Claudia Klingelhöfer
Autor:
Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)

Titus über erfolgreiche Finanzierung, Venture Kapital und die richtigen Investoren

Skateboard-Unternehmer Titus Dittmann: Tipps für Start-ups aus dem Sport

Titus Dittmann lebt Skateboarden. Der „Vater der deutschen Skateboard-Szene“ und gelernte Lehrer ist aber auch ein Unternehmer durch und durch. Er hat über 100 Firmen gegründet und weiß genau, was es heißt, als Start-up im Sport-Business erfolgreich zu sein. Deswegen ist er auch bei der 5. Bits & Pretzels vom 24. bis 26. September in München dabei. Was er jungen Sport-Start-ups rät, hat er ISPO.com vorab verraten.

Porträt Titus Dittmann
Unternehmer Titus Dittmann wird nicht altersmüde

Jeder, der in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren ein Skateboard kaufen wollte, kennt die Titus Skateshops. Titus, wie ihn alle nennen, brachte noch in den 1970ern Skateboarden nach Deutschland. Er etablierte die Münster Monster Masterships, viele Jahre der wichtigste Contest in der europäischen Skateboard-Szene.

Er führte sein Unternehmen zu 95 Prozent Marktanteil, ein geplatzter Börsengang brachte ihn dann an den Rand des Ruins. Sein Motto „Lieber tot als Zweiter“ ließ den ehemaligen Lehrer nicht aufgeben. Nach wenigen Jahren war er zurück. 2010 konnte er die Titus GmbH als gesundes Unternehmen an seinen Sohn Julius Dittmann übergeben.


Titus Dittmann lebt für seine Stiftung

Seitdem engagiert sich Titus unter anderem für seine Stiftung skate-aid. Die Initiative fördert soziale Sportprojekte und bringt beispielsweise Skateboarding nach Afghanistan oder Tansania. 2013 bekam der Skateboard-Pionier für skate-aid in der Kategorie „Marketing/ Social Awareness“ den ISPO AWARD.

Im gleichen Jahr wurde er mit dem Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises für sein „herausragendes Engagement“ geehrt. Heute sieht sich der 68-Jährige als Social Entrepreneur und baut mit skate-aid beispielsweise Skateparks in Ruanda. 

ISPO.com: Titus Dittman, Sie sind preisgekrönter Unternehmer, haben Skateboarden in Europa großgemacht und über 100 Unternehmen gegründet. Was ist, mit all dieser Erfahrung gesprochen, die wichtigste Erkenntnis, die Sie bei der Bits & Pretzels Start-ups mitgeben werden?
Titus Dittmann:
Ganz klar, wenn es um das Gründen geht:

  1. Mach Dein Ding, lass Dir nicht reinreden, aber trag die Verantwortung, wenn es schiefgeht.
  2. Mut ist, wenn man es trotzdem macht.
  3. Das Herz muss brennen.
  4. Begeisterung ist Dünger fürs Gehirn.

Titus Stiftung skate-aid bringt Skateboarden nach Afhanistan
Titus gibt Skate-Training in Afghanistan

Sie sind Ihre ersten Unternehmensschritte alleine gegangen. Business Angels, Venture Capital usw. spielten für Sie keine Rolle. Würden Sie jungen Unternehmen trotzdem raten, Investoren zu suchen?
Ich empfehle, es erst mal mit Finanzierungen zu versuchen, bei denen man keine Firmenanteile abgeben muss. Da bleibt man selbstbestimmter, flexibler und unabhängiger. Wenn es nur mit Venture Capital geht, dann rate ich, die eigenen Ziele und Inhalte nicht aus dem Blick zu verlieren, weiter sein eigenes Ding zu machen und sich nicht den Interessen der Investoren komplett auszuliefern.

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Skate-Markt wächst seit Jahren

Glauben Sie, dass es Unternehmen aus der Sport-Branche bei Investoren schwerer haben als andere Unternehmen? 
Momentan haben es alle Branchen schwerer, die keine Apps entwickeln. (lacht)

Gerade der Action-Sport mit Skateboarden, Snowboarden oder Inlinen hat immer wieder Hypes erlebt. Wie riskant ist es, sich als Start-up auf einen solchen Hype zu verlassen?
Ein Hype geht vorüber, aber der Skateboard-Markt wächst seit vier Jahrzehnten kontinuierlich. Natürlich mit allen Hochs und Tiefs, die es in jeder Branche gibt. Das nenne ich das Gesetz der Welle und es liegt daran, dass der Markt aus emotionalen Menschen besteht und deshalb Angebot und Nachfrage nie eine Balance finden.


Sport-Start-ups brauchen leidenschaftliche Investoren

In welchen Trend aus der Sportbranche würden Sie jetzt investieren; wo sehen Sie derzeit gute Chancen für Start-ups?
Ich persönlich investiere nur in Ideen, für die ich mich selbst begeistern kann und die meinen ästhetischen Gesinnungsgenossenschaften entsprechen. Das kann ich jedem Gründer empfehlen. Nur wegen eines vermeintlichen schnellen wirtschaftlichen Erfolgs zu handeln, ist nicht nachhaltig und macht auf Dauer nicht glücklich. 

Es sind Menschen und deren Bedürfnisse, mit denen man Geschäfte macht. Je näher man dem Wertesystem seiner Kunden ist, desto erfolgreicher kann man ihre Bedürfnisse stillen. Da helfen Kenntnisse in Soziologie und Pädagogik eine Menge und sind vielleicht wichtiger als ein BWL-Studium.

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Im Sportbereich steht oft nicht nur das Invest, sondern die Begeisterung für eine Sache im Vordergrund: Wie finden Sport-Start-ups die richtigen Investoren, die auch an der Sache interessiert sind?
Indem man die Investoren mit brennendem Herz ansteckt und ebenfalls zum Brennen bringt. Wenn man die Begeisterung für die Idee und den Inhalt nicht spürt, rate ich, nach anderen Investoren zu suchen, auch wenn deren wirtschaftliche Konditionen schlechter sein sollten.

skate-aid in Nairobi

Titus: Gründer müssen Fehler akzeptieren

Welche Fehler als Unternehmer würden Sie im Rückblick als Ihre schlimmsten bezeichnen?
Wenn man immer nach bestem Wissen und Gewissen entschieden hat, kann man eigentlich keine Fehler gemacht haben, auch wenn es im Rückblick mit den Erkenntnissen von heute keine optimale Entscheidung war. Man würde sie bei gleichem Kenntnisstand ja wieder genauso treffen. Man kann halt nicht in die Zukunft schauen, und das sollte man gerade als Gründer akzeptieren.

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Claudia Klingelhöfer
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Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)


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