7

7 Days, 7 Good News: Eine Fußballerin mit Doktortitel, Nachhilfe in Judo-Wertungen und eine klimaneutrale Kletter-Kollektion

LISTICLE | 16.06.2021
7 jours, 7 bonnes nouvelles : une victoire héroïque au Tour-de-France, un lavage de tête pour les ignorants du bonnet de bain et un club de football qui prend position contre le racisme.
Autor:
Antonia Wille

Wir finden: Hin und wieder braucht es gute News. Vor allem aus dem Sport. In unseren Good News von ISPO servieren wir dir jede Woche sieben Nachrichten, die unser – und hoffentlich auch dein – Sportlerherz höherschlagen lassen. Weil die News Spaß machen. Zukunftsweisend sind. Weil sie neue Tendenzen zeigen. Weil sie eine Prise Absurdität in einer viel zu ernsten Welt streuen. Oder weil sie einfach nur Freude bringen. Hauptsache gute Laune, das ist unser Motto in diesem News-Format. Und wir legen auch gleich los. Mit einer Fußballerin mit Doktortitel, endlich wieder Nachhilfe in Judo-Wertungen und einer Kletter-Kollektion, die klimaneutral ist. Dazu ein Basketballstar, für den die Gesundheit zum Wichtigsten wurde.

1

Transgender sein? „Das ist keine Wahl“

Bei Olympia in Tokio wird vermutlich auch über Transgender diskutiert. Denn Neuseeland schickt mit der Gewichtheberin Laurel Hubbard die erste offen lebende Transfrau zu Olympischen Spielen. Schon im Vorfeld ihrer Nominierung muss Hubbard sich verbissenen Diskussionen über ihre vermeintlichen Vorteile stellen, weil sie aus ihrer Zeit als Mann noch mehr Kraft im Körper haben soll. Wie wohltuend ist dagegen, dass das Thema Transgender im Sport auch frei von Ideologie besprochen werden kann. In der Dokumentation „Changing the Game“ macht Filmemacher Michael Barnett nämlich etwas, das sich von der Verbissenheit des Wettkampfgedankens löst – er zeigt die Menschen. „Transgender zu sein ist keine Wahl“, sagt dort die jugendliche Skifahrerin Sarah Rose Huckmann. „Von Anfang an wusste ich, dass ich ein Mädchen bin.“ Drei Sportler zeigt der Film, alle drei verbindet, dass ihre Geschlechtsidentität vieles in ihrem Leben verkompliziert. Huckmann, die im Nordisch Ski unterwegs ist, verbindet auch etwas mit der möglichen Olympia-Gewichtheberin Laurel Hubbard: Nämlich die nagende Sorge, dass der sportliche Erfolg wegen des ursprünglich männlichen Geschlechts angezweifelt wird.

Unsere gute Nachricht – es ist gut, dass eine Sarah Rose Huckmann mit dem Dokumentarfilm diese Frage aus der Sicht ihrer persönlichen Sorgen thematisiert, weit jenseits einer sportpolitischen Debatte. Denn Gewichtheberin Hubbard hat längst aufgegeben, diese Diskussion noch offen zu führen. Sie gibt keine Interviews mehr.

2

Frau Doktor Knaak schießt für Deutschland Tore

Es ist keine Promotion im Doppelpass, aber doch ein echter Doktortitel einer Fußballspielerin: Nationalspielerin Turid Knaak hat parallel zu ihrer Karriere auf dem grünen Rasen am Schreibtisch ihre Zweitkarriere forciert. Knaak legte an der Universität Köln eine Doktorarbeit im Fach Sonderschulpädagogik ab.

Nicht nur ihr Doktorvater Matthias Grünke findet das extrem beachtlich. „Sie zieht das durch“, sagte Grünke der „Sportschau“. Dabei habe sich die 30-Jährige auf zwei Feldern behauptet, die von einem enormen Konkurrenzdenken geprägt sind – dem Fußballplatz und der Wissenschaft. „Ich bin natürlich stolz darauf, dass ich das so geschafft habe, beides zu stemmen“, sagt die in der spanischen Primera Division für Atlético Madrid stürmende gebürtige Essenerin.

Wir hätten aber noch einen Vorschlag. Denn Turid will sich ihren „Dr.“ nicht auf das Trikot beflocken lassen. Wir aber finden: Unbedingt! Welch‘ einmaligen Dialoge mit dem Schiedsrichter wären da möglich. „Knaak, gelbe Karte“ – „für Sie immer noch Frau Doktor, Schiri“…

3

Sport- und Outdoormarken hängen sich mehr für die Nachhaltigkeit rein

Beim Bezahlen an der Kasse haben wir zwar manches Mal geflucht, aber hier jetzt mal aller Respekt,  liebe Sport- und Outdoormarken. Ihr treibt uns nicht nur zum Bewegen in die Natur (die schönen Sachen wollen ja auch an die frische Luft). Ihr tut auch mehr als andere dafür, dass die Natur erhalten bleibt. Eine Studie von Textile Exchange mit dem Titel „Material Change Insights Report“ zeigte, dass die Zirkularitätsbewertung von Outdoor- und Sportunternehmen im vergangenen Jahr um 57 Prozent stieg. Der Durchschnittsanstieg lag bei lediglich 37 Prozent. Das Wortungetüm Zirkularitätsbewertung bedeutet schlicht, dass die Unternehmen immer mehr erneuerbare Baumwolle und recyceltes Polyester einsetzen. Neben einer verbesserten Umweltbilanz kommt auch die soziale Nachhaltigkeit dabei zum Tragen. Die Outdoor- und Sporthersteller schafften es damit unter die fünf großen Trends des Jahres 2020. Übrigens: Bei Textile Exchange kann man sich als Unternehmen für eine Prüfung für 2021 bewerben, ob man einen wesentlichen Wandel herbeiführt. Wir finden: Nichts wie bewerben und den Beweis dafür antreten – dieser Megatrend hilft uns allen.

