Ute Watzl
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Ute Watzl

Tourengehen: Kooperation von DAV, Ortovox und Dynafit trägt Früchte

Wie Lehrpfade Skitouren noch populärer und sicherer machen

Skitouren sind im Trend. Doch vielen Tourengehern fehlt wichtiges Know-how. Zudem ächzen Pisten und Umwelt unter der Belastung. Ein Gemeinschaftsprojekt des DAV und der Industrie verschafft mit Lehrpfaden für Skitouren Abhilfe – mit Erfolg.

Lehrpfade erleichtern den Start für Skitour-Anfänger.
Lehrpfade erleichtern den Start für Skitour-Anfänger.

Auf Ski durch unberührte Winterlandschaften steigen, die Stille genießen, die nur von einer dicken weißen Schneedecke ausgeht, dem Pistentrubel den Rücken kehren und im unverspurten Powder seine Spuren hinterlassen – das Skitourengehen hat sich zu einem veritablen Trend ausgewachsen. Die Zahl der Tourengeher, die sich im freien Gelände bewegen, wächst seit rund zehn Jahren stetig. Und mit ihr die Zahl der Skitourenlehrpfade.

Jedes Jahr entstehen neue Skirouten dieser Art, initiiert von Tourismusverbänden oder Skiliftbetreibern. „Allein in den Bayerischen Alpen gibt es mittlerweile zehn Skitourenlehrpfade“, sagt Manfred Scheuermann. Er arbeitet im Ressort Naturschutz und Kartografie beim Deutschen Alpenverein, der etwa die Hälfte dieser Skitourenlehrpfade inhaltlich und finanziell unterstützt hat.

Schautafeln vermitteln Basiswissen

Der neueste Skitourenlehrpfad entstand im österreichischen Heutal, ein kleines Skigebiet, auf dessen Pisten viele Tourengeher zum Dürrnbachhorn aufsteigen. Damit das geordnet abläuft und keine gefährlichen Konfrontationen mit Pistenskifahrern entstehen, gibt der Skitourenlehrpfad, eine Kooperation zwischen Deutschen und Österreichischen Alpenverein und der Firma Ortovox, nun die Route vor.

Er umgeht empfindliche Wildruhezonen und kanalisiert das Tourengeschehen. Dazu wird die Route von Schautafeln flankiert, die dem Tourengeher wichtiges Basiswissen en passant vermittelt.

Eine Beispieltafel vom Tourenlehrpfad Rofan
Eine Beispieltafel vom Tourenlehrpfad Rofan

Skitourenlehrpfade von Dynafit, Ortovox und K2

Die Kosten für die Einrichtung eines solchen Skitourenlehrpfads schätzt Scheuermann auf 10.000 bis 20.000 Euro. Dynafit nennt eine Summe von 5000 bis 10.000 Euro. Realisiert und finanziert werden sie deswegen in Allianz mit Bergsportschulen, dem Alpenverein, Sport-Einzelhändlern wie Sport Conrad oder Sportscheck sowie Herstellern aus dem Skitourenbereich, im Speziellen Dynafit, Ortovox und K2.

„Als Marke einer Nischensportart sind uns Anfänger sehr wichtig“, sagt Michael Költringer, Marketing Manager bei Dynafit. „Wir haben großes Interesse Beginner vom ersten Tag an zu begleiten und wenn möglich mit unseren Produkten zu begeistern.“

Es eigneten sich alle Regionen, in denen es zu einem immer größer werdenden Aufkommen von Skitourengehern komme, fügt Költringer hinzu: „Der Trend, die Skipiste und damit einen gesicherten Raum zu nutzen, zeigt sich in den unzähligen Abendskitouren, die täglich von tausenden Skibergsteigern im Alpenraum bevölkert werden.“ 

Lehrpfade kanalisieren und schulen Tourengeher

Scheuermann verweist auf Zählungen in Skigebieten: Im Roßfeld bei Berchtesgaden seien am Dreikönigstag letztes Jahr 3000 Tourengeher gezählt worden – gegenüber gerade einmal 300 Pistenfahrern. In Garmisch stiegen 25.000 bis 30.000 Personen pro Saison im Skigebiet auf. „Die Skitourenlehrpfade sollen beitragen, Tourengeher an den Rand oder in Bereiche außerhalb der Piste zu lenken. Und sie bündeln den Tourenbetrieb zu Gunsten der Wildtiere.“

Besonders Skitoureneinsteiger, denen die Kenntnisse für die richtige Routenwahl im Gelände fehlen, sind auf Skitourenlehrpfaden bestens aufgehoben. Von einfachen, gekennzeichneten Skirouten unterscheiden sich die Lehrpfade aber durch ihren Anspruch, den Tourengeher anzuleiten und ihm Wissen zu vermitteln.

