Claudia Klingelhöfer
Autor:
Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)

Rückblick auf die ISPO Shanghai 2018: Großes Interesse an Sportbusiness in China

Chinesischer Sportmarkt zeigt die Zukunft des E-Commerce

Das Interesse am wachsenden chinesischen Sportmarkt ist groß. Das haben viele internationale Aussteller und Besucher auf der ISPO Shanghai (5.7.-7.7.2018) gezeigt. Trendthema Nummer 1: Der E-Commerce-Markt. Dazu passte der Erfolg des Live Broadcastings der ISPO und Tmall Fashion Show. Ebenfalls in diesem Messe-Rückblick: Ausstellerstimmen und 5 zentrale Erkenntnisse zum chinesischen Sportmarkt.

ISPO Shanghai 2018: Großes Interesse an Chinas Sportbusiness
ISPO Shanghai 2018: Großes Interesse an Chinas Sportbusiness

Tmall Fashionshow zeigt neueste Sport-Kollektionen

Die Models der ISPO und Tmall Fashionshow konnten sich auf der ISPO Shanghai über Zuschauerinteresse nicht beklagen. Zwei Tage lang zeigten chinesische und internationale Brands wie Fjällräven, Peak Performance, Phenix oder Lafuma ihre neuesten Kollektionen.

Doch nicht nur in der Messehalle war der Zuspruch groß, sondern auch online: Insgesamt rund 340.000 Zuschauer verfolgten auf der chinesischen Shoppingplattform Tmall die Modenschau. Die Kleidung der Models konnte mit einem Klick im ISPO Tmall Shop direkt gekauft werden.

Schalke 04 präsentiert Auswärtstrikot

Ein weiteres innovatives Beispiel für die Weiterentwicklung des E-Commerce und die immer nahtlosere Verbindung von Online und Offline: die Trikot-Präsentation von Schalke 04.

Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (l., mit Mikrofon) stellt das Schalker Trikot vor.
Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (l., mit Mikrofon) stellt das Schalker Trikot vor.

Der Fußballklub verband seine zehntägige Chinatour mit einem Besuch auf der ISPO Shanghai und stellte dort sein neues Auswärtstrikot vor. Tmall übertrug die Show im Schalke-Onlineshop und die Fans hatten erstmalig die Gelegenheit, dort das neue Trikot zu kaufen.

Onlinegeschäft in China elementar wichtig

Bei ihren Gesprächen auf der Messe war auch für viele der 526 Aussteller E-Commerce und insbesondere Tmall ein wichtiges Thema. Die Plattform des Technologie-Giganten Alibaba hat im Online-Sporthandel einen Marktanteil von 57 % (größter Konkurrent ist JD.com mit 27 %).

„Es war sehr wertvoll für uns, dass wir auf der Messe mit Mitarbeitern von Tmall reden konnten“, sagt die Gründerin der Athleisure-Marke LNDR Sarah Donnelly.

„Wir wussten natürlich, dass das Onlinegeschäft in China sehr wichtig ist, aber nicht, wie elementar dieser Verkaufskanal für uns wirklich werden wird.“ Das habe ihnen erst die Gespräche auf der ISPO Shanghai gezeigt, sagt die LNDR-CEO.

„China ist uns im Online-Geschäft etwa zwei Jahre voraus“

Der Managing Director China & Asia Pacific bei Intersport und Redner auf der ISPO Shanghai, Robin Trebbe, ist überzeugt, dass „China uns im Online-Geschäft etwa zwei Jahre voraus ist.“ Hier spreche beispielsweise keiner mehr von Click & Collect.

Das sei sowieso selbstverständlich. Auch für die Frauenfitness-Marke Lorna Jane ist in China der Online-Verkauf zentral. Der weltweite Online-Umsatz liegt bei Lorna Jane bei rund einem Viertel. „In China ist das aber wesentlich mehr“, sagt Global Sales Director David Brown, wieviel genau, will er lieber nicht sagen.

Neben Tmall verkauft Lorna Jane in China unter anderem beim Fitnessspezialisten reshape. Auf der ISPO Shanghai konnte Brown mit dem Gründer der Online-Plattform über die Geschäfte für das kommende Jahr reden: „Ich habe hier so viele wichtige Leute in so kurzer Zeit getroffen“, sagt Brown, „und mit allen konnte ich 1-zu-1-Gespräche führen.“ Für ihn sei das sehr wichtig gewesen, fasst der Verkaufschef sein persönliches Messefazit zusammen.

