Joscha Thieringer
Autor:
Joscha Thieringer

So gehen Adidas, Zalando, Ochsner Sports & Co. mit der Generation Z um

Wie Adidas und ISPO in die digitale Zukunft blicken

Alles, was digital werden kann, wird digital werden – das ist eine der Visionen von Adidas. Die Sportbranche ist im Wandel. Was das bedeutet, wurde auf der ISPO Munich 2017 beim Symposium über „die Macht der Innovation und die Digitalisierung der Industrie und des Handels“ von Adidas, ISPO, Zalando und Ochsner Sport thematisiert.

„Man muss aufeinander zugehen“, sagte Klaus Dittrich, „die jungen Neuen müssen das klassische Geschäft lernen, und die klassischen Unternehmen müssen sich öffnen für die Ideen und Innovationen der Neuen.“

Damit erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe München GmbH treffend, welcher Impulse es in dieser Zeit des Wandels bedarf – und kündigte damit nebenbei die weiteren Keynote-Speaker an.

Denn so verschieden Roland Auschel (Vorstandsmitglied von Adidas), David Schneider (Mitgründer von Zalando) und Frank Geisler (Chef von Ochsner Sport) auf den ersten Blick wirken, im Kern stimmen sie in ihren Einschätzungen der aktuellen Situation überein.

„Altbackenes hat keine Chance mehr. Und ganz ehrlich: Das ist auch gut so“, sagte Auschel auf dem Symposium zur Digitalisierung am Rande der ISPO Munich.

 

 

Adidas ist Trends auf der Spur

Adidas ist groß, Adidas denkt noch größer. „Mit unserem E-Commerce-Service sind wir schon sehr nah dran am Kunden“, sagte Auschel. „Entscheidend ist aber, dass wir durch die digitale Vernetzung auch die kleinsten Veränderungen in unserer Zielgruppe sofort bemerken und darauf reagieren können.“

Soll heißen: Wenn sich ein neuer Trend in der Generation Z der nach 1998 Geborenen entwickelt, will es Adidas sofort spüren – und als Erster reagieren. „Unsere Kernzielgruppe ist 14 bis 19 Jahre alt. Sie erneuert sich alle fünf bis zehn Jahre“, sagte Auschel. „Wir müssen überall dort sein, wo sie sind und wo sie kommunizieren.“

ISPO ist 365 Tage im Jahr

Das passiert in der heutigen Zeit vor allem in der digitalen Welt, in den sozialen Netzwerken. Aber nicht nur. „Die persönliche Begegnung ist nicht out“, ist Messe-Chef Klaus Dittrich überzeugt. Ein Blick in die Hallen der ISPO Munich 2017 bestätige dies.

„Aber ISPO ist nicht nur vier Tage im Jahr“, betonte Dittrich, „mit unseren digitalen Produkten sind wir es 365 Tage, 24 Stunden, rund um den Globus. ISPO hat die besten Voraussetzungen, um die kompletten Produktzyklen zu begleiten.“

 

Die ISPO Business Solutions auf einen Blick.
Die ISPO Business Solutions auf einen Blick.

Wie Zalando zum Messe-Veranstalter wurde

Eine Messe ist längst nicht mehr nur eine Messe; ein Sportartikel-Hersteller nicht mehr nur Sportartikel-Hersteller; ein Retailer nicht mehr nur ein Retailer. Und sogar Online-Händler sind nicht mehr nur Online-Händler.

Bestes Beispiel: Zalando. Der Online-Shopping-Riese stellt sich breiter auf und hat sich als Veranstalter von „Bread and Butter“ in Berlin sogar ins Messe-Geschäft gewagt. „Das macht mir Hoffnung“, scherzte Klaus Dittrich.

David Schneider, Mitbegründer von Zalando, erklärte das Konzept: „Wir werden nicht gewinnen, wenn wir uns nur darauf ausruhen, was wir aufgebaut haben.“ Aus dem Mode-Start-up Zalando ist binnen neun Jahren eine riesige Firma mit 12.000 Mitarbeitern und über fünf Millionen Kunden geworden.

