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 Skihelme für Kinder und Erwachsene im Test: Achten Sie auf diese Angaben
Wintersport | 26.11.2016

Test überprüft Sicherheit und Hersteller-Angaben: Teuer nicht unbedingt besser

Der richtige Skihelm für Kinder und Erwachsene: Testleiter erklärt, worauf Sie achten sollten

Skihelme für Kinder und Erwachsene im Test: Achten Sie auf diese Angaben. Alle 25 getesteten Ski- und Snowboard-Helme bieten die nötige Sicherheit und auch bei der chemischen Zusammensetzung gab es keine Beanstandungen. (Quelle: Regierungspräsidium Tübingen)
Alle 25 getesteten Ski- und Snowboard-Helme bieten die nötige Sicherheit und auch bei der chemischen Zusammensetzung gab es keine Beanstandungen.
Bild: Regierungspräsidium Tübingen
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Wie finde ich den richtigen Skihelm? Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg hat 25 Ski- und Snowboardhelme für Kinder und Erwachsene untersucht. Projektleiter Thomas Schuld erklärt den Test und gibt Tipps, worauf man beim Helm-Kauf achten sollte.

Sind teure Skihelme sicherer als günstige Helme? Wie lange sind Ski- und Snowboardhelme haltbar? Und woran erkenne ich, welcher Helm gut ist? Vor dem Einkauf eines neuen Schutzes für den Kopf drängen sich viele Fragen auf – vor allem wenn der Skihelm für die Kinder sein soll.

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Die richtige Wahl des Helmes ist wichtig, schließlich ist das Tempo auf den Pisten rasant. Im Winter 2014/2015 verletzten sich laut ASU-Unfallstatistik 1,1 von 1000 Skifahrern am Kopf; die Zahl der Kopfverletzungen ist aufgrund der vielen Ski- und Snowboardhelm-Träger im vergangenen Jahrzehnt stark zurückgegangen.

Ingenieur Thomas Schuld arbeitet für die Marktüberwachung des Regierungspräsidiums Tübingen (Abteilung Produktsicherheit, Verbraucherprodukte) und hat mit seinem Team aktuelle Helme unter die Lupe genommen. ISPO.com hat mit ihm über den Test und die Ergebnisse gesprochen.

Ingenieur Thomas Schuld hat als Projektleiter 25 Ski- und Snowboardhelme für Kinder und Erwachsene getestet. (Quelle: privat)
Ingenieur Thomas Schuld hat als Projektleiter 25 Ski- und Snowboardhelme für Kinder und Erwachsene getestet.
Bild: privat

Skihelm-Testleiter Thomas Schuld im Interview

ISPO.com: Herr Schuld, die Nachfrage nach Ski- und Snowboardhelmen steigt und das Angebot ist groß. Sie haben für das Regierungspräsidium Tübingen 25 Helme für Kinder und Erwachsene getestet. Wie verlief Ihr Test?
Thomas Schuld:
Wir haben Ski- und Snowboardhelme in einer Preisklasse von 20 Euro bis über 300 Euro einer sicherheitstechnischen und chemikalienrechtlichen Überprüfung unterzogen. Das geschah auf Basis der EU-Richtlinien, genauer gesagt einer Europäischen Norm namens DIN EN 1077. Außerdem haben wir alle Helme auf formale Mängel geprüft.

Woran erkenne ich einen guten Skihelm?
Ein guter Ski- oder Snowboardhelm sollte in erster Linie den Kopf bei Stürzen und Unfällen schützen, das ist ja logisch. Unseren technischen Test auf Stoßdämpfungsvermögen und Durchdringungsfestigkeit haben alle Produkte bestanden – unabhängig von Preis und Hersteller. Das ist eine gute Nachricht, finden wir.


Bedeutet das also, dass ein günstiger Skihelm genauso gut ist wie ein teurer?
Da wir nur die gesetzlichen Mindestanforderungen getestet haben, kann ich nicht sagen, welcher Skihelm der beste ist. Was ich sagen kann: Die nötige Sicherheit bieten sie allesamt und auch bei der chemischen Zusammensetzung haben wir keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt.
Aber: Ob ein Helm der richtige für jemanden ist, hängt letztlich auch von Faktoren wie Passform, Komfort, Belüftung und Design ab.

Gab es überhaupt Mängel bei Ihrem Test der Ski- und Snowboard-Helme?
Ja, bei den Formalien. Zu den Anforderungen an einen Helm gehört nämlich auch, dass die CE-Kennzeichnung (sie sagt aus, dass die EU-Richtlinien eingehalten wurden, Anm.d.Red.) und weitere Infos angebracht sind: Name und Anschrift des Herstellers sowie Größe und Gewicht des Ski- oder Snowboard-Helms. Außerdem sollte dem Helm eine deutschsprachige Produktbroschüre beiliegen, die Hinweise zu Reinigung, Wartung und Haltbarkeit gibt.