Häufig starten sie mit einem LVS-Checkpoint, um die Funktion des Lawinenverschüttensuchgeräts (LVS) zu testen. Ist das Gerät auf „Senden“ geschaltet, bekommt der Tourengeher grünes Licht. Danach passiert die Route verschiedene Schautafeln, die notwendige Informationen zu Natur-und Umweltschutz, diversen Lawinenfaktoren, Notfallausrüstung und Aufstiegsverhalten vermitteln.

Häufiger inhaltlicher Aufbau eines Skitourenlehrpfads

  • Häufig: LVS-Checkpoint
  • Schautafeln zu Natur- und Umweltschutz
  • Basiswissen Lawinenkunde
  • Bestimmung der Hangsteilheit mit Snowcard oder Skistock
  • Gebrauch der Notfallausrüstung
  • Lawinenfaktoren Gelände, Wetter, Mensch
  • Schneebeschaffenheit
  • Verhalten bei Aufstieg und Abfahrt

Neuartiger Ortovox-Skitourenlehrpfad im Rofan

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt der neue Ortovox Skitourenlehrpfad im Rofan. Im Unterschied zu den meisten bayerischen Skitourenlehrpfaden verläuft dieser schneesicher zwischen 1800 und 2000 Metern komplett im Gelände an der beliebten Skitourenroute zur Rofanspitze.

Es war die Idee des Ortovox-Bergführers Thomas Nothdurfter, in diesem auch bei Lawinenwarnstufe 3 gefahrlos begehbaren Gelände Schautafeln aufzustellen, anhand derer Bergführer bei Schulungen und LVS-Kursen ihre Lehrinhalte veranschaulichen können.

Das Besondere am Ortovox-Lehrpfad beschreibt Nothdurfter so: „Wenn die Schautafel Wechten zeigt, dann sind diese im Hintergrund auch zu sehen. Bei Windverfrachtungen genauso. Und ist von Hangsteilheit die Rede, kann man sie im Gelände auch vergleichen.“ Auch ohne Bergführer ist der Lehrpfad für jeden leicht und gefahrlos zu begehen.

Während die Firma Ortovox die Inhalte, Grafiken und das Know-how lieferte, beteiligte sich Achensee Tourismus mit 15.000 Euro an der Umsetzung des Projekts. Wie in anderen Regionen auch erweitern solche Skitourenlehrpfade auch das touristische Angebot für nachhaltigen Wintertourismus.

Sponsoren als kompetente Partner

„Natürlich reicht dieses Wissen für Einsteiger nicht aus, um damit selbstständig ins freie Tourengelände zu wechseln“, sagt Scheuermann vom DAV. „Dazu braucht es eine umfassende Ausbildung.“ Aber auch erfahrenere Tourengeher könnten ihre Kenntnisse auf einem solchen Skitourenlehrpfad relativ schnell auffrischen.

Auf Skitourenlehrpfaden in Skigebieten sollten sich Tourengeher aber nicht automatisch und zu jeder Zeit sicher fühlen. Zwar verlaufen diese häufig im oder nahe dem Pistenbereich. Lawinensicher ist ein Skigebiet aber nur dann, wenn es geöffnet ist.

Unterm Strich kommt jeder auf seine Kosten, der an einem Skitourenlehrpfad beteiligt ist: Der Alpenverein schützt die Wildruhezonen, der Skiliftbetreiber sorgt für sicherere Pisten, der Tourismusverband hat ein neues Produkt, mit dem er eine große neue Zielgruppe lockt und der als Sponsor auftretende Hersteller oder Einzelhändler präsentiert sich dieser Zielgruppe als kompetenter Partner.

Bleibt nur ein Nachteil: Im Sommer stören die großen Schautafeln im Gelände das Landschaftsbild. Thomas Nothdurfter von Ortovox kennt schon die Lösung: „Im Sommer bekommen sie grüne Hussen übergezogen. Mittelfristig werden daraus auch Schautafeln für einen Naturlehrpfad.“

Skitourenlehrpfade in Deutschland:

  • Tegelberg (Allgäu) 
  • Kolbensattel (Ammergauer Alpen)
  • Kranzberg (Mittenwald)
  • Brauneck (Lenggries)
  • Blomberg (Bad Tölz)
  • Spitzingsee (Skitouren-Portal)
  • Unternberg (Ruhpolding)
  • Obersalzberg (Berchtesgaden)

Skitourenlehrpfade in Österreich

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