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Sprint-Legende Allyson Felix in acht Fakten

LISTICLE | 07.07.2021

Als Sprinterin ist sie eine Legende – vermutlich wird sie es auch als kämpferische Mutter werden. Denn Allyson Felix ließ sich weder von einer schweren Geburt mit Kaiserschnitt, noch von einem erbärmlichen Streit mit ihrem Sponsor Nike und auch nicht von der Corona-Pandemie vom Start bei Olympia in Tokio abbringen. Mit mittlerweile 35 Jahren will sie dort ihrer glänzenden Karriere noch ein Sahnehäubchen aufsetzen und nebenbei womöglich ihrer Karriere als Jung-Unternehmerin entscheidenden Rückenwind geben.


 

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Die lange Erfolgsliste

Eigentlich ist es beschämend, doch trotz ihrer großen Erfolge ist Allyson Felix in Deutschland keine der ganz großen Sportnamen geworden. Deshalb hier ein Auszug ihrer Erfolge, die sie über die Distanz von 100 Meter, 200 Meter und 400 Meter alleine und in der Staffel holte.

  • 12 Weltmeistertitel, so viele wie niemand anderes
  • Dazu dreimal Silber und zweimal Bronze bei Weltmeisterschaften
  • Bei Olympischen Spielen 6 Gold- und 3 Silbermedaillen, keine Leichtathletin holte mehr Medaillen

In Tokio könnten eine oder sogar mehrere Medaillen dazu kommen. Felix wird bei den 400 Metern starten, vermutlich auch in der 4 X400 Meter Staffel der Frauen und vielleicht auch in der erstmals in Tokio zugelassenen gemischten 4x400 Meter Staffel. Über die 200 Meter, wo sie 2012 in London die Goldmedaille gewann, verpasste sie dagegen die Qualifikation.


 

2

Ihr Lebensmotto: Know your place!

 


 

Es ist ein feiner Seitenhieb, den Allyson Felix mit diesem Motto setzt. Und in der Nike-Zentrale in Beaverton im US-Bundesstaat Oregon sollte mancher Manager beschämt auf den Boden schauen, wenn er dieses Motto bei den Olympischen Spielen in Tokio auf den Schuhen von Felix liest. „Know your place“ steht unter dem Markennamen Saysh der von Allyson Felix selbst gegründeten Schuhmarke. Ja, sie weiß wo ihr Platz ist – nämlich dort, wo auch eine Mutter nach einer Geburt ihrer Leidenschaft und Berufung nachgehen kann. Das war bei Nike nicht der Fall, der Konzern wollte dem Superstar nach der Schwangerschaft 70 Prozent weniger zahlen. Mit anderen Sportlerinnen machte Allyson Felix dieses Vorgehen öffentlich. Danach verließ sie Nike ganz – zunächst zur Konkurrenz, jetzt zur eigenen Marke. She knows her place!

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Die schlichte Not

Manch einer wird sich vielleicht sagen, dass hat sich Allyson Felix ja fein ausgedacht: Da tritt sie bei Nike gegens Schienbein, um ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Doch tatsächlich erlebte sie die schlichte Not einer etablierten Sportlerin, die trotz ihrer Erfolge knallhart ausgenutzt wurde. Sie habe im fünften Monat schwanger morgens um 4.30 Uhr trainieren müssen, um ihre Schwangerschaft vor ihrem Sponsor zu verbergen, berichtete sie kürzlich in einem Instagram-Post. Auf einem Foto dazu zeigte sie ihre zahlreichen Medaillen – und ihren Bauch, der noch die Narbe vom Kaiserschnitt zeigt. Immerhin hat Nike sich allerdings inzwischen auch bewegt – im Fall einer Schwangerschaft bleiben die Zahlungen an von Nike gesponserten Frauen eineinhalb Jahre unverändert.


 

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Traumatisierende Geburt

Allyson Felix teilte trotz ihrer Rolle als Superstar nicht nur das Schicksal mit unbekannteren Sportlern, durch eine Schwangerschaft benachteiligt zu werden. Sie teilt auch das Schicksal mit vielen Frauen, die die Geburt ihres Kindes als traumatisierend empfinden. Sie habe immer Mutter werden wollen, sagte sie dem Magazin „Today Parents“. Unter dem Druck ihrer Sponsoren lief sie noch schwanger Wettbewerbe. Dass schien zu klappen – doch dann stellten die Ärzte bei ihr Bluthochdruck und bei ihrer Tochter einen geringen Herzschlag fest.

