Autor:
Martina Wengenmeir

Beim Trailrunning hoch hinaus

Trend Skyrunning: Im Läufer-Himmel

Skyrunning gilt als die technisch anspruchsvollste Disziplin des Trailrunnings - Kraxeln und Ausblick inklusive. ISPO.com erklärt, was den spektakulären Trend-Sport über den Wolken auszeichnet, auf welchen Rennen man die Elite trifft und auf welchen beeindruckenden Strecken man als Neuling schnuppern kann.

Beim Skyrunning auf technischen Wegen im Hochgebirge unterwegs

Höher, schneller, weiter. Bei vielen Trends ist das genau das Motto. Nimmt man faszinierende Berglandschaften dazu, landet man beim Skyrunning. Atemberaubend, sowohl landschaftlich als auch sportlich. Bergauf müssen steilste Passagen überwunden werden. Oft muss das Lauftempo angepasst werden, es wird mehr gekraxelt als gejoggt. Bergab rauben Geschwindigkeit und technische Passagen den Läufern den Atem. Dafür schießt umso mehr Adrenalin durch die Blutbahnen. Die faszinierende und technisch anspruchsvollste Form des Trailrunnings lockt bei internationalen Wettkämpfen immer mehr Laufbegeisterte und Zuschauer an. 

Kein Wunder, dass sich Trailrunning in der Laufszene immer größerer Beliebtheit erfreut. Mitten in der Natur lassen sich die tollsten Abenteuer erleben. Noch dazu wird der Körper vielfältig gefordert. Diese Abwechslung bringt die Faszination des Sports mit sich und lockt immer mehr Hobbyläufer in die Berge.

Skyrace oder Trailrunning?

Was unterscheidet nun Skyraces von regulärem Trailrunning? Per Definition der International Skyrunning Foundation bedeutet Skyrunning das Laufen in den Bergen - auf einer Höhe von 2000 Metern oder mehr. Teile der Strecke müssen dabei eine Steigung von mehr als 30 Prozent haben. 

Ganz schön steil. Wie soll man da überhaupt rennen? Lauftempo ist nicht die einzige Geschwindigkeitsstufe. Beim Skyrunning werden zum Überwinden von steilen Passagen auch oft die Hände zur Hilfe genommen. Dabei geht es mitunter um Kletterpassagen oder über leichte Klettersteige. Mancherorts geben Stahlseile und Ketten den Läufern zusätzliche Sicherheit, das ist aber je nach Ort unterschiedlich.

Klettereien übersteigen in ihrer Schwierigkeit aber nie den zweiten Grad der UIAA-Skala. Das Laufen steht also auch in den Lagen hoch über den Wolken im Fokus. 

Dennoch benötigst du einiges an technischem Geschick, Übung und Erfahrung um diese Abschnitte in Trail-Laufschuhen sicher zu bewältigen. Skyrunning ist also die technischste Disziplin des Trailrunnings, bei der sowohl Nervenkitzel als auch eine tolle Aussicht und anspruchsvolles, abwechslungsreiches Gelände garantiert ist.

Im Prinzip steckt hinter Skyrunning-Rennen oder kurz Skyraces ein einfaches Konzept: Start und Ziel liegen in einem Bergdorf. Von dort geht es auf einen oder mehrere Gipfel und wieder zurück. Dabei geht es ums Laufen bergauf, genauso aber auch um das Laufen bergab, denn im Downhill werden im Normalfall Rennen gewonnen. Und das in technischem und sehr anspruchsvollem Gelände, mit Fels und Kraxelpassagen, über Steige und Bergwege, entlang von felsigen Graten, an Berghütten vorbei und manchmal sogar über einen Gletscher, wie zum Beispiel beim Matterhorn Ultraks in Zermatt. 

Allein ist man also nur streckenweise, Skyrunning dreht sich auch um die Community, mit der man seinen persönlichen Erfolg am Abend nach dem Laufen feiern kann.

Auf den Spuren von Postboten und Schmugglern

Zugegeben, dass Menschen sich in den Bergen schnell zu Fuß bewegen ist nicht neu. 

Somit kann man frühere Postboten, die die Bergdörfer bedienten, Almhirten, die ihre Tiere schnell eintreiben mussten oder aber auch Schmuggler, die ihre Ware schnellstmöglich und ungesehen über die Alpen beförderten, zu den ersten Skyrunnern zählen. Und auch bei sportlichen Wettkämpfen messen sich die Menschen schon seit jeher gern beim Laufen. Kein Wunder also, dass es mittlerweile eine Vielzahl an Events im Trailbereich, und eben auch im Hochgebirge in Form von Skyruns gibt.

Skyraces, also Rennen in den höheren Lagen der Berge erfreuen sich weltweiter Beliebtheit. Über den ganzen Globus verteilt gibt es mittlerweile zahlreiche Rennen, die durch verschiedene traumhafte alpine Landschaften führen. Die Destinationen der Wettkämpfe sind oft allein schon so eine Reise wert, auch wenn man nur zum Zuschauen oder Anfeuern am Streckenrand steht. 

