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 Ein Adidas-Schuh aus Ozeanmüll
Nachhaltigkeit | 06.06.2016

Ozean-Müll wird zum Sportschuh

Ein Adidas-Schuh aus Plastikmüll

Ein Adidas-Schuh aus Ozeanmüll. Angespülte Fischernetze sowie Plastikmüll aus dem Ozean werden von Adidas recycelt und zur Schuhproduktion genutzt. (Quelle: Adidas)
Angespülte Fischernetze sowie Plastikmüll aus dem Ozean werden von Adidas recycelt und zur Schuhproduktion genutzt.
Bild: Adidas
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Müll als Style-Objekt? Adidas macht’s möglich und will im Rahmen seines Programms zum Thema Nachhaltigkeit noch in diesem Jahr das Produkt in die Läden bringen. Die Zwischensohle wird im 3-D-Druck aus Meeresabfällen hergestellt.

Natürlich war es ein PR-Coup, als Adidas Ende vergangenen Jahres auf der Weltklimakonferenz in Paris seinen „Plastikmüll-Turnschuh“ präsentierte. Der Sport-Gigant aus Herzogenaurach meint es jedoch tatsächlich Ernst mit seinem neuen ökologischen Ansatz und will das unter Einsatz von Ozeanabfällen hergestellte Schuhwerk in den nächsten Monaten wirklich in die Läden bringen.

Marktstart für Müll-Schuhe und -Bekleidungsprodukte noch im Jahr 2016

„Den Schuh, den wir das erste Mal in Juni 2015 bei den Vereinten Nationen vorgestellt haben, war nur ein Prototyp. Seitdem haben wir daran gearbeitet, alte Treibnetze und Plastik aus dem Ozean in Fasern zu verwandeln, die man zur Herstellung eines Performance-Schuhs nutzen kann“, sagt Silvia Raccagni zu ISPO.com. Mit Erfolg, wie die Sprecherin von Adidas zum Thema Nachhaltigkeit bestätigt: „Zusammen mit unserem Partner Parley for the Oceans arbeiten wir an verbrauchsfertigen Palette von Schuhwerk, die wir im Verlauf des Jahres 2016 auf den Markt bringen werden.“ Obwohl die Priorität auf Schuhen liegt, wird zudem auch an Bekleidungsprodukten gearbeitet, „die in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 für Kunden verfügbar sein werden.“


Schick aussehen und etwas für die Umwelt tun

Man wird die spektakulären Treter und wohl auch T-Shirts tatsächlich bald kaufen können, mit denen man schick aussieht und gleichzeitig noch etwas für die Umwelt tun kann. Jährlich gelangen acht Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere. Mit fatalen Folgen für die Ökosysteme – schließlich dauert es Hunderte Jahre, ehe das Plastik natürlich abgebaut wird. Beim Abbauprozess entstehen giftige Chemikalien. Viele Meerestiere verwechseln das Plastik zudem mit Nahrung und verenden. Das gleiche schreckliche Schicksal droht, wenn Fische, Robben oder andere Meerestiere sich in den Resten von Fischernetzen verfangen.

3-D-Druck der Sohle aus Meeresplastik soll neue Branchenstandards setzen

Genau diese Materialien – angespülte Fischernetze meist aus illegaler Tiefseefischerei sowie Plastikmüll aus dem Ozean – werden von Adidas nun recycelt und zur Schuhproduktion genutzt. Die Oberfläche soll aus einer strickähnlichen Plastikstruktur bestehen, die Zwischensohle aus Meeresabfällen. „Die im 3D-Druck gefertigte Zwischensohle aus Meeresplastik ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir neue Branchenstandards setzen können, indem wir die Existenzberechtigung von allem hinterfragen, was wir kreieren“, sagte Adidas-Vorstandsmitglied Eric Liedtke bei der Vorstellung des Schuhs in Paris: „Wir wollen die gesamte Branche mit ins Boot holen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für globale Probleme zu finden.“

Der Adidas-Schuh wurde aus Plastikabfällen hergestellt (Quelle: Adidas)
Der Adidas-Schuh wurde aus Plastikabfällen hergestellt
Bild: Adidas

Nachhaltigkeits-Programm: Kein Plastiktüten mehr

Der Müll-Schuh ist dabei nicht die einzige Initiative des deutschen Sportartikel-Giganten. Passend dazu hat das Unternehmen auch den Einsatz von Mikroplastikteilchen in Körperpflege-Produkten eingestellt und verzichtet zudem seit diesem Jahr in seinen Geschäften auch auf Plastiktüten. Allein dadurch werden weltweit fast 30 Millionen Plastiktüten eingespart, die somit nicht in die Meere gelangen können. Damit die Nachhaltigkeits-Botschaft auch bei den Mitarbeitern ankommt, nahmen im November 2015 20 Adidas-Mitarbeiter an einem Programm der Meeresschutzorganisation Parley for the Oceans teil, an dem Küstenregionen von Plastikabfällen befreit wurden. Vielleicht wird bald ein Schuh draus…

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Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
ISPO JOB MARKET
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