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 Achtung, Lawine! Mit dieser Ausrüstung schützen sich Freerider
Wintersport | 21.11.2016

Lawine – die richtige Ausrüstung kann Leben retten

Diese Ausrüstung bietet Lawinenschutz für Freerider

Achtung, Lawine! Mit dieser Ausrüstung schützen sich Freerider. Die richtige Ausrüstung kann beim Lawinenabgang Leben retten. (Quelle: Thinkstock)
Die richtige Ausrüstung kann beim Lawinenabgang Leben retten.
Bild: Thinkstock
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In einer Lawine entscheidet auch die Ausrüstung über Leben und Tod. Allein der Lawinenairbag erhöht die Überlebenschance um den Faktor acht. Freerider sollten ihr Equipment daher auf dem neuesten Stand halten und sich im Umgang mit der Technik schulen – auch im Interesse ihrer Begleiter.

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In vielen Lebensbereichen gehört Sicherheit zur Pflicht. So zahlen Gurtmuffel im Straßenverkehr in ganz Europa empfindliche Strafen. Auch wer seine Kinder ohne Helm auf die Skipiste lässt, verstößt in den meisten Ländern gegen geltendes Recht.


Für Freerider gibt es solche Zwänge (noch) nicht. Dennoch gilt: Der Wunsch nach Outdoor-Freiheit und sportlichem Abenteuer setzt (Eigen)-Verantwortung voraus. Für Freerider bedeutet das: Ohne LVS, Schaufel und Sonde sind Skitouren und Abfahrten tabu. Zu einem zusätzlichen Lawinenrucksack und einer AvaLung kann man nur dringend raten.

Hier das aktuelle Einmaleins der Sicherheitsausrüstung für Freerider:

Das LVS, Lawinenverschüttetensuchgerät

Der „Lawinenpiepser“ dient dazu, Verschüttete über Signale zu orten. Das Gerät sendet und empfängt und ist damit unverzichtbar zum Retten und Gerettetwerden.

Der Umgang mit dem LVS muss intensiv geübt werden, um in der Gefahrensituation eine intuitive Nutzung zu ermöglichen. Kurse zu Lawinenschutz und Ausrüstung bieten unter anderem der Deutsche Skiverband, DSV, der Deutsche Alpenverein, DAV, und Hersteller wie Ortovox an.

Der LVS-Markt wird von fünf Herstellern dominiert, die jeweils mehrere Modelle anbieten: Pieps (DSP Pro, DSP Ice), Ortovox (S1+, Zoom+), Mammut (Barryvox Pulse, Barryvox Element), BCA (Tracer 3) und Arva (Axio).

Alle Modelle sind untereinander kompatibel, was eine Ortung unabhängig vom genutzten LVS garantiert. Das Gewicht der Geräte liegt bei 200 bis 250 Gramm. Die Preise für Top-Systeme schwanken zwischen 200 und 400 Euro.

Die Entwicklung des LVS ist in den vergangenen Jahren rasant vorangegangen. So werden heute meist Dreiantennengeräte mit Markierfunktion angeboten, die eine sehr schnelle und präzise Feinortung ermöglichen. Profi-Modelle verfügen über zahlreiche Sonderfunktionen, beispielsweise den Gruppencheck und die Messung der Hangneigung.

Das Axio von Arva ist beim ISPO AWARD 2016/2017 als Sieger der Kategorie Avalanche Safety hervorgegangen. Die drei Antennen des Gerätes arbeiten parallel und verbessern so die Lokalisierung der Vermissten. Gelobt wird auch die Bedienerfreundlichkeit.


Lawinenschaufel

Die Lawinenschaufel dient dazu, Lawinenopfer aus dem Schnee zu graben. Aufgrund der hohen Verdichtung des Materials bei Lawinen muss die Schaufel robust sein (z.B. aus Aluminium) und gut in der Hand liegen (Teleskopstiel mit rutschfestem T- oder D-Griff).

Beim Transport spielen zudem Packmaß und Gewicht eine Rolle, die möglichst gering sein sollten. Üblich ist eine Pack-Länge zwischen 40 und 70 cm bei einem Gewicht zwischen 300 und 1.000 g. Die Preise beginnen bei 20 und reichen bis circa 100 Euro. Führende Hersteller sind unter anderem Pieps, Arva, Mammut, Salewa und Black Diamond.


Lawinensonde

Die Lawinensonde wird benötigt, um die genaue Lage der Vermissten zu ermitteln, auch wenn kein LVS zur Verfügung steht. Die Sonde wird bei der Suche senkrecht in den Schnee gesteckt. So lässt sich auch die exakte Verschüttungstiefe ermitteln.

Lawinensonden werden meist aus Aluminium, Karbon oder Titan gefertigt, wobei mehrere Elemente (4 bis 8) zusammengesteckt werden. Bewährt haben sich „Kordel-Mechanismen“, bei denen die Segmente auf Zug automatisch ineinander gleiten und gespannt werden. Aufgrund der hohen Belastung der Kordelschnur kommen dabei Stahlkabel zum Einsatz.

Lesen Sie auch: Lawine – was tun? So verhalten Sie sich richtig in und bei einem Lawinenabgang >>>

Erhältlich sind auch Sonden mit Schraubverbindungen. Diese erfordern jedoch mehr Zeit beim Zusammenbau, gerade wenn die Hände kalt sind.

