Nachhaltigkeit // 20.11.2023

Soziale Fairness – nicht nur in den Lieferketten

Cira Riedel
Autor:
Cira Riedel

Fast jedes Kleidungsstück wird von Hand gefertigt, was die Bekleidungsproduktion sehr arbeitsintensiv macht. Es ist allgemein bekannt, dass der Großteil der Bekleidungsindustrie in Niedriglohn-Ländern angesiedelt ist, wo das Risiko für Menschenrechtsverletzungen besonders hoch ist.  Als Gegenmaßnahme setzen sich engagierte Menschenrechtsinitiativen sowie internationale und EU-Verordnungen für mehr soziale Gerechtigkeit ein.

Fairness in den Lieferketten ist nicht einfach herzustellen. Die geopolitischen Voraussetzungen der Herstellungsländer und die Dynamik lokaler Gegebenheiten verändern sich ständig. Doch aufkommende Gesetzgebung der EU, den USA und anderen Importländern, unterstützt durch die Instrumente der menschenrechtsorientierten Initiativen, bietet jetzt eine Gelegenheit für echte Verbesserung. Innerhalb der EU werden Unternehmen mit der Richtlinie über die nachhaltige Unternehmenssorgfalt (CSDDD) und der Veröffentlichung des Vorschlags der EU zum Verbot von Produkten aus Zwangsarbeit verantwortungsbewusstes unternehmerisches Verhalten fördern und Menschenrechte sowie Nachhaltigkeit bei sich verankern müssen. Diese Experten können dabei helfen, Maßnahmen umzusetzen und den Überblick zu behalten:

Social & Labor Convergence Program – gemeinsam handeln

SLCP entstand aus einem gemeinsamen Bedürfnis, die Duplizierung von sozialen und arbeitsbezogenen Audits in globalen Lieferketten zu reduzieren. Die Lösung war SLCPs Konvergierter Bewertungsrahmen (CAF), ein universelles Werkzeug, das proprietäre Audits überflüssig macht. Die damit eingesparten Ressourcen werden zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt. Mehr als 12.000 Einrichtungen haben sich im SLCP -Gateway registriert, mit über 8.000 bisher abgeschlossenen Bewertungen (2023). Die Vorteile: Stakeholder arbeiten zusammen, Audit-Fatigue wird reduziert, Vergleichbarkeit von sozialen und arbeitsbezogenen Daten sowie die Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht wird verbessert.

SLCP-Daten können zur Unterstützung bei der Umsetzung der Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte verwendet werden.

Die Fair Wear Foundation – Menschenrechts-Due-Diligence

Die Fair Wear Foundation ist eine der renommiertesten Initiativen für Menschenrechte in textilen Lieferketten, und viele Outdoor-Marken sind stolze Mitglieder. Die Organisation betrachtet die menschenrechtsbasierte Sorgfaltspflicht (HRDD) nach OECD-Standard (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) als das Leitprinzip für verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln. Mit dem Inkrafttreten der EU-Richtlinien zu Sorgfaltspflichten und Green Claims richtet sich der Fokus von Marken vermehrt auf Human Rights Impact Assessments (HRIAs) in ihren Lieferketten. Die Fair Wear Foundation kann Marken durch eine Mitgliedschaft oder durch eine Teilnahme an der HRDD Academy bei der Umsetzung der HRDD unterstützen.

Fair Wear hat eine Akademie für menschenrechtliche Sorgfaltspflicht (HRDD) für Marken entwickelt.

Employment Injury Scheme – Hilfe für verletzte Arbeiter

Das Employment Injury Scheme (EIS) schließt eine Lücke in der CSR: Arbeitsunfälle. Trotz vorbeugender Maßnahmen, übersehen Marken oft diesen Aspekt. Vor allem in Ländern wie Bangladesch, wo nach der Tragödie von vor 10 Jahren diesbezüglich noch nicht viel unternommen wurde. Zur Stärkung der Sozialversicherung sollen nun öffentliche und private Sektoren zusammenarbeiten, einschließlich der ILO (International Labour Organization), sozialer Partner und Behörden, mit Unterstützung der GIZ. Marken werden aufgefordert, zu einer angemessenen medizinischen Versorgung der Arbeiter und ihrer Familien sowie einer Entschädigung gemäß internationalen Arbeitsstandards beizutragen.

Unfallversicherungen sind besonders wichtig in Bangladesch, wo vor 10 Jahren die Tragödie von Rana Plaza stattfand und bisher noch nichts unternommen wurde.

It’s Great Out There – Outdoor für Alle

Fairness in der Lieferkette ist von entscheidender Bedeutung. Doch soziales Engagement heißt auch Inklusivität und Zugänglichkeit. Besonders die urbane Bevölkerung empfindet Outdoor Aktivitäten oft als elitär und unerreichbar. Mit 'It’s Great Out There', einer Initiative, die großzügig von der Outdoor-Branche unterstützt wird, werden verantwortungsbewusste Outdoor-Erfahrung für alle ermöglicht und Menschen motiviert rauszugehen. Individuen sowie Organisationen können von dem Förderprogramm profitieren. Vor allem werden Outdoor-Aktivitätstage organisiert aber auch an den gesellschaftlichen Vorteilen von Outdoor-Aktivitäten geforscht.

Fördermittel finanzieren Outdoor-Aktivitäten für Basisinitiativen in ganz Europa.

Opening Up The Outdoors – Freude und Zugehörigkeit bei Outdoor-Aktivitäten für alle

Opening Up the Outdoors ist eine Gemeinschaft von Outdoor-Marken und Experten, Verbündeten und Changemakern die für eine vielfältige, gerechte, anti-rassistische und inklusive Outdoor-Community und -Industrie stehen. OUTO unterstützt mit Bildung und Vernetzung und baut gerade die größte Datenbank von Basisorganisationen mit Fokus auf Diversität im Outdoor-Bereich in Europa auf. OUTO stellt auch Forschung zu diesem Thema bereit und animiert die Branche, Menschen mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund Outdoor-Erfahrungen zu ermöglichen.

Freude und Zugehörigkeit bei Outdoor-Aktivitäten für Menschen mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund.
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