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 Vertics: Sleeves, die Kletterer-Arme frisch halten
Startup | 15.06.2016

Finalist bei ISPO BRANDNEW

Klettern mit Vertics-Sleeves – Kompression für die Unterarme

Vertics: Sleeves, die Kletterer-Arme frisch halten. Steffen Hummel testet seine Vertics seit jeher selbst – hier beim Bouldern. (Quelle: Vertics)
Steffen Hummel testet seine Vertics seit jeher selbst – hier beim Bouldern.
Bild: Vertics
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Vertics sind Kompressions-Sleeves für Kletterer – das Produkt ist Finalist in der Kategorie Accessoires bei ISPO BRANDNEW. Mit ihrer Hilfe sollen die Arme der Sportler besser durchblutet werden und weniger schnell ermüden. Hier erklärt Erfinder Steffen Hummel, wie seine Idee entstand und wie sich das Geschäft entwickelt.

ISPO.com: Herr Hummel, lassen Sie uns raten: Sie haben die Kompressionsstümpfe bei Läufern gesehen und sich gedacht: Was für die Beine gut ist, kann auch für die Arme nicht schlecht sein. Oder?
Steffen Hummel: So ungefähr. Ich bin selbst Läufer und habe dann mit dem Klettern angefangen. Tja, da war der Gedanke von der Kompression der Wade zur Kompression des Unterarms nicht weit.


Wann war das?
Anfang 2013. Ich habe erst selbst mit Thrombosestrümpfen aus dem Krankenhaus experimentiert, mit verschiedenen Längen und unterschiedlichem Druck. Allerdings mit einem Pullover über den Armen. Weil, ganz ehrlich: Das sah schon ein bisschen doof aus. Gespürt habe ich allerdings schnell, dass sich da was tut.

Schwierig: Einen Hersteller für Vertics finden

Mit Thrombosestrümpfen wären Sie aber vermutlich nicht weit gekommen, oder?
Richtig. Der schwierigste Part war dann, einen Hersteller zu finden, der mit mir zusammen die Prototypen entwickeln und später das Produkt produzieren möchte. Ich bin durch einen glücklichen Zufall bei einem Unternehmen von der Schwäbischen Alb gelandet, das Sportbandagen und Kompressionen auf höchstem professionellen Level produziert, allerdings keine Eigenmarke hat und deswegen nicht so bekannt ist.

Vertics-Erfinder Steffen Hummel mit seinem Team auf der ISPO MUNICH 2016. (Quelle: Vertics)
Vertics-Erfinder Steffen Hummel mit seinem Team auf der ISPO MUNICH 2016.
Bild: Vertics

Haben Sie die Testexemplare immer selbst ausprobiert?
Selbstverständlich! Aber ich habe mir schnell ein Netzwerk aufbauen können mit Kletterern vom fünften bis zum elften Grad, also das gesamte Spektrum. Dafür habe ich mich in die Kletterhallen gestellt und die Vertics verteilt. Das mache ich übrigens auch heute noch.

Lesen Sie hier: Der Indoor-Trend beim Klettern ist gut – sagt Superstar Chris Sharma

Die Deutschen fordern Beweise für den Effekt der Vertics

Wie war die Resonanz bei den Tests? Waren die Sportler skeptisch?
Es gab ein paar wenige, die haben gesagt: Das ist doch Scharlatanerie. Aber insgesamt war schon das erste Feedback sehr positiv, die allermeisten waren sehr neugierig. Das ist auch länder- und mentalitätsabhängig: Die italienischen Kletterer zum Beispiel haben ohne Vorbehalte gleich alles testen wollen. In Deutschland fragt man eher: Gibt es Studien? Gibt es Beweise, dass es funktioniert?

Und? Gibt es die?
Ja! Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Basel haben wir mit dem Schweizer Boulder-Nationalteam zusammengearbeitet. Die Ergebnisse der Studie besagen: Träger der Vertics hatten bei Benutzung nicht signifikante, aber messbar geringere Laktatwerte. Und im Leistungssport können geringste Verbesserungen eben den Unterschied machen. Vor allem aber beschrieben die Testpersonen ein deutlich geringeres Gefühl der Anstrengung in den Unterarmen, wenn sie die Vertics getragen hatten.


Was ist sonst noch dokumentiert?
Ich habe selbst noch rund 100 Kletterer befragt, ob und wie sich das Produkt auf die Regeneration auswirkt. Das Ergebnis war, dass die Teilnehmer angaben, auch nach harten Trainingseinheiten schneller wieder einsatzbereit gewesen zu sein.

Helfer beim Klettern und Bouldern

Tragen Sie die Vertics weiterhin selbst?
Jedes Mal, wenn ich Klettern gehe. Ich ziehe sie eine halbe Stunde vor dem Sport zu Hause an, dann unterstützen sie das Aufwärmen der Muskulatur. Und nach dem Klettern ziehe ich sie dann ebenfalls erst zu Hause wieder aus, um die Regeneration zu unterstützen.

Wie läuft es unternehmerisch für Sie: Reichen die Vertics-Einnahmen oder haben Sie noch andere Projekte?
Eigentlich bin ich IT-Berater, Vertics ist ein zweites Standbein und entwickelt sich immer besser. Ich würde mich selbst als durchaus ideenreich bezeichnen – ein paar Sachen sind mir früher schon eingefallen, durchgezogen habe ich es erstmals mit Vertics. Es ist schön zu sehen, wie es Schritt für Schritt vorangeht. Immer mehr Händler nehmen mein Produkt auf, immer mehr Hallen bieten sie zum Testen an. Ich habe mittlerweile einen Draht bis zu den Bundestrainern und Nationalteams in verschiedenen Ländern.

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Die Vertics funktionieren im Grunde wie Kompressionsstrümpfe – nur eben für die Arme. (Quelle: Redaktion ISPO.com)
Die Vertics funktionieren im Grunde wie Kompressionsstrümpfe – nur eben für die Arme.
Bild: Redaktion ISPO.com

Interesse aus anderen Sportarten

Wer sind die bekanntesten Sportler, die Ihre Sleeves nutzen?
Dazu gehören unter anderem die Schweizer Weltklasse-Kletterin Petra Klingler und der Boulder-Spezialist Dmitri Sarafutdinov aus Russland.

Klettern ist nicht die einzige Sportart, in der die Unterarm- und Griffkraft eine große Rolle spielt. Interessieren sich auch andere Athleten für Ihre Sleeves?
Motocross ist prädestiniert für mein Produkt. Dort sind die Belastungen ähnlich wie beim Klettern, der Unterarm-Pump ist durch das Greifen des Lenkers sehr hoch. Das erste Feedback, das ich aus dem Sport bekommen habe, war schon sehr vielversprechend. Mit einigen professionellen Ruderern arbeite ich ebenfalls zusammen. Grundsätzlich gilt aber: Die Vertics können in jeder Sportart, bei der man Dinge greifen muss, helfen: also auch beim Tennis oder Squash.

Fakten zu VERTICS

Name: VERTICS, Steffen Hummel
Firmensitz: Wiesbaden
Anzahl der Mitarbeiter: 2
Website:www.vertics.de

ISPO BRANDNEW: So geht die Jury vor

Julian Galinski (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Julian Galinski, Leitender Redakteur
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