Gunnar Jans ist Chefredakteur von ISPO.COM
Autor:
Gunnar Jans

Peter Aschauer verkauft Marktführer-Unternehmen an SPIN capital

Neuer Besitzer von ABS Lawinenairbag: Stefan Mohr hat auch Pläne fürs Sommer-Geschäft

Die SPIN capital, eine Münchner Beteiligungsgesellschaft, hat die ABS Peter Aschauer GmbH, Marktführer im Bereich Lawinenairbags, zu 100 Prozent übernommen. Stefan Mohr ist nun auch Geschäftsführer der ABS Protection GmbH. Bei ISPO.com spricht der Neffe des früheren Ski-Bundestrainers Heinz Mohr über seine Pläne und die wirtschaftliche Entwicklung, Vertrieb und Produktion. Und Stefan Mohr verrät, dass er mit ABS auch Ideen für den Sommer hat. „Wir wollen die Marke breiter aufstellen.“

Stefan Mohr, der neue Chef von ABS Protection, mit dem Lawinenrucksack P.RIDE.
Stefan Mohr, der neue Chef von ABS Protection, mit dem Lawinenrucksack P.RIDE.

SPIN capital ist im Sportbusiness zu Hause

Stefan Mohr stammt aus einer Wintersport-Familie. Geboren in Passau, aufgewachsen in Mittenwald, selbst ein exzellenter Skifahrer. Sein Onkel, Heinz Mohr, war Trainer der deutschen Ski-Nationalmannschaft, leitete über 20 Jahre das Bundesleistungszentrum Alpin in Garmisch-Partenkirchen und war Rennleiter bei der Ski-WM 2011 in Garmisch. Stefan Mohr ist mit den Neureuther-Mittermaiers und Wasmaiers per Du und kennt sich aus in der Szene. „Kann schon sein", sagt der Unternehmer, „dass mir das die ein oder andere Tür geöffnet hat“.

Womöglich auch die zu Peter Aschauer. Den Gründer von ABS Laweninenairbag, der sich in den vergangenen drei Jahrzehnten eine dominante Marktführerschaft aufgebaut hat, konnte Stefan Mohr, Geschäftsführer der Münchner Beteiligungsgesellschaft SPIN capital, davon überzeugen, im das Unternehmen zu 100 Prozent zu verkaufen.  „Sicherlich hat ihn auch überzeugt, dass wir mit der SPON capital ausschließlich im Sportbusiness tätig sind", sagt Stefan Mohr im Gespräch mit ISPO.com, „ich habe da mein Hobby zum Beruf gemacht". 

 



„Mir war es wichtig, einen neuen Eigentümer zu finden, der die erfolgreiche Geschichte des Lawinenairbags weiterführen wird.“ Das hat Peter Aschauer gesagt, als er seine GmbH an die SPIN capital veräußert hat, um sich im Alter von 74 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden. Bei Stefan Mohr wähnt er sein Erbe in guten Händen. Die SPIN capital beteiligt sich seit Jahren im Sportbusiness. Mit ABS hat Stefan Mohr große Pläne – die über das Wintergeschäft mit Lawinenairbags hinausgehen.

Stefan Mohr und Peter Aschauer
Stefan Mohr und Peter Aschauer

„Wir wollen ABS weiter vorantreiben. In Richtung Ganzjahres-Marke“

„Wir werden uns stärker an den Bedürfnissen der Kunden orientieren", sagte Stefan Mohr bei der Präsentation des neuen Lawinenairbags P.RIDE, "und zum Beispiel noch weiter an der Reduzierung des Gewichts arbeiten“. Doch dabei will es der neue Geschäftsführer des Traditionsunternehmens nicht belassen. „ABS ist eine so starke Marke“, sagt Stefan Mohr, „unter der sich noch viel mehr subsumieren lässt: andere Produktwelten, andere Sportarten.“ 

Auf Nachfrage von ISPO.com präzisiert Stefan Mohr: „Aus den Begriff Protection und Adventure, für die ABS steht, lässt sich noch mehr rausholen, nicht nur im Wintersport. Wir wollen die Marke weiter vorantreiben. In Richtung Ganzjahres-Marke. In Richtung Sommer.“ Noch sei es für einzelne Produkt-Ideen zu früh, aber klar ist, an was Mohr denkt: Bike, womöglich auch Wassersport, auf jeden Fall: Outdoor-Abenteuer im Sommer. Das Thema könne „erst in den nächsten Jahren umgesetzt werden", sagt Stefan Mohr. 

 

Neues Produktmanagement für ABS

Die Übernahme von ABS ist für ihn kein Kurzzeit-Invest, der Unternehmer hat langfristige Pläne: „Wir wollen Wachstumsgeschichten schreiben." Und das heißt womöglich: raus aus der Nische. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Peter Aschauer will Stefan Mohr sich nicht vom Winter, vom Klima und Unwägbarkeiten im Bereich der Lawinen-Sicherheit abhängig machen. „Wir werden uns breiter aufstellen", sagt er. Dafür will Stefan Mohr mit SPIN capital eine „kaufmännische Linie vorgeben“ – und auch das in die Jahre gekommene Produktmanagement von ABS neu besetzen. 