 

Messe-Chef Klaus Dittrich freut sich über die Rückkehr von Adidas auf die ISPO MUNICH.
Messe-Chef Klaus Dittrich freut sich über die Rückkehr von Adidas auf die ISPO MUNICH.

Das Leben sei aber dadurch keinesfalls leichter geworden: „Wir haben anfangs einige Regeln gebrochen. Als Outsider konnten wir ganz anders an die Dinge rangehen“, sagte Schneider. „Es ist viel einfacher, wenn man nichts zu verlieren hat. Mittlerweile haben wir durchaus etwas zu verlieren.“

Ochsner Sport als moderner Händler

Verlieren ist Frank Geisler nicht fremd, schließlich sei er Schalke-Fan, scherzte der Chef des größten Omni-Channel-Retailer der Schweiz. Mit Ochsner Sport geht es hingegen steil bergauf: 400 Millionen Euro Umsatz, 100 Filialen, davon mittlerweile auch zwölf in Deutschland.

Er habe schon viele Diskussionen mit Filialleitern geführt, die meinten, Online sei der Tod des stationären Handels. „Aber das ist Quatsch!“, sagt Geisler entschieden. „Ob die Kunden in unseren Läden oder in unserem Online-Shop kaufen, ist mir egal – Hauptsache, sie kaufen bei uns!“

 

Frank Geisler erklärt, dass Ochsner Sport den Online-Handel keineswegs als Gegner begreift: „Hauptsache, der Kunde kauft bei uns.“
Frank Geisler erklärt, dass Ochsner Sport den Online-Handel keineswegs als Gegner begreift: „Hauptsache, der Kunde kauft bei uns.“

Auch die Sportindustrie bekam in seiner unterhaltsamen Keynote einen kleinen Seitenhieb. „Die Innovationskraft hat im Vergleich zu früher nachgelassen“, findet Geisler. „Lawinen-Airbags sind schön und gut. Aber ich brauche neue Produkte, die ich nicht 2000 Mal, sondern 200.000 Mal verkaufen kann.“

„Branche lebt von Leidenschaft für Sport“

Einig waren sich die Keynote-Sprecher vor allem in einem: „Wenn wir mutig die Chancen der Digitalisierung ergreifen, wird der Markt beflügelt“ – so formulierte es Messe-Chef Klaus Dittrich. Er freue sich sehr, dass Adidas nach elf Jahren zurück auf der ISPO sei, sagte er.

Roland Auschel gab den Dank zurück: „ISPO kann eine unglaublich gute Plattform für die Sportindustrie sein“, sagte das Adidas-Vorstandsmitglied. „Diese Branche lebt von der Leidenschaft für den Sport – und darauf müssen wir aufbauen. Das ist das Entscheidende.“

Nach den Keynotes nahmen Klaus Dittrich, Kim Roether (Intersport), Winand Krawinkel (Adidas AG), Andreas Rudolf (Sport 2000 GmbH), Ron Berger (Outfitter GmbH) und Fabian Engelhorn (Engelhorn KGaA) das Thema in einer Podiumsdiskussion nochmals auf.

 

Carlo Ancelotti (r.) stellt sich entspannt den Fragen auf der ISPO MUNICH.
Carlo Ancelotti (r.) stellt sich entspannt den Fragen auf der ISPO MUNICH.

Überraschungsbesuch von Carlo Ancelotti

Ebenfalls – unangekündigter – Gast auf der Veranstaltung war Carlo Ancelotti, Trainer des FC Bayern München, der wiederum einer der weltweit größten und strahlkräftigsten Partner von Adidas ist.

Am Tag vor DFB-Pokal-Achtelfinale nahm sich der Italiener Zeit, um auf der Bühne gut gelaunt Fragen zu beantworten. Zum Thema Digitalisierung gestand er: „Ich bin da eher zurückhaltend." Nachrichten über seine Arbeit als Trainer im Internet zu lesen sei eher nichts für ihn, weil man sich sonst nur ärgere, scherzte Ancelotti. 

 

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