Acht Skihelme ohne Haltbarkeitsangabe

Haltbarkeit ist ein gutes Stichwort: Wie lange sind Skihelme denn haltbar?
Bei Ski- oder Snowboard-Helmen gibt es kein von der EU-Richtlinie vorgegebenes Mindesthaltbarkeitsdatum. Aber die Hersteller sind dazu angehalten, den Kunden ein Datum oder eine Zeitspanne – wie zum Beispiel „fünf Jahre nach Herstellung“ an die Hand zu geben. 17 von 25 getesteten Helmen hatten eine solche Kennzeichnung, acht nicht. Wie lange die maximale Nutzungsdauer dann ist, das legen die Hersteller selbst fest.

Mein eigener Helm ist etwa sieben Jahre alt. Woran kann ich erkennen, ob mich mein Skihelm noch schützt?
Leider lässt sich das von außen nicht so leicht sagen. Ob ein Ski- oder Snowboard-Helm noch Schutz bietet, hängt auch davon ab, wie oft er im Einsatz war, ob er großer UV-Strahlung oder Kälte ausgesetzt war und wie er gelagert wurde. Und natürlich, ob er mal einen Schlag oder Stoß abbekommen hat.

Gründlich zerlegt: Ein Helm und seine Einzelteile. (Quelle: Regierungspräsidium Tübingen)
Gründlich zerlegt: Ein Helm und seine Einzelteile.
Bild: Regierungspräsidium Tübingen

Mir ist mein Skihelm mal vom Tisch auf den Boden gefallen. Danach habe ich äußerlich keinen Schaden gesehen. Woran erkenne ich, ob der Helm vielleicht doch kaputt ist?
Auch das ist schwer zu sagen. Ski- oder Snowboardhelme, die einen Sturz mitgemacht haben, könnten innen Risse aufweisen, so dass die Schutzfunktion bei einem neuerlichen Unfall stark eingeschränkt wäre. Im schlimmsten Fall bricht die Helmschale einfach auseinander.
Deshalb ist es ratsam, einen Helm nach einem Sturz oder heftigen Schlag lieber nicht mehr zu benutzen, sondern auszutauschen – auch wenn man von außen keinen Schaden wahrnimmt.

Brille unterm Skihelm – passt das?

Kann es gefährlich sein, eine Sonnenbrille unterm Skihelm zu tragen?
Wir haben dazu keinen Test durchgeführt. Aber DIN EN 1077 beinhaltet auch, dass die Ski- und Snowboard-Helme mit Brille zu tragen sein sollten. Ob Skibrille, Sonnenbrille oder optischer Sehhilfe ist dabei nicht genau ausgeführt. Ich gehe also davon aus, dass es da keine Einschränkungen gibt. Aber wenn Sonnenbrille oder Helm beim Tragen in Kombination drücken, ist das sicherlich kein gutes Zeichen. Es ist also ratsam, die Brille vor dem Kauf in den Sportladen mitzunehmen.

Wie messe ich eigentlich die richtige Größe vorm Kauf eines Ski- oder Snowboard-Helms?
Die Hersteller geben die Größe ihrer Helme meist in Zentimeter-Intervallen an, diese Angabe ist auf jedem Helm zu finden. Sie müssen also Ihren Kopfumfang messen. Dazu legen Sie ein Maßband oberhalb Ihrer Augenbrauen, also ein paar Zentimeter über Ihren Ohren, an.


Aber nach einer Saison sind Kinder schon wieder aus Ihren Helmen rausgewachsen...
Viele Helme lassen sich durch intelligente Schließsysteme dem veränderten Kopfumfang anpassen. Dann wächst der Helm sozusagen mit. Man sollte aber darauf achten, dass sich der Schließmechanismus – oft ist es ein kleines Rädchen am Hinterkopf – nicht von selbst verstellen kann.

Was würden Sie Eltern vor dem Kauf eines Ski- oder Snowboard-Helms für ihre Kinder raten?
Ein Helm sollte nicht nur Schutz bei Stürzen und Unfällen, sondern auch Schutz vor Kälte und Wind bieten. Es sollte oben an der Stirn kein Spalt zwischen Skibrille und Helm bleiben. Praktisch wäre auch, bei der Farbwahl auf eine gute Sichtbarkeit zu achten. Schließlich steigt bei schlechter Sicht und Nebel die Unfallgefahr auf der Piste.
Am wichtigsten ist aber, dass der Helm weder drückt noch rutscht. Ob der Helm passt, können Eltern mit ihren Kindern – aber auch bei sich selbst – leicht überprüfen: Helm aufsetzen, Kinnband nicht schließen und mit dem Kopf nicken und wackeln. Der Helm passt, wenn er weder wackelt noch verrutscht.

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Joscha Thieringer (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Joscha Thieringer, Autor
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