In der 32. Schwangerschaftswoche kam es zum Not-Kaiserschnitt. Nicht mal mehr auf die Ankunft ihres Mannes konnte gewartet werde. Tochter Camryn kam am Ende zu früh, aber gesund zur Welt. Ihre Mutter machte sich dennoch lange Gedanken, was ihr widerfahren ist. „Ich bin Athletin. Ich gehe mit großer Sorgfalt mit meinem Körper um und war bei bester Gesundheit“. Doch dann habe sie erlebt, dass niemand vor den Risiken gefeit ist. Und sie habe gelernt, dass von allen Industrienationen die USA die höchste Müttersterblichkeit haben und hier besonders schwarze Frauen betroffen sind. Seitdem teile sie ihre Erfahrung und sehe sich als Anwältin von Müttern – auch das war ein Grund, warum sie Nike an den Pranger stellte.  


 

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Irgendwann vielleicht doch Grundschullehrerin?

Sollte ihre Tochter in ein paar Jahren in der Schule Hilfe brauchen, kann die Mama sicher helfen. Allyson Felix machte parallel zu ihrer Sportlerkarriere schon vor einigen Jahren ein Studium zur Grundschullehrerin. Sie hat schon früh angekündigt, auch mal in dem Job arbeiten zu wollen – der Beweis steht noch aus. Aber vielleicht kommt ja der Kick, wenn sie mit ihrer Tochter und deren Freund*innen eines Tages am Küchentisch das Einmaleins durchpaukt.

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Gläubige Leistungssportlerin mit „chicken legs“

„Dass ich so schnell laufen kann, ist ein Geschenk Gottes“, sagt Felix. Sie bezeichnet sich selbst als tiefgläubige Christin. Ihr Vater Paul ist sogar Theologe. Der Glaube half ihr auch dabei, sich Trost zu suchen. Den hatte sie manches mal nötig, weil sie nämlich kurioserweise lange für ihre größte Stärke ausgelacht wurde. Über „Chicken legs“ spotteten ihre Mitschüler wegen ihrer langen dünnen Beine. Tiervergleiche fallen bei ihrem Namen bis heute – allerdings wird sie mittlerweile wegen ihres eleganten Laufstils als „Gazelle“ beschrieben.

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Das etwas andere "Projekt Glauben"

Wer von einem „Projekt Glauben“ spricht, sollte bei der Läuferin nicht an Kirche und Co. denken. Diesen Titel trägt das Anti-Doping-Progamm, an dem sie sich schon vor über zehn Jahren freiwillig beteiligte. Skeptiker fanden das Programm lange zu schön, um wahr zu sein für die von immer neuen Dopingskandalen betroffene Leichtathletik-Szene. Aber bis heute blieb sie sauber. Und womöglich stimmt doch, was Allyson Felix einmal sagte. Nämlich dass die später des Dopings überführte Olympiasiegerin Marion Jones ihr großes Idol war und dann mit ihrer Entlarvung ihre große Enttäuschung wurde. „Das hat mir die Augen für die Realität geöffnet. Heute trage ich Verantwortung für junge Sportler, die zu mir aufschauen.“

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Video-Chats mit dem Hund

Was für uns Normalsterbliche erst mit der Corona-Pandemie gezwungenermaßen Alltag wurde, kennt Felix schon seit Jahren: Sie begann auf ihren vielen Reisen irgendwann mit Video-Telefonie. Das aber nicht mit irgendwelchen Kollegen, sondern mit ihrem Hund. Yorkshire Terrier Chloe vermisste sie vor der Geburt ihrer Tochter immer am meisten bei ihren Abwesenheiten. Also kam Chloe irgendwann bei Allysons Mutter auf den Schoß und durfte Frauchen via Skype anbellen. Mit Chloe zu skypen habe ihr immer geholfen, wieder ihre Gedanken zu sortieren und sich auf Reisen mit Zuhause verbunden zu fühlen, erinnerte sich Felix später. Als der Yorkshire Terrier, mit dem sie auch einen Werbespot drehte, 2016 starb, war ihre Trauer groß

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