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Unterwegs

Icecold Midsummer Night - So einzigartig ist eine Nacht auf dem Gletscher

  • Thomas Herdieckerhoff
  • 29. August 2019

Einmal eine Nacht hoch oben in den Bergen auf einem Gletscher biwakieren. Dieses Abenteuer durften zwölf Teilnehmer im Rahmen der OutDays by ISPO am Hintertuxer Gletscher in Tirol erleben. Ein Erlebnisbericht aus eisiger Höhe.


Unter den Events der OutDays im Rahmen der OutDoor by ISPO ist mir ein Abenteuer besonders ins Auge gefallen: Die Icecold Midsummer Night – eine Übernachtung auf einem Gletscher in über 3000 Metern Höhe. Raus aus der überhitzten Stadt im Hochsommer, rein in die Ruhe, Abgeschiedenheit und einzigartige Schönheit der Alpen!

Morgens um 10 Uhr kommen wir an der Talstation in Hintertux bei wunderschönem Wetter zusammen. Schon jetzt ist es heiß und im Tal wird im Laufe des Tages wieder die 30°-Marke fallen – ein perfekter Tag um der Hitze mit einem Ausflug auf den Gletscher zu entfliehen. Wir werden von unseren beiden Bergführern und dem Team des Hintertuxer Gletschers begrüßt und erfahren noch einige Details zu unserem Programm. Zügig geht es mit der Gletscherbahn hinauf zum Tuxer Fernerhaus, wo wir einen Teil unserer Ausrüstung deponieren. In der Nähe der Hütte werden wir später unser Lager für die Nacht einrichten.

Einige der Teilnehmer standen noch nie auf einem Gletscher, manche noch nicht einmal auf einer Skipiste

Auch Anfänger wagen sich auf den Gletscher

Weiter geht es mit der Bahn rauf zur Gefrorenen Wand. Auf 3250m weht uns ein erfrischend kühler Wind entgegen als sich die Türen der Gondel öffnen. Auf der Panorama-Terrasse genießen wir die Bergschau. Markant baut sich der Olperer (3480m) vor uns über dem Gletscherskigebiet auf. Auch der Hochfeiler und viele der höchsten Berge des Zillertals sind zu sehen, während sich der Großglockner weiter hinten noch in Wolken hüllt.

Von hier starten wir unsere Wanderung im sulzigen Schnee nach unten. Unser Ziel ist das flache, blanke Gletschereis zwischen Olperer und Gefrorener Wand. Bevor wir uns weiter von den präparierten Pisten des Skigebiets entfernen, legen wir Gurt und Seil an und bilden mehrere Seilschaften. „Ist es gefährlich hier auf dem Gletscher herumzulaufen? Könnten wir in eine Spalte fallen?“, will einer aus der Gruppe wissen. Einige der Teilnehmer standen noch nie auf einem Gletscher, manche noch nicht einmal auf einer Skipiste – die Vorfreude ist also groß während wir noch die letzten Instruktionen bekommen. Mit etwas Abstand zwischen den Seilschaften stapfen wir los.

Als Seilschaft geht es auf den Gletscher - für einige Teilnehmer eine Premiere.
Als Seilschaft geht es auf den Gletscher - für einige Teilnehmer eine Premiere.
Bildcredit: Thomas Herdieckerhoff

Von Sommerhitze bis unter den Gefrierpunkt

Wir erreichen eine Stelle, wo der Gletscher komplett blank ist und kleine Bäche von Schmelzwasser das tiefe Blau des Gletschers zum Vorschein bringen. Alle sind fasziniert von der Gletscheroberfläche: „Cool wie man das Eis unter den Fußsohlen knacken hört.“ In einem Bogen laufen wir dann zurück zum Skigebiet und beginnen im weichen Schnee den Abstieg. Als wir wieder am Tuxer Fernerhaus ankommen, gibt es erstmal eine Stärkung im Restaurant. Nach deftigen Speisen wie Käsespätzle und Zwiebelrostbraten und Nachspeisen wie Kaiserschmarrn und Germknödel sind wir bereit für den Aufbau der Zelte.

Auf dem Gletscher ist es besonders wichtig eine gut isolierende Isomatte zu haben, um sich gegen die Kälte von unten zu schützen. Auch der Schlafsack sollte mindestens eine Daunenfüllung von 400 haben, bzw. eine Komfortzone von -5°C. Während es langsam abkühlt, wird auch den Teilnehmern klar, dass die richtige Ausrüstung entscheidend ist: „Ganz schön kalt hier draußen, ich hoffe die Schlafsäcke taugen was“. Als das Hauptlager steht entschließe ich mich zusammen mit drei anderen aus der Gruppe ein Lager ein paar Minuten entfernt mit besserem Bergblick aufzubauen.

Die Zelte stehen! Zeit für eine Pause auf über 3000 Metern Höhe.
Die Zelte stehen! Zeit für eine Pause auf über 3000 Metern Höhe.
Bildcredit: Thomas Herdieckerhoff

Astronautenfutter und ein Farbenspiel

Nachdem alles fertig aufgebaut ist, steht das Abendessen an. Um bei Hochtouren nicht so schwer tragen zu müssen, hilft Trockennahrung, die in Tüten mit heißem Wasser aufgegossen wird. „Astronautenfutter“, aber eben auch das perfekte Essen für unsere Expeditions-Stimmung. Von Nasi Goreng bis Gulaschsuppe gibt es viele Geschmacksrichtungen im Angebot und die meisten sind von ihren Gerichten tatsächlich positiv überrascht: „Schmeckt gar nicht so schlecht wie es aussieht und ist echt leicht zu tragen und vorzubereiten“.

Nach dem Abendessen schauen wir uns von unserem Zeltplatz aus den Sonnenuntergang an. Einmalig, wie so hoch oben die letzten Sonnenstrahlen die umliegenden Berghänge in weiches, orangenes Licht tauchen. „Sowas will ich unbedingt öfter machen“, sind sich auch die meisten Teilnehmer einig. Bald danach wird es kalt und wir verkriechen uns für die Nacht in unseren Schlafsäcken.

Gletscher am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!
Gletscher am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!
Bildcredit: Thomas Herdieckerhoff

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Als wir den Reißverschluss des Zeltes öffnen und einen ersten, müden Blick nach draußen werfen, beginnt die Sonne schon den Horizont in verschiedenen Tönen einzufärben. Wir stehen auf und nutzen die wunderbare Morgenstimmung für einige Landschaftsfotos. „Früh morgens mit den ersten Sonnenstrahlen auf einem Gletscher aufzuwachen, ist wirklich ein besonderes Gefühl“, hören wir auch von den anderen Gruppenmitgliedern. Etwas später bauen wir die Zelte ab und begeben uns ins Tuxer Fernerhaus. Es ist ein bizarres Gefühl wenn man morgens im Zelt auf einem Gletscher aufwacht und nur kurze Zeit später vor einem üppigen Frühstücksbuffet steht.

Nach der Kälte der Nacht bringen ein warmer Kaffee und frisch zubereitetes Rührei die Lebensgeister schnell wieder zurück.  „So wurde die Icecold Midsummer Night wenigstens ihrem Namen gerecht, war ja angesagt, dass es icecold wird“, meint eine Teilnehmerin. Mit unvergesslichen Bergmomenten in Erinnerung fahren wir nach dem Frühstück ab ins Tal und machen uns auf den Heimweg. Doch eines ist klar: Ich komme wieder!