4

100 Prozent klimaneutrale Kletterkollektion

Ein prima Beispiel für Nachhaltigkeit bringt Ortovox gerade auf den Weg. Die nächste Alpinkletter-Kollektion ist vollständig klimaneutral. Für das Unternehmen aus Taufkirchen bei München geht es dabei nach eigener Darstellung um eine Gewissensfrage. „Wie kann der Zugang zum Bergsport naturverträglicher gestaltet werden?“ Hinter der von Ortovox darauf formulierten Antwort steckt Öko-Hightech. Da gibt es PFC-freie Jacken, Westen und Hosen, Stoffe aus Hanf- und Bio-Baumwolle oder Kletterrucksäcke aus recyceltem Polyamid. Ortovox verspricht, bei jedem der rund 40 klimaneutralen Produkte auch die Lieferkette zu prüfen und bei nicht vermeidbaren Klimabelastungen eine Kompensation über Climate Partner zu machen. Und ein weiteres Versprechen gibt das Unternehmen – 2024 soll die gesamte Kollektion klimaneutral sein.

5

Basketballer Paul Zipser gewinnt Wichtigeres als einen Meistertitel

Natürlich werden sich die Fans der Basketballer von Bayern München geärgert haben. Die Meisterschaft war in der Finalserie gegen Alba Berlin schnell verloren, ausgerechnet in ihrem heimischen Münchner Audi Dome gab es eine Pleite. Und doch gab es Menschen unter den Münchnern, die vor allem eine tiefe Dankbarkeit am Finaltag empfanden. Denn der große Münchner Star Paul Zipser gewann etwas Wichtigeres als einen Meistertitel – in einer Notoperation konnte sein Leben gerettet werden.

Wie der Hallensprecher im letzten Spiel den Fans in der Halle mitteilte, wurde Zipser wenige Tage vor dem entscheidenden Spiel wegen einer Gehirnblutung notoperiert und konnte gerettet werden. Zipser soll eine angeborene Gefäßmissbildung gehabt haben, die nach Informationen der Münchner „tz“ so erfolgreich entfernt wurde, dass einem Comeback wohl nichts im Wege steht. Die moralische Unterstützung für Zipser war großartig. Münchens Trainer Andrea Trinchieri trug  ein Zipser-Trikot, auch die Reservespieler hatten Leibchen mit Zipsers Nummer 16. Dass der Meistertitel futsch ist, wurde da Nebensache – die vermutlich mehrere Monate dauernde Genesung des früheren NBA-Profis ist Hauptsache.

6

Nach fast 30 Jahren wieder eine deutsche Judo-Weltmeisterin

Als das letzte Mal eine Deutsche Judo-Weltmeisterin wurde, war sie noch nicht mal geboren: Nach fast 30 Jahren ohne WM-Titel gewann Anna-Maria Wagner bei der WM in Budapest die Goldmedaille. In ihrer Gewichtsklasse bis 78 Kilo lag der letzte Titel sogar fast 40 Jahre zurück. „Judo-Deutschland ist in heller Aufregung“, griff Daniel Keller, der Präsident des Deutschen Judo-Bundes, zum ganz großen Jubelschrei. Wir finden, so darf bei einem Finalsieg über die Weltranglistenerste aus Frankreich, Madeleine Malonga, auch gefeiert werden. Und wir freuen uns, nach so langer Abstinenz auch mal wieder Fachbegriffe aus dem Judo-Sport aufsaugen zu können. Denn Wagner gewann „hochverdient mit Waza-ari“, wie uns Ahnungslosen der Judoverband mitteilte. Klar, Waza-ari, das kennt doch jeder…Aber wieder was gelernt: Der Waza-ari ist die zweithöchste Wertung. Und kleines Judo-Einmaleins: 2 mal Waza-ari ist gleich ein Ippon.

7

Sport als Antidepressivum

Für viele Hobbysportler ist Bewegung ein echter Stimmungsaufheller. Nun haben Forscher entschlüsselt, wie Sport molekular gegen Depressionen hilft. Das Zauberwort heißt Laktat. Das Laktat – als Milchsäure noch besser bekannt – wird bei Bewegung produziert. Und wie die Forscher rund um den Neurowissenschaftler Jean-Luc Martin herausfanden, spielt es eine entscheidende Rolle im Gehirn. Dort ernährt es die Neuronen, fördert so die Bildung neuer Neuronen und sichert das Überleben bestehender Neuronen. Diese wiederum nehmen gerade bei Menschen, die an Depressionen leiden, nachweislich ab. Bei Experimenten mit Mäusen setzten die Forscher mit Hilfe von Laktat die Bildung von Neuronen wieder in Gang, das depressiv-antriebslose Verhalten der Mäuse reduzierte sich. Außerdem stellten die Forscher fest, dass das Laktat auch im Zusammenhang mit dem Molekül NADH Depressionen positiv beeinflusst. Die Wissenschaftler wollen nun aus den Ergebnissen Therapieansätze ableiten. Man muss kein Prophet sein, um zu vermuten, dass diese mit Bewegung zu tun haben werden.

Artikel teilen
Autor:
Antonia Wille
Kommentare


Themen dieses Artikels