Direkt zum Inhalt
Themenwanderwege sind oft gut gemeint, verbessern das Naturerlebnis aber in den seltensten Fällen.
Standpunkte

Themenwanderwege? Lasst die Natur lieber für sich sprechen!

  • Ute Watzl
  • 30. Juli 2019

Themenwege sind die Geschmacksverstärker für Wanderer. Sie versprechen Mehrwert, aber niemand braucht sie wirklich.


Würde man das Publikum befragen „Warum geht ihr wandern?“, die Antwort fiele einhellig aus: Naturgenuss, Sport, aktive Erholung. So in etwa. Bildung und Unterhaltung würden vermutlich seltener genannt.

Dennoch: Die Wanderregionen betreiben einen großen Aufwand und geben vermutlich eine Menge und immer mehr Geld aus, um große Figuren, ausgefallene Gebäude, abenteuerliche Sitzgelegenheiten und originelle Spiele in der Bergwelt zu platzieren – wenn man Glück hat aus Holz, wenn nicht, aus quietschbunter Plastik – um dem Wanderer das Wandern schmackhaft zu machen. Witzige Maskottchen, sagenhafte Geschichten und Rätsel für die Kinder – der Wanderer wird unterwegs bestens bespaßt.

Braucht es wirklich den Fake-Adler, wenn man ohnehin in der Natur unterwegs ist?
Braucht es wirklich den Fake-Adler, wenn man ohnehin in der Natur unterwegs ist?
Bildcredit: Ute Watzl

Der Mensch will Natur - und bekommt Künstliches

Themenwanderwege sollen informieren und unterhalten. Doch was gut gemeint ist, ist eigentlich eine Perversion der guten alten Naturlehrpfade. Sie bringen dem Wanderer Besonderheiten aus Flora und Fauna oder auch der Geologie nahe. Themenwege bedienen aber auch spezielle Motti, wahlweise sind das dann Traditionen, Bräuche, Sagen, ja auch Filmdrehs.

Und so kommt der Mensch in die Berge, auf der Suche nach Natur und Freiheit, dem Gegenentwurf zum durchstrukturierten, verplanten und fremdbestimmten Arbeitsalltag. Und was findet er? Neue Handlungsanweisungen, verstellte Perspektiven, künstlich aufgepeppte Landschaften.

Was für ein tolles Panorama - wäre da nur nicht das riesige Schild.
Was für ein tolles Panorama - wäre da nur nicht das riesige Schild.
Bildcredit: Ute Watzl

Themenpfade für Kinder: Von allem zu viel

Die größte visuelle Umweltverschmutzung liefern nicht selten die Themenpfade für Kinder: extragroß, extrabunt, extraviel. Und so wartet hinter jeder Kehre und hinter jedem fünften Baum eine kleine Attraktion, vielleicht auch ein Rätsel. Die Kinder werden von Station zu Station gelockt. Und der Erfolg gibt den Touristikern Recht: Es funktioniert.

Die Kinder wandern, nein sie laufen, getrieben von Neugier und Spieltrieb. Und weil sie so gar nicht maulen beim Wandern, macht das den Eltern auch noch richtig Spaß. Andererseits: Braucht man das? Sollte nicht auch die Natur für sich sprechen dürfen? Gibt sie nicht per se gerade für Kinder einen vorzüglichen Abenteuerspielplatz ab?

Brauchen wir stationenweise die Aufforderung, jetzt und genau hier die Natur mit was weiß ich welchem unserer fünf Sinne zu erfahren? Ich meine: Nein

Wartung ja, Unterhaltungsprogramm nein

Keine Frage: Wanderwege sollen und müssen gewartet werden. Damit sie sicher sind. Damit sie nicht dem Wildwuchs anheimfallen. Damit sie Orientierung bieten. Notwendigerweise verwenden der Alpenverein und die Kommunen darauf jede Saison viel Zeit und Personal.

Aber brauchen wir tatsächlich schaukelnde Sitzkugeln vor Alpspitzkulisse? Quietschbunte Kunststofftafeln, die sich vom langweiligen Baumgrün abheben? Mannshohe Schilder, die Blütenduft per Knopfdruck versprühen? Überdimensionierte Bilderrahmen, durch die wir die Landschaft wie ein Kunstwerk betrachten dürfen?

Brauchen wir stationenweise die Aufforderung, jetzt und genau hier die Natur mit was weiß ich welchem unserer fünf Sinne zu erfahren? Ich meine: Nein! Wer die Bergwelt beim Wandern genießt, tut dies sowieso, mit allen Sinnen.