Author:
Lars Becker

ISPO-Umfrage zur Zukunft der Shared Economy im Fahrradmarkt

Bike-Sharing: Die Branche ist gespalten

In China generieren Bike-Sharing-Unternehmen eine Milliardensumme von Investoren, doch in der DACH-Region sind die Firmen noch gespalten über die Zukunft der Shared Economy in der Fahrrad-Branche. Das ergibt eine Umfrage von ISPO.com. Die größten Chancen sieht die Industrie bei der geteilten Nutzung von E-Bikes vor allem im Tourismus, außerdem ist Bike-Leasing im Trend.

Noch herrschen geteilte Meinungen zum Thema Bike-Sharing in der Branche.
Noch herrschen geteilte Meinungen zum Thema Bike-Sharing in der Branche.

Im fernen China nutzen schon weit über 100 Millionen Nutzer die Angebote von Fahrrad-Verleihfirmen. In Deutschland fallen in den Großstädten besonders die gelben Fahrräder des Pleite gegangenen Anbieters Obike auf, die immer noch auf vielen Gehsteigen herumstehen. Trotzdem öffnen sich einige Player der Bike-Branche dem Zukunftsthema und setzen dabei besonders auf E-Bikes.

„Bei bisherigen Kooperationen im Bereich Sharing sind mit Blick auf unsere Produktpalette unsere E-Cargo-Bikes überdurchschnittlich repräsentiert", sagt Dr. Sandra Wolf, Geschäftsführerin des E-Bike-Spezialisten Riese & Müller, in einer Branchen-Umfrage von ISPO.com. Wichtig sei bei derartigen Flotteneinsätzen entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, was Service und Wartung betrifft.

Bike Sharing: Gesamtpaket muss geschnürt werden

Damit Bike-Sharing zum Erfolg wird, braucht es ein funktionierendes Gesamtpaket. Davon ist auch Tamara Winograd, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Bosch eBike Systems, überzeugt. Der Marktführer im Antriebsbereich setzt besonders auf den Tourismus als Geschäftstreiber. Eine gute Infrastruktur sei dabei unverzichtbar. Neben Service- und Wartungsmöglichkeiten müssen auch Ladestationen, Guides und Leihmöglichkeiten leicht verfügbar sein. „Um den Zugang zu Leihrädern zu erleichtern und die neue Mobilität erlebbar zu machen, unterstützt Bosch eBike Systems verschiedene Projekte und Initiativen in ausgewählten Urlaubsregionen durch eine enge Zusammenarbeit,“ erläutert Winograd.

Dienstfahrräder für Mitarbeiter im Trend

Immer beliebter wird auch das Thema Bike-Leasing. 32 Prozent der Arbeitnehmer radeln inzwischen zur Arbeit, so das Ergebnis des Fahrrad-Monitors 2017 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Das Dienstrad-Leasing wächst, vor allem seit es steuerlich dem Auto-Leasing angeglichen wurde.

„Wir arbeiten mit verschiedenen Leasinganbietern zusammen“, verrät Maud von Hoff, Brand Manager/Head of Sales & Marketing von Rotwild. Der Fahrradteile-Importeur Cosmic Sports bereitet gerade ein Leasingangebot von Dienstfahrrädern für Mitarbeiter vor.

Geteilte Meinungen zum Thema Shared Economy im Fahrrad-Bereich

Simplon beteiligt sich als Hersteller von Premium-Bikes nicht direkt an entsprechenden Sharing- und Leasing-Initiativen. Allerdings „tragen unsere Fachhandelspartner entsprechende Angebote an die Kunden heran“, sagt Stefan Vollbach, CEO, Gesellschafter und Geschäftsführer von Simplon.

Andere Unternehmen aus der Branche stehen dem Thema kritisch gegenüber. Sie glauben nicht, dass Bike-Sharing hierzulande zum Trend werden könnte. „Fahrradfahren ist doch nicht Busfahren, ich muss nicht möglichst billig von A nach B kommen, sondern ich will etwas erleben“, sagt Tobias Hild, Gründer und Geschäftsführer des Sattelspezialisten SQlab. „Da ist die Faszination der Technik und des Besitzens von etwas Tollem ein Teil davon. Passform und Ergonomie ist dazu auch viel zu wichtig.“ Dass so viele pleite gegangene Leihräder auf deutschen Straßen verenden ist für ihn ein Beweis, dass Shared Economy für Bikes in Deutschland nicht funktioniert.

Die Meinungen in der Branche zum Thema Bike-Sharing sind also geteilt. Wer Recht behält, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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Lars Becker
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