Geschäftserfolg in China verlangt nach guten Distributoren

Gute Distributoren sind für ausländische Hersteller für den Geschäftserfolg in China zentral. Daher war es auf der Messe für viele Aussteller wie LNDR, Ayris oder Gola active das wichtigste Ziel Distributoren zu finden.

Die Sportschuhmarke Gola plant seit einigen Jahren sorgfältig den Markteintritt in China.  „Jetzt geht es um Qualität, nicht Quantität beim Kontaktaufbau“, sagt Brand Manager Wayne Howarth. Auf der Messe habe man viele Distributoren mit guter Struktur getroffen: „Mit diesen planen wir weitere Meetings per Videokonferenz“.

Auch Adidas, Nike und Schöffel auf der Messe

Neben chinesischen und weiteren asiatischen Distributoren waren unter den
Besuchern der Messe auch viele Vertreter von internationalen Brands, wie Adidas, Nike, Umbro International oder Schöffel. Sie suchten unter anderem nach Produktinnovationen und Start-ups mit kreativen Ideen.

Viele der Marken, die noch nicht auf dem chinesischen Markt sind, nutzten zudem das Matchmaking-Programm: ISPO organisierte Treffen zwischen Marken und Distributoren bzw. Händlern.

Im Trend: Athleisure-Produkte mit hohem Lifestyle-Faktor

6 Foren zu den Themen Women, Kids, Water Sports, Textrends, Digitize und
Running füllten drei Tage lang das gut besuchte Vortragsprogramm. Renommierte Redner unter anderem von Under Armour, Tmall, Ebay, Nike oder Intersport als auch die Erfahrungen der Aussteller machten deutlich:

1. Eine steigende Anzahl der Chinesen legt Wert auf Performance. 
Hochwertige Produkte, sei es beispielsweise für das Fitness- oder Lauftraining, werden verstärkt nachgefragt. Gerade Produkte aus Europa mit hoher Qualität und gutem Markenimage können hier profitieren.

2. Chinesen, insbesondere Konsumentinnen, lieben den Crossover aus schicken und funktioneller Sportmode.
Athleisure-Produkte mit hohem Lifestyle-Faktor werden immer stärker nachgefragt. Diese Kollektionen sind noch weitgehend neu für den chinesischen Markt. Dazu gehört beispielsweise multifunktionelle Kleidung, die sich im Büro aber auch beim Fitness-Workout tragen lässt. Anspruchsvolle Kunden schätzen hier auch den Einsatz von sehr technischen und hochfunktionellen Stoffen, beispielsweise mit 4-Wege-Stretch.

3. Im Running-Segment lassen sich noch gezielt Marktanteile abgreifen. Denn die Zahl der Läufer in China wird weiter zunehmen. Der Markt, insbesondere in Monobrand-Stores, liefert Neue Technologien wie Footscan oder Trainingshilfen und Apps entwickeln das Spektrum an Umsatzmöglichkeiten weiter. Auch in China wird Trailrunning immer beliebter und spricht neue Zielgruppen an.

Das Potential des wachsenden Sportmarktes in China ist noch lange nicht ausgeschöpft: Die Zahl der Frauen und Kinder, die Sport treiben, steigt stetig.
Das Potential des wachsenden Sportmarktes in China ist noch lange nicht ausgeschöpft: Die Zahl der Frauen und Kinder, die Sport treiben, steigt stetig.

4. Das Potential des wachsenden Sportmarktes in China ist noch lange nicht ausgeschöpft. Insbesondere die Zahl der Frauen und Kinder, die Sport treiben, steigt. Für Hersteller bietet sich die Chance, ganz neue Zielgruppen zu erreichen. Dies zeigte auch der Erfolg des Kids Triathlon, der im Rahmen der ISPO Shanghai stattfand.

ISPO ist in China mit zwei Messen vertreten. Die Nächste findet vom 16.1. –19.1.2019 in Beijing statt.

Claudia Klingelhöfer
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Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)
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