Stark wachsender Markt für Skitouren und Freerider

Stefan Mohr und die SPIN Capital haben große Pläne mit ABS. ISPO.com hat nachgehakt. Wie kam er überhaupt auf die Idee, ins Lawinenairbag-Geschäft einzusteigen?

Stefan Mohr über seine Motivation, die ABS Peter Aschauer GmbH zu 100 Prozent zu übernehmen:
„Grundsätzlich beteiligen wir uns an Unternehmen im Sport mit Wachstumspotenzial. Mit ABS erwerben wir ein Unternehmen, das sich als Marktführer positioniert hat und für hochwertige Produkte bekannt ist. Und obwohl die jüngere Geschichte des Unternehmens schwierig war, sehen wir darin sehr gute Voraussetzungen, in dem stark wachsenden Markt für Skitourengeher und Freerider erfolgreich zu sein.“

Über die künftige Zusammenarbeit mit dem ABS-Gründer: „Peter Aschauer stellt seine über Jahre gewachsenen Kontakte und sein Netzwerk weiterhin im Sinne der Firma zur Verfügung, gibt jedoch die operative Verantwortung ab.“

Über sein Interesse am Thema Lawinen-Airbags: „In meiner Familie war Wintersport schon immer ein Thema, wir sind leidenschaftliche Skifahrer. Schon früh habe ich mich mit dem Sport und auch seinen Begleiterscheinungen, wie Lawinen und Lawinensicherheit beschäftigt.“

 



„SPIN steht für SPorts INvestments“

Peter Aschauer war über 30 Jahre im Geschäft groß – welche Philosophie hat SPIN?

Stefan Mohr über die Marktposition der ABS-Airbags: „ABS steht für das Thema Lawinenairbags wie kein anderes Unternehmen und hat damit diesen Markt quasi erschaffen. Aktuell wurde mit dem P.RIDE ein Produkt mit der Partnerauslösung auf den Markt gebracht, in dem viel Potential steckt und das nun ausgereift ist. In den nächsten Jahren werden wir sicher unser Produktportfolio erweitern und uns noch mehr auf die Kundenbedürfnisse wie Gewichtsreduzierung einstellen.“

Wirtschaftlich war die Situation für ABS in der jüngeren Vergangenheit sicher nicht immer einfach. Aber wir sind ja auch angetreten, das zu verändern. Und wir wissen genau, wo wir ansetzen müssen. Wenn dazu noch etwas Wetterglück kommt, hat ABS eine gute Zukunft vor sich.“

Über SPIN Capital: „SPIN steht für SPorts INvestments. Wir haben schon einige Unternehmen im Sport zu wachstumsstarken Marken entwickelt. Dazu zählen Veranstaltungsserien, Sportswear-Marken aber auch Beteiligungen der Gesellschafter wie aim und sporttotal.“

Über die Unternehmens-Philosophie: „Die Übernahme von unternehmerischer Verantwortung gehört zur Philosophie von SPIN. Wir sind kein reiner Finanzinvestor. Im Falle von ABS werde ich aufgrund meiner Erfahrung die Geschäftsführung übernehmen. Auf diese Aufgabe freue ich mich sehr.“

ABS wird weiter in Gottfrieding produzieren

Und was ändert sich für die Belegschaft? Welche Herausforderungen sieht Stefan Mohr? 

Stefan Mohr über die Pläne mit ABS, insbesondere die Standortfrage: „Kontinuität ist uns speziell bei einem technologischen Produkt wie im Falle ABS sehr wichtig. Deshalb werden wir weiterhin in Gottfrieding in Niederbayern produzieren. Wir sehen darin einen entscheidenden Vorteil gegenüber Mitbewerbern. Made in Germany ist und bleibt ein Qualitätssiegel für unsere Produkte.“

Über die Vertriebsstrukturen: „In der Saison 2017/2018 liegt unser vertrieblicher Schwerpunkt in D-A-CH sowie Frankreich, Italien und Kanada. In diesen Ländern werden wir die Partnerschaften im Fachhandel verstärken. Zudem sind Organisationen wie Bergwacht, Alpinpolizei, etc, wichtige Kunden für uns. Ab der Saison 2018/2019 können wir uns eine Ausweitung in viele Richtungen vorstellen."

Über Pläne und Herausforderungen: „Mit dem neuen P.RIDE Compact werden wir ein Top-Produkt vorstellen, das in Bezug auf Passform und Handhabung weiter verbessert wurde und dem Wettbewerb voraus ist. Auch weitere Neuheiten sind schon in der Umsetzung. Wir werden auch weiter verstärkt auf Kooperationen mit Athleten wie Eva Walkner, Matthias Haunholder oder Xavier de le Rue setzen, die Vorbilder für unsere Zielgruppe sind und somit unsere Botschaft authentisch verbreiten können. Die wesentliche Herausforderung für ABS war, ist und wird es immer sein, den Endkunden davon zu überzeugen, dass wir das beste Produkt in einer Situation für ihn haben, die sein Leben gefährden kann.

 

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