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Days, 7 Good News: Von Bernhard über Boris zu Hany, dem Honey

LISTICLE | 17.11.2021
7 Tage, 7 gute Nachrichten: ein heldenhafter Sieg bei der Tour-de-France, eine Kopfwäsche für die Badekappen-Ignoranten und ein Fußballverein, der sich gegen Rassismus einsetzt.
Autor:
Antonia Wille

Wir finden: Hin und wieder braucht es gute News. Vor allem aus dem Sport. In unseren Good News servieren wir dir jede Woche sieben Nachrichten, die unser – und hoffentlich auch dein – Sportlerherz höher schlagen lassen. Weil die News Spaß machen. Zukunftsweisend sind. Weil sie neue Tendenzen zeigen. Weil sie eine Prise Absurdität in einer viel zu ernsten Welt streuen. Oder weil sie einfach nur Freude bringen. Hauptsache gute Laune, das ist unser Motto in diesem News-Format. Und wir legen auch gleich los. Mit einem Tennis-Boom – fast – wie bei Boris Becker, dem trotz Rücken zu Triumph fähigen Bernhard Langer, Fußballer Hany, dem Honey. Und mit der Lex Hubbard – einer bahnbrechenden Neuregelung des IOC für Transgender-Athlet*innen.

1

Mentale Präsenz bei Olympia mangelhaft

Es lag also nicht an zu engen Schuhen oder zu viel Fast Food: Nach den Flops der deutschen Athlet*innen bei den Olympischen Spielen und Paralympics gibt es jetzt tatsächlich mal eine fundierte Ursachenforschung. Eine miserable mentale Präsenz der Sportler*innen war der Grund für das schlechte Abschneiden, ermittelten Wissenschaftler*innen der Deutschen Sporthochschule in einer Studie unter 1122 Kaderathlet*innen. Von denen gab fast ein Drittel an, in Tokio mental nicht voll präsent gewesen zu sein. Selbst ein Viertel der deutschen Finalist*innen in Tokio machte diese Aussage. Der Vorstandschef der Deutschen Sporthilfe, Thomas Berlemann, hofft jetzt, dass auf die endlich mal erfolgte Ursachensuche der schon seit fast 20 Jahren nachlassenden Erfolge auch bei Trainer*innen und Funktionär*innen die richtigen Antworten folgen. „Deshalb muss man auch die Athleten nach ihren Wünschen und Sorgen befragen, um den Turnaround zu schaffen.“

2

Go for it Hany, honey!

Schweini wollte die US-Fußball-Liga rocken, Hany tut es: Hany Mukhtar ist unter den fünf Kandidaten für den wertvollsten Spieler der Saison der Major League Soccer. Während der frühere FC-Bayern-Star Bastian Schweinsteiger in den USA eher ein Austragsstüberl fand, ist der 26-jährige Berliner in Übersee auf dem Höhepunkt seiner Karriere. An fast der Hälfte der Tore seiner Mannschaft, Nashville SC, war er beteiligt. Vielleicht räumt Mukthar ja jetzt auch noch in den Playoffs ab. Wir drücken die Daumen für Hany, honey (Liebling) des US-Fußballs.

3

Danke, Amnesty International

Das kann nur Amnesty International: Während Fußballfans auf der ganzen Welt darauf gucken, ob ihre Nationalmannschaft sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert, guckt die Menschenrechtsorganisation auf ganz anderes. Ein Jahr vor Beginn der WM in Katar klopft Amnesty den Scheichs auf die Finger. Zwischenzeitliche Fortschritte würden stagnieren. „Alte ausbeuterische Praktiken“ kehrten zurück. Das heißt, dass Arbeitsmigranten weiter ihren Arbeitgebern ausgeliefert sind. Liebe Fifa-Funktionäre, lest doch einfach mal eine Runde den Bericht von Amnesty statt eurer Kontoauszüge! Nicht dass ihr euch wundert, wenn die Boykottaufrufe für die WM doch noch Anhänger*innen finden.

