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7 Days, 7 Good News – Olympia Spezial

LISTICLE | 21.07.2021
7 jours, 7 bonnes nouvelles : une victoire héroïque au Tour-de-France, un lavage de tête pour les ignorants du bonnet de bain et un club de football qui prend position contre le racisme.
Autor:
Antonia Wille

Wir finden: Hin und wieder braucht es gute News. Vor allem aus dem Sport. In unseren Good News von ISPO servieren wir dir jede Woche sieben Nachrichten, die unser – und hoffentlich auch dein – Sportlerherz höher schlagen lassen. Dieses Mal gibt es die Nachrichten als Olympia-Spezial. Mit einer Latein-Lehrstunde, das Warten auf den ersten nackigen Roboter-Flitzer, ein filmreifes Sportler-Comeback und einem Blick ins Jahr 2026.

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Citius, Altius, Fortius – Communiter

Zugegeben, ein bisschen macht ihr uns Angst, liebes IOC. Nicht, dass es dann bei den nächsten Olympischen Spielen in Paris keine Verlierer mehr geben darf und ihr nur noch von erster Sieger, zweiter Sieger, dritter Sieger… sprecht, halt wie im pädagogisch ausgewogenen Kindergarten. Aber diese Sorge soll unser Lob für die gute Nachricht nicht trüben. Citius, Altius, Fortius – Schneller, Höher, Stärker hieß das Motto der Olympischen Spiele seit Pierre de Coubertin, dem Gründer des IOC, des Internationalen Olympischen Komitees. Nun kommt noch ein „Communiter“ dazu – Schneller, Höher, Stärker – Gemeinsam“ ist das neue Motto. IOC-Präsident Thomas Bach sieht darin einen „Fokus auf Solidarität“, einen „Meilenstein“ gar. Kein Wunder, dass Bach so dick aufträgt, stammte die Idee doch von ihm…Wir schenken ihm ein Lob. Aber bitte, liebes IOC, es darf bei lauter Gemeinsamkeit auch weiter Wettbewerb geben.

2

Fehlt nur noch ein Roboter als Flitzer

Wenn beim Speerwerfen ein Roboter nackt als Flitzer durchs Olympiastadion rennt sind wir überzeugt, endgültig der Anpassung der Maschine an den Menschen beizuwohnen. Ob es dazu kommt? Nun, zumindest sollen in Tokio die Roboter ein bisschen von der Atmosphäre erzeugen, die durch das Verbot von Publikum wegen der Corona-Pandemie ausfällt. Miraitowa und Someity standen schon als Maskottchen für die Spiele fest, bevor der Zuschauer-Ausschluss kam. Die beiden sollten das erste Mal bei Olympia dafür sorgen, dass nicht ein bemitleidenswerter Mensch in einem viel zu warmen Maskottchen-Kostüm über die Tartanbahn stolpert. „Die innovativsten Spiele“ ever sollen Miraitowa und Someity ermöglichen. Nun kommt noch eine ganze Schippe drauf.  Die T-HR3, Roboter mit Kopf, Armen und Beinen sollen per ferngesteuerter Kamera die Bewegungen von Zuschauern von außen spiegeln. Und der T-TR1-Publikumsfragen ins Stadion transportieren. Wir sind trotzdem traurig, dass uns die Roboter nun den Rang ablaufen und wir nicht im Stadion sitzen können. Denn wir hatten uns so auf HSR gefreut – der sollte Getränke und Popcorn bis an den Platz liefern. Welch‘ Service – und kein Trinkgeld mehr nötig, yeah…

3

Ein Comeback à la Hollywood

Liebes Hollywood, wehe, ihr lasst euch eine Verfilmung dieser Story entgehen: Owen Wright hat eines der ganz großen Comebacks der Sportgeschichte geschafft. Ein Mann, der dem Tode nahe war und dessen Karriere als Surfer eigentlich zu Ende hätten sein sollen. Aber ein Kämpfer halt, der immer wieder auf sein Board stieg und nun in Tokio seine Heimat Australien beim erstmals olympischen Surf-Wettbewerb vertreten darf. Was für eine Story. Aber ausführlich: 2015 packte eine riesige Welle Wright. Die Welle landete auf dem Kopf des Spitzen-Surfers und schüttelte ihn so durch, dass er ein schweres Gehirntrauma erlitt. Hinzu kam, dass er schon vorher viele kleine Gehirnerschütterungen hatte. Seine Sinne schienen wie ausgehebelt. Er habe kaum laufen können, erinnert sich der 31-Jährige. Aber er habe immer wieder versucht, zum Surfbrett zu kommen. Seine surfverrückte Familie – Schwester Tyler war selbst Weltmeisterin, Bruder Mikey surft auch in der Weltspitze – nahm ihm zu seinem Schutz sein Brett weg und ließ ihn in Ruhe rehabilitieren. Als er erstmals wieder aufs Surfbrett stieg, konnte Wright nicht mehr darauf stehen. Doch nur 15 Monate nach seinem letzten Wettbewerb war er wieder voll dabei und gewann sogar einen Wettbewerb. Und jetzt wird es Tokio. „Olympia war ein großes Ziel von mir“, sein Licht am Ende des Tunnels. Hoffentlich wird es jetzt keine Gold-Medaille – das würde unseren erhofften Hollywoodfilm schon vorweg viel zu kitschig machen.

