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 Sportpsychologe werden – Jobinhalt, Ausbildung, Arbeitsmarkt
Karriere | 09.02.2016

Berufsziel Sportpsychologe

Sportpsychologe werden – Jobinhalt, Ausbildung, Arbeitsmarkt

Sportpsychologe werden – Jobinhalt, Ausbildung, Arbeitsmarkt.  (Quelle: Thinkstock )
Zum Mental-Coach auf die Couch
Bild: Thinkstock
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Sportler auch mental für Höchstleistungen fit zu machen, das ist der Job von Sportpsychologen. Fast alle große Vereine und Verbände leisten sich die Experten für ihre Spitzenathleten. Doch wie kommt man in Deutschland zu diesem Beruf? Welche Voraussetzungen braucht es, welche Ausbildung trägt und vor allem: Wie stehen die Chancen für die spätere Karriere?


Erfolgsdruck, Verletzungen und auch private Probleme – all das sind Herausforderungen, mit denen Spitzensportler mental zu kämpfen haben. Wollen sie mit dem Startschuss punktgenau Höchstleistungen vollbringen, reichen perfekt trainierte Bewegungsabläufe nicht aus. Auch die Psyche muss gestärkt werden, gerade für große Wettkämpfen und in schwierigen persönlichen Lebensphasen. Diese Aufbauarbeit unterstützt der Sportpsychologe als Mentaltrainer des Sportlers.

Akademische Laufbahn

Sportpsychologe kann nur werden, wer ein Hochschulstudium absolviert. Ein Bachelor-Abschluss Psychologie reicht meist nicht, um als Sport-Psychologe tätig zu werden. Die Berufsbezeichnung Psychologe ist in Deutschland an einen Diplom- oder Masterabschluss gekoppelt, auch die Promotion sind üblich und für viele gute Jobs hilfreich oder sogar Voraussetzung.

Klassischerweise studiert der angehende Sportpsychologe erst einmal allgemeine Psychologie und spezialisiert sich dann auf die Sportpsychologie. Direkt studieren lässt sich das Fach seit einigen Jahren auch, als Masterstudium an der staatlichen Martin-Luther-Universität Halle und an der privaten Medical School Hamburg (gehört zur Business School Berlin). Als Schwerpunkt des Sportwissenschaftsstudiums wird Sportpsychologie außerdem an der privaten Fachhochschule für Gesundheit und Sport, Technik und Kunst mit Hauptsitz in Berlin und weiteren Standorten in Ismaning bei München und Unna in Nordrhein-Westfalen angeboten.

Anerkannte Weiterbildung zum Sportpsychologen

Die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) hat eigene Lehrinhalte entwickelt, die Psychologen und Sportwissenschaftler mit Masterabschluss zum Sportpsychologen befähigen. Die postgraduale Weiterbildung ergänzt die Inhalte der jeweils fehlenden Studienrichtung und kompensiert so mögliche Lücken. Sie wird für den Bereich Leistungssport an der Universität Karlsruhe angeboten.

Für den Bereich Gesundheitssport mit den Arbeitsfeldern Rehabilitation, Prävention und Behindertensport erfolgt die asp-Weiterbildung zum Sportpsychologen an den Universitäten Kiel und Leipzig. Hier werden auf Antrag auch Mediziner und Pädagogen mit Diplom- oder Masterabschluss zugelassen.

Die Weiterbildungs-Abschlüsse der asp berechtigen zum Eintrag in die Expertendatenbank des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, über die Sportverbände und Spitzenvereine häufig ihre Fachleute für Sport Jobs rekrutieren.


Der Kopf entscheidet über Sieg und Niederlage

Der Leistungssport ist ein Zusammenspiel aus Technik, Taktik, Athletik und mentaler Stärke. Spitzensportler trainieren ständig, Höchstleistungen in Drucksituationen zu erbringen. Schwieriger ist es, sich auf konkrete Wettkampfsituationen mit örtlichen Gegebenheiten, Wetterbedingungen und Zuschauerreaktionen einzustellen. Dabei helfen bei Kaderathleten großer Verbände und Vereine inzwischen fast überall Sportpsychologen. Im besten Fall kennen sie ihre Schützlinge über längere Zeit und können ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi wurde der gesamte deutsche Kader von zwei Sportpsychologen betreut, einer von ihnen war der Diplom-Psychologe Dr. Kai Engbert. „Die Sportler bilden ihr Kopfkino aus und lernen, sich Situationen äußerst lebhaft vorzustellen“, berichtete er über seine Arbeit im Interview mit der Ärzte-Zeitung. Um sich die Strecke einzuprägen und die Bewegungsabläufe zu imaginieren, besichtigen sie die Piste oder Bahn. Er rate Athleten, sich ins leere Stadion zu stellen und spiele auch schon mal Geräuschaufnahmen ein, um sie auf Zuschauerreaktionen vorzubereiten. „Wenn der Kopf nicht mitspielt und Nervosität, Angst vor Misserfolg oder die eigenen Erwartungen zu Blockaden und Fehlern führen ist eine gute körperliche Verfassung wenig wert“, so Engbert. Aus vielen Gesprächen mit dem Sportler und auch mit dem Trainer ergäben sich die Strategien für die mentale Vorgehensweise. Entspannungstechniken etwa ließen sich gut trainieren. „Wer kurz vor dem Start merkt, dass er zu angespannt ist, kann beispielsweise die Pobacken zusammenkneifen, oft hilft das schon.“ Nur wer entspannen, visualisieren, ausblenden, sich positiv aufladen und auf das Wesentliche fokussieren kann, sei optimal leistungsbereit.

Schnittstelle zwischen Trainer und Sportler

Der Sportpsychologe fungiert Engbert zufolge zugleich als Schnittstelle in der Kommunikation zwischen Trainer und Sportler. Beim Mannschaftssport müsse oft zusätzlich zwischen den Teamkollegen vermittelt werden. Die Bandbreite der Probleme reiche von der aufkommenden Angst über echte Panik bis zu Essstörungen und Depressionen, so Engbert. Der Umgang mit Niederlagen, aber auch mit Emotionen nach Siegen sei ein weiteres Arbeitsgebiet.

Mental-Coaching für Trainer

Während Sportpsychologen im Spitzensport seit etwa zehn Jahren wie Sportärzte und Masseure ganz selbstverständlich zum Trainerteam gehören, werden im Nachwuchsbereich bisher nur selten Jobs für Sportpsychologen angeboten. Um auch dort die psychologische Betreuung zu verbessern, ist die Weiterbildung von Trainern zum Mental-Coach ein neues Betätigungsfeld für Sportpsychologen geworden, die sich selbstständig machen oder ihre Arbeitskraft in den Dienst freier Unternehmen und Forschungseinrichtungen stellen.

Mental-Guru oder Fachmann – für wie wichtig halten Sie die Arbeit von Sportpsychologen?

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ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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