Werke können dabei unterschiedliche Rohmaterialien verwenden, je nach regionaler Verfügbarkeit, passender Technologie zur Beschaffung der Rohmaterialien und allgemeiner Prozessökonomie.

Doch haben bio-synthetische Materialien eine ebenso hohe Qualität wie recyceltes Nylon? Das sei das Ziel, erklärte Giulio Bonazzi, CEO von Aquafil. „Trotz der unterschiedlichen Ausgangsmaterialien ist es unser Ziel, dass das biologisch basierte Produkt hinsichtlich Qualität und Leistung identisch zu ECONYL und Nylon auf Mineralölbasis ist.“ 

Eine wettbewerbsfähige Alternative

Bei vielen Marken mit neuen Inhaltsstoffen, insbesondere wenn diese im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen, kann der Preis im Premium-Segment liegen. „Für das biologisch basierte Produkt wurden noch keine Preise festgelegt. Das Ziel ist allerdings, einen Prozess zu entwickeln, der in jeder Hinsicht wirtschaftlich ist. Das Ziel von Aquafil und Genomatica ist es, ein wettbewerbsfähiges Produkt zu entwickeln, so wie Genomatica es mit GENO BDO bereits getan hat“, sagte er.

Zwar kann Giulio Bonazzi noch keinen Preisunterschied bestätigen, da sich das biologisch basierte Produkt noch in der Entwicklung befindet, er betont aber, dass der entscheidende Faktor zwischen den beiden Produkten das Ausgangsmaterial ist. „ECONYL, das Vorzeigeprodukt von Aquafilwird aus Nylonabfällen gefertigt, wobei das neue Produkt aus pflanzenbasierten Rohstoffen besteht. Wie bei ECONYL wird beim biologisch basierten Produkt ein Großteil der Nebenprodukte, die typischerweise bei der erdölbasierten Caprolactam-Produktion entstehen, eliminiert. Die Hersteller können dadurch ihre Ausgangsstoffe hinsichtlich der verwendeten Rohmaterialien diversifizieren und ihre allgemeine Nachhaltigkeit verbessern“, sagt er.

Anhaltende Investitionen in Nachhaltigkeit

Während sich die Textilkette auf dem richtigen Weg befindet, ist es wichtig, dass nachhaltige Lösungen weiter voranschreiten, wobei der Schwerpunkt auf biobasierten Alternativen liegt. „Recycling mit der richtigen Technologie ist immer besser als die Verwendung natürlicher Ressourcen angesichts ihrer Knappheit und Begrenztheit. Doch Recycling allein genügt nicht, um die Zukunft der Branche zu sichern. Früher oder später werden sogar Kunststoffe aus erneuerbaren Quellen stammen müssen, sonst sind auch ihre Tage gezählt. Es werden Investitionen benötigt, um dieses Material zu entwickeln.“

Die Möglichkeiten recycelter und bio-synthetischer Materialien ist für Marken attraktiv. Dabei ist es egal, ob diese biologisch oder abfallbasiert sind, solange die Qualität dem Nylon auf Mineralölbasis entspricht. „Mit dieser Partnerschaft feiern wir die Zunahme an Auswahlmöglichkeiten für Unternehmen (und Kunden), die ökologische Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft unterstützen“, meinte Bonazzi.

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Autor:
Louisa Smith






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