Sportbusiness/04.03.2020

Outfits der Zukunft: Wie smarte Kleidung den Sportmarkt aufmischt

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Heizjacken, Handysteuerung mit dem Ärmel, Chip-Schuhe – das digitale Zeitalter macht auch vor Sportbekleidung nicht halt. ISPO.com zeigt, wie smarte Outfits auftrumpfen - und wie sie neue Kooperationen ermöglichen.

Von automatischer Temperaturanpassung bis zur Steuerung des Smartphones: Sportbekleidung kann heutzutage (fast) alles.
Von automatischer Temperaturanpassung bis zur Steuerung des Smartphones: Sportbekleidung kann heutzutage (fast) alles.

Schöffel warb auf der ISPO Munich 2020 prominent und großflächig für seine neue beheizbare Skikleidung. „Ich wünschte, ich hätte sie während meiner Zeit als Skirennfahrer gehabt“, ließ sich der zweimalige Olympiasieger Benjamin Raich zitieren. Auch Descente stellte auf der weltgrößten Plattform der Sportindustrie eine Hybrid-Skijacke vor, die nicht nur künstlich wärmt, sondern zudem noch während des Skifahrens Strom für das Smartphone liefert.

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Immer mehr smarte Textil-Angebote

„Ob Heizung, Kühlung, Licht oder die Messung von Körperfunktionen wie der Puls – viele Innovationen im Textilbereich kommen heutzutage aus der Technik. Über die letzten Jahre ist das auch auf der ISPO Munich deutlich mehr geworden. Das Thema ist im Mainstream angekommen“, sagt Dr. Klaus Hecker, Managing Director der Organic and Printed Electronics Association (OE-A) im Gespräch mit ISPO.com.

Im neuen Intellitex-Heat-System von Schöffel überprüft ein Sensor in der Skijacke ständig den Unterschied zwischen der eingestellten Wärme und der tatsächlichen Körper-Temperatur. Wird es zu kalt, gibt es einen Hitzeschub in die Carbon-Nanoröhren der Jacke. Die Energie, für die ab Herbst diesen Jahres für etwa 1700 Euro erhältlichen Ski-Komplettsets kommt aus einer klassischen Powerbank. Descente setzt bei seinem ab Oktober erhältlichen Solar Thermo Insulated Jacket (voraussichtlich 1850 Euro) dagegen auf drei abnehmbare Solarzellen. Sie liefern mit Hilfe der Sonne entweder die Energie für die in der Skijacke integrierte Keramikheizung oder den Saft fürs Handy.

Jacke steuert Smartphone

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte die Jeans-Legende Levi’s in Zusammenarbeit mit Google eine intelligente Jacke auf den Markt gebracht, mit der man sein Mobiltelefon steuern kann. Ein berührungsempfindlicher Streifen am Jackenärmel verbindet sich via Bluetooth mit dem Smartphone. So können Anrufe entgegengenommen, Nachrichten versendet oder Musik gestartet werden, ohne das Handy aus der Tasche zu nehmen. Stattdessen wird nur der Jackenärmel angetippt.

Diese Beispiele sind allerdings nur die Spitze des Eisbergs in Sachen smarte Textilien. Ob die Integration von Leucht-Elementen in die Kleidung oder Rucksäcke, die mobile Stromversorgung durch integrierte Solarzellen auf langen Wanderungen, das sogenannte Moisture Management oder die Überwachung von Körperfunktionen mit integrierten Sensoren – die Umsetzung vieler Technik-Features in die Kleidung hat gerade erst begonnen.

Chip im Schuh liefert Live-Informationen

Der Schuhhersteller Under Armour zum Beispiel hat in seinen neuen Laufschuh Hovr einen Chip in die Sohle eingebaut, der über die App „Map my Run“ ein direktes Feedback zur Trittfrequenz gibt. So kann man noch während des Laufens Veränderungen vornehmen. Der Umsatz im Wearables-Markt soll von 52 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 63 Milliarden Dollar im Jahr 2021 steigen. Das deutet an, welch riesiges Potenzial smarte Textilien haben. Zumal durch den Einsatz von „Printed Electronics“ in Bekleidung die Integration der Technik immer kleiner, praktischer und natürlicher wird.

Neue Kooperationen nötig: „Der Markt ist riesig“

„Keine Frage: Der potenzielle Markt ist riesig. Jetzt kommt es darauf an, intelligente Geschäftsmodelle daraus zu entwickeln und ganz neue Player zusammenzuführen“, sagt Klaus Hecker. Auf der ISPO Munich äußerte zum Beispiel Tobias Meyer vom Sensor-Spezialisten IEE in einem Vortrag großes Interesse an einer verstärkten Zusammenarbeit mit Firmen aus der Bekleidung- und Sportindustrie. Seine Firma kommt aus dem Automobilbereich, sieht aber große Zukunft im Einsatz in smarter Kleidung.

„Das reicht von Live-Infos für Hobbysportler bis zu vermarktbaren Produkten für Profifußball-Vereine. So könnte man zum Beispiel die Laufwege von Stars mit den TV-Sendern oder Fans teilen oder schlichtweg deren Gesundheit überwachen – das macht bei einem Investment von 200 Millionen Euro für manche Fußballer ja wirtschaftlich auch Sinn“, so Meyer.

LOPEC bringt alle Player zusammen

Klaus Hecker sieht große Chancen für die Sportindustrie, wenn sie sich noch mehr für technische Innovationen öffnet: „In der Sportindustrie sind neue, smarte Produkte schnell umsetzbar, weil sie in Halbjahreszyklen arbeitet. Da sind der Autobereich oder die Medizinindustrie wegen der komplexen Zulassungsverfahren viel konservativer.“

Die Messe LOPEC führt jährlich in München die Player aus dem Technik-, Sport- und Bekleidungsbereich zusammen, das nächste Mal vom 23. bis 25. März 2021.