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 Heilen durch Sport: der Beruf des Sporttherapeuten
Karriere | 12.02.2016

Berufsziel Sporttherapeut

Heilen durch Sport: der Beruf des Sporttherapeuten

Heilen durch Sport: der Beruf des Sporttherapeuten .  (Quelle: Thinkstock )
Selbst ist der Patient: Krafttraining als Sporttherapie
Bild: Thinkstock
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Die Schonzeit ist vorbei: Gesundheitsförderung und Prävention durch Impfen, Fitness und bewusste Ernährung heißen die neuen Allheilmittel der Krankenkassen. Mit Inkrafttreten des Präventionsgesetzes geben Kranken- und Pflegekassen ab 2016 jährlich mehr als 500 Millionen Euro allein für Gesundheitsförderung und Prävention aus. Von dieser nationalen Strategie wird auch die Branche der Sporttherapeuten profitieren. Die Berufsaussichten sind glänzend.


Die Erkenntnis, dass sich Krankheiten mit gezieltem Körpertraining lindern, heilen und auch vorbeugen lassen, hat sich in der Medizin seit etwa zwei Jahrzehnten durchgesetzt und in der Folge zum Berufsbild des Sporttherapeuten geführt. Statt sich zu schonen, müssen Herzkranke heute nach einer Bypass-OP ein bis zwei Jahre auf Krankenkassenkosten regelmäßig zum überwachten Laufkurs antreten, um die Heilung voranzutreiben und die Gesundheit zu stabilisieren. Auch Kraftsportausdauertraining und Muskelaufbau sind als Therapien inzwischen akzeptiert.

Bewegung bis ins hohe Alter

„Dass Sport für Herzpatienten gut ist, wissen wir schon länger. Aktuelle Studien legen aber nahe, dass hochintensives Training die besten Effekte erzielt“, sagt Martin Halle, Kardiologe und Sportmediziner der TU München im Focus-Interview und konstatiert: „Wir befinden uns inmitten eines Paradigmenwechsels“. Sport statt Medikamente, Sport statt Reha, Sport statt Pflege, Sport statt vorzeitiger Rente. Die starke Zunahme von Erkrankungen infolge von Bewegungsarmut und Übergewicht sowie das Altern der Gesellschaft verschafft der Sporttherapie immer mehr Arbeit und Bestätigung. Die Möglichkeiten für eine Karriere als Sporttherapeut sind vielfältig: von der Selbständigkeit mit eigener Praxis bis zur die Anstellungen in Kur- und Rehakliniken, Pflegeheimen, Kindertagesstätten und Behinderteneinrichtungen.

Berufsbild nicht geschützt

In nur vier Tagen zum Sporttherapeuten? Solche Kursangebote erinnern an das umstrittene Image der Heilpraktiker: Jeder darf sich nach einer schnellen Zusatzqualifizierung bei beliebigen Anbietern Heilpraktiker oder Sporttherapeut nennen, praktizieren, wie und was er will. Das Zertifikat als Sporttherapeut kann tatsächlich in einem Schnellkurs erworben werden, es kann aber auch ein Hochschulstudium dahinterstehen.

Zwei Universitäten in Deutschland - Potsdam und Freiburg - bieten Sporttherapie als Bachelor-Studium in sechs Semestern an, die Universität Gießen einen Masterstudiengang Sporttherapie in vier Semestern. Ob sich die intensivere Ausbildung bezahlt macht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für die Therapieaussichten dürfte es allerdings einen gewaltigen Unterschied machen, ob man das Fachgebiet jahrelang direkt studiert, ob ein Sportwissenschaftler oder Sportpädagoge mit einem Zusatzstudium auf Sporttherapie umsattelt oder sich ein Masseur im Fitnessstudio das im Schnellkurs erworbene Zertifikat „Sporttherapeut“ an die Wand hängt.


Der Unterschied zeigt sich spätestens, wenn sich der und der andere Sporttherapeut auf Stellenausschreibungen in renommierten Kliniken oder auf gut dotierte Sport Jobs in Unternehmen oder Institutionen bewirbt. Auch bei der Anerkennung von Sporttherapien durch die Krankenkassen wird genau auf die Qualifikation des Behandelnden geachtet.

Therapie durch Training

Sporttherapie im eigentlichen Sinn bedeutet nichts anderes, als eine vom Arzt verordnete Behandlung gesundheitlicher Beeinträchtigen mit geeigneten Mitteln des Sports. Am Anfang der Therapie stehen die Untersuchung des Patienten und die Analyse der Symptome, gefolgt von Diagnose und individuellen Behandlungsplänen. Die ausgewählten Übungen werden zunächst unter fachkundiger Anleitung des Sporttherapeuten absolviert, sind aber langfristig auch als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt.

Im ersten Schritt soll die Sporttherapie akute gesundheitliche Probleme lösen, im zweiten Schritt durch die Hinführung des Patienten zu aktiver Lebensführung Neuerkrankungen vorbeugen und vermeiden. Aktive Lebensführung beinhaltet, die erlernte sportliche Bewegung in den Alltag des Patienten – angepasst an seine konkrete Lebenssituation – zu überführen, oftmals in Verbindung mit einer Ernährungsumstellung. Um diese gesundheitsfördernde Verhaltensänderungen zu erzielen, braucht der Sporttherapeut außer praktischen und trainingswissenschaftlichen Erfahrungen mit den verschiedenen Sportarten grundlegende Kenntnisse der Anatomie, der Physiologie, der Biologie, der Biochemie sowie pädagogische und methodische Fähigkeiten zur Beratung und Behandlung der Patienten. Anders gesagt: Die Anforderungen an einen guten Sporttherapeuten sind hoch.

Sporttherapie hilft nicht nur bei körperlichen Problemen

Die Anwendungsmöglichkeiten von Sporttherapie sind äußerst vielfältig. Vergleichende Studien belegen, dass Sporttherapie bei vielen Krankheitsbildern genauso effektiv hilft, wie Medikamente oder eine Psychotherapie. Spezialisierungen sind möglich, unter anderem in Richtung orthopädische Sporttherapie, Gesundheitsverhalten, Sportphysiologie – also die Abläufe im Körper bei sportlicher Bewegung – bis hin zum Sporttherapeuten für Leistungssportler.

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ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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