4

Ein Boom wie zuletzt bei Boris Becker und Steffi Graf

Das gab es zuletzt zu den Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf: Zum ersten Mal seit 1995 stieg die Mitgliederzahl im Deutschen Tennis Bund. 1,383 Millionen Tennisspieler*innen zählten die Vereine in diesem Jahr – rund 17.000 mehr als 2020. Damit entwickelten sich die Mitgliederzahlen gegen den Trend der anderen Sportarten innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), wo es wohl wegen Corona sinkende Mitgliederzahlen gab. Tennis sei damit womöglich ein Corona-Gewinner, sagt DTB-Präsident Dietloff von Arnim. „Tennis ist als kontaktarme Sportart, die man zu zweit draußen, und mit viel Abstand betreiben kann, für viele Menschen in diesen schwierigen Corona-Zeiten eine neu- und wiederentdeckte Sportart geworden.“

5

Du hast Rücken? Frag‘ mal Bernhard Langer

Andere haben Rücken und bleiben liegen. Er hat Rücken und wird Champion: Bernhard Langer hat mal wieder bewiesen, warum er eine echte Legende ist. Mit seinen 64 Jahren gewann er trotz Rückenbeschwerden zum sechsten Mal den Charles Schwab Cup, die Saison-Gesamtwertung der Senioren-Golfer im Alter über 50 Jahre. „Sehr dankbar“ sei er, sagte der schon vor Jahrzehnten in den USA zum Star gewordene Deutsche. Dann bedankte Langer sich bei seinem Caddie, seiner Frau, Kindern und Enkelkindern. „Ich bin ein gesegneter Mann und ich bin dankbar dafür.“ Wehmut durfte aber nicht fehlen – denn Langer glaubt, dass in Zukunft die Konkurrenz zu stark für ihn werde und er keinen Titel mehr gewinnen könne. „Es ist wahrscheinlich mein letzter, da bin ich mir fast sicher.“

6

Das St. Pauli des Esports?

Na, wenn sie das auf St. Pauli hören, kann es auch mal Maulschellen geben… Der neue Verein in der deutschen eSport-Szene, Eintracht Spandau, will das „St. Pauli des eSports“ werden. Nun ist die Frage, ob sich rein virtuell am Reißbrett eine Vereins-Mentalität planen lässt? Diese hat der FC St. Pauli als Fußballclub über Jahrzehnte mit seinen Fans entwickelt und verinnerlicht. Aber sei’s drum – wir sind ja auf diese PR-Masche auch reingefallen. Ehrlicherweise gucken wir jetzt mit mehr Neugier auf die nächste eSport-Saison, die im Januar beginnt. Und das echte St. Pauli hat bis dahin hoffentlich weiter Punkte für den Aufstieg in die 1. Liga gesammelt.

7

Mehr Spielraum für Transgender-Athlet*innen

Ob Laurel Hubbard vor Freude ihre Gewichte durch die Luft wirbelt? Immerhin hat sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach den verklemmten Debatten um die Transgender-Gewichtheberin aus Neuseeland während Olympia jetzt mal Gedanken gemacht. Ab dem nächsten Jahr soll Schluss sein mit starren Regeln für Transgender-Sportler*innen. Ein vom IOC veröffentlichter neuer Regelrahmen lässt viel mehr Spielraum für den Zugang von Transgender-Athlet*innen. So soll es kein einheitliches Testosteron-Niveau mehr geben, das getestet wird. Einfach mal anzunehmen, dass Transgender-Sportler*innen einen Vorteil haben, ist auch nicht mehr erlaubt. Leid und psychische Verletzungen der Transgender-Athlet*innenn sollen vermieden werden. Alleine wenn letzteres gelingen würde, kann der Sport einen großen Dienst leisten - dank der Lex Hubbard...

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Antonia Wille
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