Outdoor/21.11.2017

Über das Sportklettern hinaus: Die Trends im alpinen Klettern, Tradclimbing und Bigwall

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Kletter-Stars wie Alex Honnold, Tommy Caldwell und David Lama setzen mit Projekten in Patagonien und am El Capitan Akzente. Für Big Wall Klettern und Erstbesteigungen in hochalpinem Gelände sind jedoch Erfahrung und Können absolute Voraussetzung. Projekte in heimischem Gelände wie den Drei Zinnen sind auch für den hiesigen, ambitionierten Kletterer umzusetzen. Ob sich daraus aber ein Trend für die Masse ableiten lässt? ISPO.com hat Experten aus der Branche befragt. 

Die großen Wände machen Kletterer zu Stars – aber für die Masse bleiben sie oft unerreichbar.
Die großen Wände machen Kletterer zu Stars – aber für die Masse bleiben sie oft unerreichbar.

Alpines Klettern, Tradclimbing oder Big Wall: Der Klettersport hat viele Facetten. Doch was verbirgt sich dahinter? Der normale Werdegang eines Kletterers führt über die Halle raus an den Fels: das Sportklettern in eigens dafür eingerichteten Klettergärten ist der nächste, logische Schritt.

Wen der Ehrgeiz packt, auch mal einen Gipfel zu erklimmen, übt sich im Mehrseillängenklettern. Zum Ausprobieren und Knotentechnik üben lohnen sich gut abgesicherte Plaisierkletter-Routen, bei denen Standplätze und Zwischensicherungen installiert sind. Rein alpines Klettern verlangt zusätzliches Absichern in vorgebohrten Routen.

Die wahre Herausforderung liegt aber im Tradclimbing – also dem traditional climbing, bei dem die Kletterer einzig mit mobilen Sicherungsgeräten und Schlaghaken absichern. Big Wall Klettern ist die fast selbsterklärende Steigerung des Tradclimbings in kurzen Routen: Dabei erklimmen Seilschaften hohe Wände und sichern ihre Route komplett selbst ab. Die Projekte können mehrere Tage dauern – ein Übernachten im Portaledge in der Wand wird dann zur einzigen Option. 

Branchen-Insights

ISPO.com hat bei fünf Branchen-Experten nachgefragt: Lässt sich beim hochalpinen Klettersport auch ein Trend für die Masse erkennen? 

  • Black Diamond: Stephan Hagenbusch, Vice-President of International Sales
  • Edelrid: Thomas Hodel, Brandmanager
  • Mammut: Andres Lietha, Head of Business Unit Hardware
  • Petzl Deutschland: Christoph Driever, Countrymanager
  • Red Chili: Stefan Glowacz, Mitgründer

Black Diamond Equipment ist ein Hersteller von Kletter-, Ski- und Bergsportausrüstung mit Sitz in Utah, USA. Das Unternehmen wurde 1954 gegründet und unterhält auch globale Niederlassungen in Innsbruck, Österreich, und Zhuhai, China.

„Es mag sein, dass das Alpin- und/ oder Bigwallklettern in jüngster Zeit vermehrte mediale Aufmerksamkeit bekommt – ein wirklicher Trend, der sich auch in Umsatzzahlen in den entsprechenden Produktkategorien abbilden würde, ist jedoch nicht erkennbar.“

Edelrid: Im Alpinismus ist nach wie vor ein Leichtgewichts-Trend zu beobachten

Edelrid ist ein deutscher Hersteller von Kletter- und Bergsportausrüstung mit Sitz in Isny im Allgäu. Gegründet im Jahr 1863 ist Edelrid seit 2006 Teil der Vaude-Gruppe. Das Unternehmen beschäftigt 160 Mitarbeiter.

„Die großen Wände dieser Welt werden weiterhin den Spezialisten und Individualisten vorbehalten bleiben. Trotzdem ist diese Gruppe für uns extrem wichtig, schließlich ist sie der Nährboden, ohne den der Hallentrend gar nicht erst möglich wäre. Gerne Identifizieren wir uns mit den Iconen des Sports und eifern ihnen nach. In einen Big Wall werden aber trotzdem nur die wenigsten von uns einsteigen.

