Dr. Regina Henkel
Autor:
Regina Henkel

Neue Studie zur Entsorgung von Wetterschutzkleidung mit PTFE Membran

Gore-Tex: Keine Gefahr beim Verbrennen von PTFE

Was passiert bei der Entsorgung von Wetterschutzbekleidung? Membran-Spezialist W.L.Gore & Associates hat in einer Studie das Verbrennungsverhalten von PTFE untersuchen lassen. Das Ergebnis: Wird Bekleidung mit PTFE-Membran in einer typischen Verbrennungsanlage für Hausmüll entsorgt, entweichen keine umweltgefährdenden Stoffe.

Die Marke GORE-TEX INFINIUM soll neue Markt- und Käuferpotentiale erschließen.
W.L.Gore & Associates hat in einer Studie das Verbrennungsverhalten von PTFE untersuchen lassen.

Was passiert bei der Entsorgung von Wetterschutzbekleidung? Membran-Spezialist W.L.Gore & Associates hat in einer Studie das Verbrennungsverhalten von PTFE untersuchen lassen.

End-of-Life Betrachtung

Um die Nachhaltigkeit von Produkten beurteilen zu können, genügt es nicht, allein auf die Herstellungsprozesse zu schauen. Ebenso wichtig ist es, zu beachten, was aus einem Produkt am Ende seiner möglichst langen Lebensphase wird. Denn ganz egal wie oft ein Kleidungsstück getragen, repariert und wiederverwendet wurde, irgendwann wird es zum Entsorgungsfall.

Das gilt natürlich auch für eine Gore-Tex Jacke mit Polytetrafluorethylen (PTFE)-Membran. Was geschieht bei ihrer Entsorgung? „Aus der Diskussion mit Greenpeace heraus haben wir 2017 begonnen, zu untersuchen, was mit einem PTFE-Polymer am Ende seiner Lebensdauer passiert - wenn es weggeworfen wird und in einer Müllverbrennungsanlage landet“, erklärt Bernhard Kiehl, Head of Sustainability bei Gore Fabrics.

Die PTFE Membran der Gore-Tex Produkte sorgt dafür, dass wir bei Regen trocken bleiben.
Die PTFE Membran der Gore-Tex Produkte sorgt dafür, dass wir bei Regen trocken bleiben.

Was passiert in der Verbrennungsanlage?

Bislang gab es solche Verbrennungsstudien nur für die USA, nicht aber für Europa. Um das Verbrennungsverhalten von PTFE auch nach den Standards europäischer und asiatischer Verbrennungsanlagen zu untersuchen, beauftragte Gore Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie - einer weltweit renommierten, staatlich geförderten Forschungseinrichtung in Deutschland.

Kiehl: „Uns war wichtig, wenn wir so eine Studie in Auftrag geben, muss sie allen wissenschaftlichen Standards genügen.“ Die Wissenschaftler testeten das PTFE, indem sie von Gore gelieferte PTFE-Pellets mit Erdgas, Holzpellets und Luft in einer Pilotverbrennungsanlage bei 870°C und 1020°C verbrannten und die Bedingungen einer typischen kommunalen Verbrennungsanlage nachbildeten.

PTFE wird zu Kohlendioxid und Fluorwasserstoff

Das Resultat: Wird PTFE bei Temperaturen verbrannt, die für eine Hausmüllverbrennungsanlage typisch sind, werden keine umweltgefährdenden Chemikalien freigesetzt.

PTFE wird im Wesentlichen in Kohlendioxid und Fluorwasserstoff umgewandelt, das in den Filteranlagen zu ungiftigem Flussspat umgewandelt wird. Die Ergebnisse sind peer-reviewed und gerade im Wissenschafts-Journal Chemosphere publiziert worden.

Offene Verbrennung ist kein üblicher Entsorgungsweg

Nicht untersucht wurde in der Studie, wie sich PTFE verhält, wenn es im offenen Feuer verbrannt wird. Hierbei herrschen ganz andere, variierende Bedingungen. Es ist aber lange bekannt, dass die ungeregelte Verbrennung jeglicher Art von Textilien oder Membranen unzählige giftige Stoffe freisetzt und gefährlich ist.

„Derartige Studien liegen bereits seit 45 Jahren vor“, erklärt Kiehl und reagiert damit auf eine aktuelle Anschuldigung, beim Verbrennen von PTFE am offenen Feuer entstünden hochgiftige Stoffe wie etwa Fluorwasserstoffsäure (Flusssäure).

Das Verbrennen am offenen Feuer ist aus Kiehls Sicht keine gängige Methode der Müllentsorgung für Wetterschutzbekleidung: „Regenbekleidung wird nach Angaben von Altkleiderverwertern vor allem nach Osteuropa und Russland verkauft, weil dort ähnliche klimatische Bedingungen herrschen und die nötige Kaufkraft gegeben ist. Dort bestehen auch ganz ähnliche Entsorgungswege. Dort landet der Textilmüll - genau wie hier – entweder auf einer geregelten Deponie oder in Verbrennungsanlagen. Warum man das Szenario am offenen Feuer als gängigen Entsorgungsweg für Wetterschutzbekleidung darstellt, ist für uns nicht plausibel.“

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