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Lernen von den Besten

Mystisch und geheimnisvoll – so entstehen atemberaubende Bergbilder

  • Silvia Koch
  • 31. Oktober 2019

Berge bieten für Hobbyfotografen oft außergewöhnliche Motive. Doch hinter einem phänomenalen Bild steckt oft mehr als das. Im zweiten Teil unserer Serie gibt Foto-Profi Franz Sußbauer wertvolle Tipps für mystische Bergbilder und erklärt, was ein guter Fotograf mit dem Torhüter des FC Bayern gemeinsam hat.


Franz Sußbauer ist eigentlich Architekt. Mit seinen Fotos hat er es inzwischen zum Halbprofi gebracht, mit eigenen Ausstellungen und Auszeichnungen bei internationalen Fotowettbewerben. Angefangen hat er wie jeder Hobbyfotograf: Aus Spaß am (Outdoor-)Motiv.

In unserer Foto-Serie verrät er seine besten Tipps für verschiedene Motive und Situationen beim Fotografieren. Das Thema dieses Artikels: Die perfekten Kamera-Einstellungen für mystische Bergbilder. Dafür hat für OutDoor Society drei Beispielbilder ausgewählt.

Teil 1 der Serie: Tipps für das perfekte Landschaftsfoto

Bild 1: Regenbogen in den Dolomiten

Bildcredit: Franz Sußbauer

Das Motiv: 

Wildes Wetter, Regenschauer, ein Regenbogen, viel Licht und viel Schatten zugleich. Bei diesem Foto passiert einiges im Vordergrund. Das führt dazu, dass sich das Bild in die Tiefe hinein entwickelt. Für dieses Bild war Sußbauer eine Weile unterwegs. „Man muss ja immer auf den richtigen Moment warten und diesen dann auch sehen beziehungsweise erkennen“, sagt er. Dann heißt es, die Kamera mit den richtigen Einstellungen parat haben. „Das ist wie Torhüter beim FC Bayern sein. Man hat lange nichts zu tun, aber auf einmal muss man schnell sein und richtig reagieren“, erklärt er.

Die Einstellungen: 

Das Bild sei seiner Meinung nach grundsätzlich nicht schwer zu fotografieren. Die gewählte Blendenzahl bei dem Bild ist f8. Durch die gewählte Blende entsteht eine große Schärfentiefe im Bild: „Das heißt, ich habe abhängig von der Brennweite und der Fokusentfernung eine Schärfentiefe im Bild gegen unendlich. Wenn man zum Beispiel wie hier mit einer Brennweite von 32 Millimetern und f8 in einer Entfernung von mindestens 6,77 Metern fokussiert, dann bekommt man eine Schärfe von zirka 3,5 Metern bis unendlich.“

Den Fokus hat Sußbauer auf die Steine im Vordergrund gelegt, wodurch das gesamte Bild scharf wurde. Durch die Belichtungszeit von 1/125 Sekunden konnte er gut aus der Hand fotografieren.

Bild 2: Oberhalb der Baumgrenze

Bildcredit: Franz Sußbauer

Das Motiv:

Die Bildschärfe bei dem zweiten Foto ist, wie beim ersten Bild, vom Vordergrund bis Hintergrund vorhanden.

Die Einstellungen:

Um dies zu erreichen musste Sußbauer eine höhere Blendenzahl wählen, da der Vordergrund nur ca. 2 bis 3 Meter von ihm entfernt lag, aber ebenfalls scharf abgebildet sein sollte. Also wählte er bei 24 Millimeter die Brennweite f16 und 1/6 Sekunden Belichtungszeit. Bei dieser Belichtungszeit ist ein Stativ für ein scharfes Bild Pflicht.

Für Fotografen hat Sußbauer eine Faustregel: 

Brennweite Belichtungszeit = 1/ (2 x Brennweite)

Beispiel:
Beträgt die Brennweite 80 Millimeter, sollte die Belichtungszeit also 1/160 Sekunde oder kürzer sein, damit das Bild nicht verwackelt.

Bild 3: Sonne-Wolken-Mix

Bildcredit: Franz Sußbauer

Das Motiv:

Das dritte Bild wird durch die markante Wolkenstimmung lebendig. Der Bildaufbau führt den Blick an der sonnenbeschienen Berghängen in die Tiefe Richtung Stausee. Das Licht- und Schattenspiel durch die Wolken bringen zusätzlich Spannung und Tiefe ins Bild.

Die Einstellungen:

f8, 1/160 Sekunde, 35 Millimeter - der Fokus liegt auf der vorderen Felskante mit einem guten Licht-Schatten-Kontrast. Die Felskante lag etwa 10 Meter von Sußbauer entfernt.

In einer Tabelle erklärt Sußbauer, welche Kombinationen aus eingestellter Brennweite und Blende für welche Distanz perfekt ist. Die angegebene Distanz ist die Entfernung, von der aus bis in unendliche Ferne das Bild scharf ist. Der Fachbegriff für diese Entfernung lautet Hyperfokale Distanz.

  Blende f2.8 Blende f4.0 Blende f5.6 Blende f8.0 Blende f11.0 Blende f16.0
Brennweite 16 mm 4,78 m 3,38 m 2,40 m 1,70 m 1,21 m 0,86 m
Brennweite 24 mm 10,74 m 7,60 m 5,38 m 3,81 m 2,70 m 1,92 m
Brennweite 35 mm 22,83 m 16,15 m 11,43 m 8,09 m 5,73 m 4,06 m
Brennweite 50 mm 46,57 m 32,94 m 23,31 m 16,50 m 11,68 m 8,27 m

 

Apps für die perfekte Schärfentiefe

Apps wie HyperFocal Pro oder FotoTool helfen, die besten Einstellungen für jedes Motiv herauszufinden. Sußbauer empfiehlt für die Suche nach dem besten Motiv zudem die App PhotoPills, die für jeden Ort und jede Uhrzeit den Stand von Sonne, Mond und Milchstraße berechnet und so zum perfekten Ratgeber für den richtigen Foto-Moment wird.

Vorschau: Lago Sorapis mit Sonnenstern

Bildcredit: Franz Sußbauer

Auf dem Bild ist der Lago Sorapis zu sehen, auch hier hat Sußbauer auf die Schärfentiefe geachtet, um die Felsbrocken und Bergkette scharf im Bild zu haben. Auf diesem Bild ist außerdem ein Sonnenstern zu sehen. Die perfekten Einstellungen dafür folgen im dritten Teil unserer Serie.