Im Bereich des Alpinismus ist nach wie vor der Trend des Leichtgewichts-Alpinismus zu beobachten. Hier geht es darum möglichst schnell, mit einem Minimum an Ausrüstung unterwegs zu sein, denn Schnelligkeit bedeutet in diesem Fall auch Sicherheit.

Unser Canary Pro Dry mit einem Durchmesser von gerade mal 8,6 mm oder unsere 19 G Karabiner (die leichtesten Karabiner der Welt) sind Produkte, die genau für diesen Anwendungsbereich entwickelt wurden. Natürlich haben diese Produkte auch ihre Grenzen und der Markt dafür ist eher überschaubar. Trotzdem leisten wir uns bei Edelrid solche Entwicklungen, weil wir die komplette Bandbreite des Alpinismus abdecken wollen. Und unsere Athleten wissen das zu schätzen.“

Die Mammut Sports Group AG ist ein Schweizer Hersteller von Berg- und Trekkingausrüstung mit Sitz in Seon, Schweiz. Das Unternehmen mit 465 Mitarbeitern wurde 1862 gegründet.

„Der normale Werdegang ist vermutlich Hallenklettern oder Bouldern, Sportklettern, Alpin- oder Trandklettern, Alpinismus. Für Mammut besteht der Aufholbedarf eher in der Halle und beim Bouldern.“

Petzl: Produkte werden immer leichter und multifunktioneller

Petzl ist Hersteller von Kletterausrüstung, Höhlenausrüstung, Arbeitsgeräten und Scheinwerfern mit Sitz in Crolles (bei Grenoble), Frankreich. Das Unternehmen wurde Mitte der 70er Jahre vom Höhlenforscher Fernand Petzl gegründet und beschäftigt 700 Mitarbeiter.

„Petzl als sehr alpine Marke ist hier bestens aufgestellt und seit Jahren einer der innovativsten Hersteller. Wir suchen auch für diese Aktiven immer nach neuen und besseren Produkten und Lösungen. Wir leben hier auch unseren Claim: „Access the inaccessible“. Die Produkte werden, wie gesagt, zum einen leichter, aber auch multifunktioneller!"

Fritz Traverse: Caldwell und Honnold

Red Chili: Die extremeren Ausprägungen des hochalpinen Kletterns bleibt Spezialisten vorbehalten

Red Chili Climbing ist ein deutsches Unternehmen, das Kletterschuhe und Kletter-Bekleidung herstellt. Mitgründer ist Stefan Glowacz. 2017 fusioniert Red Chili mit Edelrid.

„Nachdem wir mit Red Chili und Edelrid fusionierten, beobachten und analysieren wir den Markt noch wesentlich genauer und versuchen Trends für unsere unterschiedlichen Produktsegmente Kletterschuhe, Klettermode, Seile, Anseilgurte und Hardware abzuleiten. Einige Topkletterer an der Spitze wechseln vom Sportklettern und Bouldern auch immer wieder ins alpine und hochalpine Klettern und setzen dort, allein schon durch ihr unglaubliches Kletterkönnen Akzente wie Alex Honnold und Tommy Caldwell bei der Erstbegehung der begehrten Fitzroytraverse in Patagonien.

Einen Großteil der Seillängen kletterten die Beiden simultan, also gleichzeitig. Schnelligkeit und Leichtigkeit sind bei diesen Unternehmungen wichtige Kriterien. Auch werden immer schwierigere Routen solo geklettert, bei denen sich die Kletterer selber im Vorstieg sichert.

Diese extremen Ausprägungen bleiben jedoch den absoluten Spezialisten vorbehalten und werden mit Sicherheit kein Massentrend. Die einzelnen Segmente wie Multi Pitch, Tradclimbing oder Big Wall decken wir mit unseren Produkten bereits sehr gut ab. Natürlich entwickeln wir aber auch für die Bereiche, die den Spezialisten vorbehalten bleiben entsprechende Spezialausrüstung, weil wir sie auch selber brauchen."

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