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 Tipps und Tricks fürs Joggen im Winter
Running | 29.11.2015

Joggen im Winter

Lauftipps für die Kälte - das sagt Experte Volker Haußmann zum Sport bei Eis und Schnee

Tipps und Tricks fürs Joggen im Winter. Eine Frau joggt an einem kalten Wintertag (Quelle: pojoslaw/iStock/Thinkstock)
Jogging an kalten Wintertagen
Bild: pojoslaw/iStock/Thinkstock
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Sie dürfen ruhig ein bisschen frieren. Das sagt Running-Experte Volker Haußmann und gibt Tipps für das Laufen im Winter. Denn auch in der kalten Jahreszeit müssen Millionen Lauffans in der ganzen Welt nicht auf Bewegung verzichten.

Der Hardcore-Läufer lässt sich durch nichts von seiner Lieblingsbeschäftigung abbringen – egal wie eklig, kalt und windig es draußen ist, er ist auf der Strecke. Andere kostet es Überwindung, sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Laufschuhe anzuziehen. Und wieder andere überlegen, ob jetzt der perfekte Moment wäre, mit dem Joggen anzufangen.

Nichts für Jogging-Anfänger

Die Jogging-Anfänger sollten aber nicht bei Minustemperaturen einsteigen. „Laufen bei Kälte ist grundsätzlich nicht schädlich, man sollte aber die Lunge und die Organe darauf vorbereiten“, sagt Laufexperte Volker Haußmann.

Der deutsche Diplom-Sportwissenschaftler öffnete 2001 mit der „lauf_bar“ das erste Laufschuhfachgeschäft mit Laufanalyse in München. Er selbst läuft wegen der frischen Luft sogar lieber im Winter als im Sommer.

Haußmann empfiehlt den Neuläufern, schon im Herbst zu starten. Wenn es unbedingt der Winter sein muss, sollte man sich zunächst in Indoor-Anlagen bewegen. Beim Laufen in der eiskalten Luft kann man nämlich schnell die Lunge überfordern und krank werden. „Wenn man dann länger erkältet ist, war auch das ganze Laufen umsonst.“

Nicht zu warm anziehen

Zu warme Klamotten können beim Joggen ebenfalls zur Erkältung führen. „Es gibt eine Grundregel: Die ersten fünf Minuten darf man beim Laufen ruhig ein wenig frieren“, erklärt Haußmann. Danach ist der Körper ausreichend aufgeheizt.

Die Gefahr, wenn man mit zu viel und zu warmer Ausrüstung läuft: Es bildet sich ein Schweißfilm auf der Haut, der Jogger öffnet aufgrund der Wärme seine Jacke und die kalte Luft kühlt die nasse Haut aus. Auf der anderen Seite sollte es aber nicht zu sommerlich werden. „Die kurze Hose würde ich lieber im Schrank lassen.“

Achten sollte man laut Haußmann auch auf das richtige Schuhwerk. Um Jogging auf Matsch und Schnee zu betreiben, sollte man sich Modelle mit einem für glatte Untergründe geeignetem Profil zulegen. Sonst ist nicht nur die Rutschgefahr groß. Auch falsche Bewegungsabläufe können zur Gewohnheit werden und langfristig Verletzungen auftreten.

Portrait von Volker Haußmann (Quelle: Privat)
Volker Haußmann ist Diplom-Sportwissenschaftler und Mitbegründer der "lauf_bar"
Bild: Privat

Funktionskleidung ist wichtig

Ein Muss ist bei Running-Bekleidung auch Funktionsmaterial. Nur durch atmungsaktive Laufsachen kann Feuchtigkeit entweichen. Beim Anziehen empfiehlt der Experte das Schichtenprinzip. Je nachdem, ob man eher eine Frostbeule ist oder Grönland für ein Urlaubsziel hält, sollten es zwei bis drei sein.

Und: „Die Passform ist ganz wichtig“, so Haußmann. Ansonsten kann man schnell krank werden – ist zwischen den Schichten zu viel Luft, kühlt diese aus und der Körper wird nie warm. Viele Jogger tragen schlicht zu weite Klamotten.

Eine Kopfbedeckung sollte man bei klirrender Kälte in jedem Fall tragen. Auch hier sollte das Material aber dünn sein, weil viel Körperwärme über den Kopf abgegeben wird.

Für Sportler, die schnell an den Ohren frieren, gibt es inzwischen Laufmützen, die dort extra verstärkt sind. Handschuhe sind dagegen nicht so wichtig und lassen sich je nach Vorliebe anziehen oder nicht. Mehr als kalt können die Finger nicht werden und eine Erkältung droht dadurch nicht.

Langsamer Start, langsames Ende

Sportwissenschaftler Haußmann ist kein Verfechter der ausgedehnten Aufwärm-Gymnastik-Programme. Sein Tipp: Den ersten Kilometer locker und langsam laufen; hier und da Laufübungen wie Hopserlauf oder Armkreisen einbauen, um den Köper aufzuheizen.

Gleiches gilt für den Schluss: „Die letzten vier, fünf Minuten sollte man das Tempo rausnehmen“. Das ist gut für die Regeneration der Muskeln sowie das Herz-Kreislauf-System, das so runterfahren kann. Jogger, die die letzten 500 Meter im Sprint absolvieren, tun sich keinen Gefallen – unabhängig von der Jahreszeit.

Die Krux mit der Motivation

All die schönen Tipps helfen allerdings nur wenig, wenn es an der Motivation für die sportliche Betätigung fehlt. Volker Haußmann empfiehlt, sich bewusst zu machen, warum man laufen will. Joggen zur Gewichtsreduzierung hält er für das falsche Ziel.

„Da wird man schnell wieder faul, wenn die fünf Kilogramm erst mal runter sind.“ Gesundheit und Fitness sind die besseren Gründe, um sich langfristig zu motivieren. Aber Gewichtsverlust kann natürlich ein netter Nebeneffekt sein. Um die 750 Kalorien pro Stunde werden beim Joggen verbraucht, umgerechnet sind das eineinhalb Tafeln Schokolade.

Ansonsten hilft es, das Lauftraining fest in den Wochenplan zu integrieren und sich niedrige Ziele zu setzen – das ist besser für die Psyche. Ein Laufpartner macht ebenfalls Sinn, so kann man sich gegenseitig mitziehen.

Viele treibt es zudem an, wenn sie die passende Musik zum Joggen haben. Wieder andere begeistert der Technik-Aspekt: Mit Apps und Wearables kann ein Läufer seine Ergebnisse analysieren und einen digitalen Trainingsplan erstellen.  

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Jasper Ruppert (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Jasper Ruppert, Autor
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