Die Skyrunning World Series wurde 2021 beispielsweise weltweit in 11 Ländern über 13 Rennen ausgetragen. Die Wettkampforte reichten dabei vom Hochkönigman in Österreich über Rennen in Wales und Madeira.

Skyrunning und Nachhaltigkeit

Bei Skyraces ist die Teilnehmerzahl auf der Strecke begrenzt und rangiert meist zwischen 200 und 400 Teilnehmer*innen. Eine kleine Teilnehmerzahl im Vergleich etwa zum Berlin Marathon mit rund 30.000 Startenden. Das macht auch Sinn - es kann einfach nicht so eine große Zahl Menschen gleichzeitig und nebeneinander auf einer Strecke am Berg unterwegs sein. Das wäre zum einen zu gefährlich und auf viel zu belastend für die alpine Natur.

Deshalb hat die internationale Skyrunning Foundation auch Vorgaben um die Umweltbelastungen der Veranstaltungen möglichst gering zu halten. Die Durchquerung von Schutzzonen oder empfindlichen Ökosystemen muss vermieden werden und grundsätzlich wird kein Müll zurückgelassen. Auch für Laufende, die ihren Müll unterwegs wegwerfen gibt es offizielle Strafen, die von Zeitstrafen bis Disqualifikation reichen. Generell ist die Szene aber auf die Natur bedacht.

 Zur Sicherheit der Teilnehmenden ist die Rennstrecke mit Markierungen versehen, damit auch bei schlechtem Wetter der richtige Weg ersichtlich ist. Nach der Veranstaltung werden die Markierungen aber schnellstmöglich wieder abgebaut. 

Und auch der Transport von Verpflegung und etwa Zelten für Verpflegungsposten soll laut Vorgaben des Verbands wenn möglich ohne Jeep oder Helikopter, also möglichst umweltfreundlich zu Fuß erfolgen.

Beim Skyrace geht es um Technik bergauf und bergab

Von den Profis lernen: Training auf das erste Skyrace

Hast du Lunte gerochen und möchtest selbst gern an einem Skyrace teilnehmen? Dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten: Bei manchen Veranstaltungen muss man ein gewisses Fitness-Level erfüllen. Wenn es um Elite-Rennen geht, muss Erfolge von anderen Rennen nachgewiesen werden. 

Zudem müssen die Läuferinnen und Läufer bei den meisten Rennen eine gewisse Ausstattung wie Rettungsdecke oder mit auf den Trail nehmen, falls zwischen den Versorgungsstationen etwas passiert. Darüber wird jeder Teilnehmende aber bei der Anmeldung informiert.

Nachdem sich aber nicht jeder direkt mit den Profis messen will und kann, gibt es bei den meisten Wettbewerben unterschiedliche Distanzen. Von der Ultra-Strecke bis zu kurzen Einsteiger-Distanzen um die 10 Kilometer ist dort für jedes Können etwas dabei. 

Im Start und Zielbereich kommt man trotzdem mit den Profis zusammen, kann sich austauschen und hilfreiche Tipps abholen. Gleichzeitig starten die verschiedenen Distanzen zu unterschiedlichen Zeiten und man bekommt auf der Strecke oder aber im Zielbereich auch Spannung und Abenteuer der anderen Rennen mit.

Bei vielen Rennen der Skyrunner World Series gibt es zum Beispiel kürzere Strecken mit weniger Höhenmetern, auf denen du dich herantasten kannst, wenn du noch nie an einem alpinen Trailrunning-Event teilgenommen hast. 

Der Vorteil beim Rennen ist auf jeden Fall Adrenalin und Ehrgeiz als zusätzliche Motivation. Noch dazu ist die Strecke markiert und ausgeschrieben, du bist mit Gesinnten unterwegs und falls etwas passieren sollte, ist Hilfe nicht weit. Auf den kürzeren Distanzen ist man auch noch nicht im hochalpinen Bereich unterwegs, die Trails sind flowiger und mit weniger Klettern verbunden.

Der Hochkönigman als eines der größten Trail-Events in Österreich, bietet etwa neben dem Merrell Skyrace mit 31,6 km Strecke auch einen Easy Trail für Einsteiger, bei dem 9,3 Kilometer und 300 Höhenmeter überwunden werden müssen. Mit etwas Training ist das auch für Hobbyläufer, die neu zum Trailrunning gekommen sind, machbar. Wen das Trailrunning-Fieber gepackt hat, der kann sich langsam rantasten. Solange, bis es auch über den Wolken und auf längeren Distanzen im Hochgebirge kein Halten mehr gibt.

Weitere Infos und alle Termine zur Skyrunner World Series finden sich online unter

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Martina Wengenmeir
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