4

Das britische Olympia-Gesicht ist weiblich

Es gibt noch Luft nach oben, Großbritannien, aber wir wollen mal nicht meckern. Ausgerechnet ein Mann – nämlich der Chef de mission, Mark England, verkündete, dass Tokio 2021 das Jahr des weiblichen Olympia wird. Zum ersten Mal in der 125-jährigen Geschichte schickt Großbritannien mehr Frauen als Männer zu Olympia. 201 Frauen treten an, gegenüber 175 Männern. Er sei stolz darauf, sagt England, der auch mehrere Kandidatinnen für historische Olympiamomente im Team hat. Radrennfahrerin Laura Kenny, Taekwondo-Kämpferin Jade Jones, Ruderin Helen Glover und Reiterin Charlotte Dujardin haben alle das Ziel, als erste Britin bei drei Olympischen Spielen Gold zu gewinnen.

5

Nicht ganz grün, aber doch am grünsten

Nicht ganz grün, aber doch am grünsten – die Veranstalter in Tokio wollen gerne die bisher grünsten Olympischen Spiele veranstalten. Die Elektrizität kommt aus erneuerbaren Energien, die Sportstätten sind alle mit sparsamen LED-Lichtern ausgestattet. Sogar die Siegertreppchen sind aus receycltem Plastik hergestellt, das vorher aus den Meeren geholt wurde. Und das Metall der Siegermedaillen ist aus 6,2 Millionen alten Handys gewonnen worden. Wir lassen das mal so weit als gute Nachricht stehen. Insgeheim sind wir dann aber doch enttäuscht, dass im Vergleich zu London 2012 der erwartete CO2-Ausstoß lediglich von 3,3 Millionen Tonnen auf 2,93 Millionen Tonnen gesenkt werden kann. Und dass diese Olympischen Spiele grüner sein sollen als die vor 100 Jahren – auch das bezweifeln wir irgendwie. Aber immerhin – man hat sich bemüht und wird das auch hoffentlich weiterhin.

6

Die Kappe der guten Hoffnung

Aus einem Streitgegenstand ist nun doch noch die „Kappe der guten Hoffnung“ geworden: Der Schwimmweltverband FINA zog sein Verbot für Badekappen zurück, die wegen ihrer besonderen Passform besonders gut für schwarze Schwimmer zu tragen sind. Die sogenannten Soul Caps dürfen bei den Wettbewerben in Tokio getragen werden. FINA habe nun die Wichtigkeit von Diversity verstanden, teilte der Verband mit. Ganz freiwillig war das allerdings nicht. Erklärhilfe bei diesem Verstehen gab unter anderem eine Online-Petition mit über 43.000 Unterschriften.

7

Skimo wird olympisch

Wir gucken zum Schluss in die Glaskugel und präsentieren stolz eine Premiere im Jahr 2026: Denn dann wird bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo zum ersten Mal das Wettkampf-Bergsteigen, kurz Skimo, olympisch. Die IOC-Entscheidung fiel kurz vor Beginn der Spiele in Tokio einstimmig. Der Präsident des Deutschen Alpenvereins, Josef Klenner, zeigte sich tief bewegt und erfreut. „Die Aufnahme ins olympische Programm ist ein großartiger Schritt in der Entwicklung dieses faszinierenden Sports.“ Es werde damit eine Bergsport-Kerndisziplin olympisch. Soweit, so gut – jetzt hoffen wir aber, dass der Alpenverein seine Sportler auch gut vorbereitet. Denn bislang stehen die deutschen Skimo-Sportler in der Weltcup-Liste unter ferner liefen. Und leider hat auch das Polieren unserer Glaskugel noch keine deutsche Skimo-Medaille 2026 zum Vorschein gebracht, aber wir drücken feste die Daumen und wünschen viel Trainingsfleiß!

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Autor:
Antonia Wille
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