Entscheidend für den Kauf sind neben dem Material vor allem das Gewicht (circa 200 bis 350 g) die Verarbeitungsqualität (konisch zulaufende Rohrenden, sicheres Feststellsystem, gut lesbare Markierungsskala) und das Packmaß (rund 40 bis 60 cm). Als ideale Länge der Sonde im zusammengesteckten Zustand gelten Längen von 220 bis 280 cm.

Der Rohrdurchmesser der Sonde sollte trotz der gewünschten Gewichtseinsparung nicht zu gering sein, um die notwendige Steifigkeit zu erreichen. Führende Hersteller sind unter anderem Pieps, Arva, Camp, BCA, Mammut, Black Diamond oder Salewa.

Pieps hat mit iProbe II kürzlich eine elektronische Sonde vorgestellt, die Sucherfolge mit einem akustischen und optischen Signal bekannt gibt. Der Preis liegt bei circa 160 Euro. Mechanische Sonden kosten zwischen 30 und 100 Euro.


Der Lawinenrucksack

Der Lawinenrucksack erhöht die Chance, an der Oberfläche einer Lawine zu bleiben. Grundlage ist der sogenannte Paranuss-Effekt. Er besagt, dass beim Schütteln einer granularen Masse die größeren Teilchen oben landen. Auf eine Lawine übertragen bedeutet das: Gelingt es, das Volumen des Skifahrers oder Snowboarders mit dem Airbag signifikant zu erhöhen, sinkt zugleich die Gefahr, in der Lawine immer weiter nach unten zu geraten.

Schweizer Lawinenforscher vom SLF in Davos haben ermittelt, dass eine vollständige Verschüttung bei ausgelöstem Airbag in 97 Prozent aller Fälle verhindert werden kann.

Überlebenswichtig: Alles tun, um an der Oberfläche der Lawine zu bleiben (Quelle: Thinkstock)
Überlebenswichtig: Alles tun, um an der Oberfläche der Lawine zu bleiben
Bild: Thinkstock


Der Markt an Lawinenrucksäcken ist seit der Erstpräsentation eines voll funktionstüchtigen Systems durch die ABS Peter Aschauer GmbH auf der ISPO MUNICH 1985 immer breiter geworden. Mehr als das: Für Freerider zählt das ehemals belächelte Nischen-Produkt heute fast schon zur Standard-Ausrüstung.

Zahlreiche Systeme sind erhältlich, zum Beispiel das AVABAG-System (Ortovox), das Voltair-System (Arc’teryx), Reactor (Arva), JetForce (Black Diamond, POC, Pieps), Alpride (Scott, Millet, Vaude), P.A.S. (Mammut) und andere.

Die größten Unterschiede liegen im Gewicht, im Volumen, im Packmaß, im Tragesystem, in der Kompatibilität mit einem normalen Rucksack und im Preis. Hinzu kommen Unterschiede bei der Auslösung, die bei ABS zum Beispiel auch per Funk erfolgen kann, und bei den Kartuschen, die zunehmend aus Carbon gefertigt werden und mehrfach verwendbar sind.

Beim Kauf spielen zusätzlich folgende Fragen eine Rolle, die je nach Nutzung an Bedeutung gewinnen:

• Wie einfach sind Handling und Transport des Systems (auch auf Flugreisen)?
• Wie stark werden Kopf und Nacken bei einem Lawinenabgang geschützt?
• Können die Kartuschen wieder befüllt werden?

PRODUCT OF THE YEAR SKI: Ortovox — AVABAG (Quelle: Ortovox)
PRODUCT OF THE YEAR SKI: Ortovox — AVABAG
Bild: Ortovox


Der Avabag von Ortovox ist mit dem ISPO AWARD als „Product of the year 2016/17" in der Kategorie Ski ausgezeichnet worden. Mit 640 Gramm gilt er als derzeit leichtestes System am Markt.

Ebenfalls unter den Preisträgern in der Kategorie Avalanche Airbags: Der „Voltair“ von Arc`teryx, über den die Fachjury urteilt: „Ein großartiges Airbagsystem, das ohne Gaskartuschen auskommt und dem Skifahrer mehrfache Auslösungen ermöglicht.“

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Weitere Lawinen-Ausrüstung:


AvaLung

Das AvaLung-System sorgt dafür, dass der Verschüttete im Schnee länger mit Sauerstoff versorgt wird. Dieser wird über ein Ventil aus dem Schnee gefiltert. Voraussetzung ist allerdings, dass der Schnorchel (das Mundstück) beim Lawinenabgang rechtzeitig zum Mund geführt und nicht herausgeschleudert wird.

Das AvaLung-Element kann im Rucksack integriert oder in Form eines Schultergurts getragen werden. Zu den führenden Herstellern zählt Black Diamond. Die Kosten liegen zwischen 60 und 90 Euro.   

Avalanche Ball

Der Lawinenball ist mit einer Schnur am Rucksack befestigt und kann bei einem Lawinenabgang mechanisch ausgelöst werden. Bei Stillstand der Lawine befindet sich der in grellen Farben gehaltene Ball an der Oberfläche., Rettungskräfte können den Verschütteten so schnell orten und ausgraben. Kosten: rund 100 Euro.

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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