Florian Pertsch
Autor:
Florian Pertsch

Produktpiraterie in China

Top-Designer Rico Lee: Keine Angst vor Kopien

Designer Rico Lee ist der erste chinesische Finalist bei ISPO BRANDNEW. Mit seinen Jacken verbindet er Wissenschaft und Fashion. Vor den berüchtigten Copycats – Unternehmen aus Asien, die vor allem Ideen klauen – fürchtet er sich nicht.

Finalist Athleisure bei ISPO BRANDNEW: RICO LEE - Wasserfeste Denim-Jacken
Finalist Athleisure bei ISPO BRANDNEW: RICO LEE - Wasserfeste Denim-Jacken

Wenn ein Fashion-Designer in China eine gute Idee hat, dann kann er sich ziemlich sicher sein, dass ein ganzer Industriezweig auf ihn aufmerksam wird: Unternehmen, die ihr Geld vor allem mit den Innovationen anderer verdienen, indem sie Produkte und Konzepte einfach nachahmen.

Wer zudem weltweit im Rampenlicht steht, weil er etwa Finalist bei ISPO BRANDNEW ist, dessen Ideen könnten sehr schnell zur Zielscheibe der Copycats aus dem asiatischen Raum werden, die oft hemmungslos kopieren und produzieren.

ISPO.com sprach mit Designer Rico Lee über den Kopierwahn in Asien und wie er sich dagegen wehrt.

Designer Rico Lee ist Finalist bei ISPO BRANDNEW.
Designer Rico Lee ist Finalist bei ISPO BRANDNEW.

„Ich finde Funktionskleidung toll, aber seien wir doch mal ehrlich. Wie viel Zeit verbringen wir wirklich in extremen Bedingungen? Ich wollte also die Vorzüge der Funktionskleidung mit Fashion verbinden“, erklärt Lee sein Konzept. 

Mit Erfolg: Denn bereits bei der ISPO MUNICH 2016 erhielt Lee für seine detailversessenen Kleidungsstücke positives Feedback.

„Die Rückmeldung in München war ausgezeichnet, auch wenn die Händler ganz überrascht waren, dass ein Chinese diese Jacken entworfen hat“, sagt Lee. „Viele Distributoren haben sich für meine Jacken interessiert, und es gab sehr gute Gespräche.“

„Die größte Gefahr geht von Korea aus“

Es gab aber nicht nur Gespräche, sondern auch sehr aufmerksame Blicke der Konkurrenz. 

„Europäer sind meistens sehr offen, es ist ein Ideenaustausch auf Augenhöhe. Sie respektieren Ideen und Lizenzen“, sagt Lee: „Die größte Gefahr geht meiner Meinung nach von Korea aus.“

Lee weiß, dass er Kopien niemals ganz vermeiden können wird. „Es ist nicht möglich, alle Copycats zu stoppen. Aber dann entwickle ich in der darauffolgenden Saison eben eine neue Kollektion“, sagt Lee: „Sollen sie doch kopieren. Dann denke ich mir etwas Neues aus. Außerdem bin ich ein Chinese, ich weiß selbst sehr gut über das Kopieren bescheid.“


„Kopieren um das Produkt weiterzuentwickeln“

Eine, aus seiner Sicht grundlegende, Unterscheidung macht er: „Ich habe auch schon kopiert. Eine Inspiration hier, ein neuer Blickwinkel dort. Ein bisschen kopieren ist schon in Ordnung, aber nur, wenn das eigene Produkt dann daraus weiterentwickelt wird. Nur so hat man den Respekt der Kollegen verdient.“

Das Original von Rico Lee scheint auf der ISPO BEIJING jedenfalls anzukommen: Nicht nur Outdoor-Vertriebler bekundeten ihr Interesse. „Ein Käufer, der auch auf der London Fashion Week und in Mailand tätig ist, zeigte sich sehr aufgeschlossen“, sagt Lee. „Mein Konzept – Wissenschaft trifft Fashion – scheint also aufzugehen.“

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