Joscha Thieringer
Autor:
Joscha Thieringer

ISPO verhilft Sportunternehmen zu Markteintritt in China

Tmall: „Wie eine gigantische Einkaufsstraße mit 500 Millionen Konsumenten“

Als ISPO-Kunden haben Sportunternehmen den Vorteil, im Aufnahmeverfahren für einen Tmall-Shop schneller berücksichtigt zu werden. Karl Wehner von der Alibaba Group erklärt, was beim E-Commerce in China zu beachten ist.

Karl Wehner (rechts) ist Managing Director von Alibaba für DACH, Osteuropa und die Türkei.
Karl Wehner (rechts) ist Managing Director von Alibaba für DACH, Osteuropa und die Türkei.

Karl Wehner ist bester Laune, als er bei der ISPO Munich von der Bühne steigt. Wo er auftaucht, bilden sich mitunter Schlangen wie bei der Signierstunde eines Bestsellerautors. Wobei sich vor dem smarten Manager nicht aufgeregte Fans mit Buch unterm Arm einreihen, sondern Unternehmensvertreter und Journalisten.

Mit Verlaub, es ist vor allem seine Funktion, die Karl Wehner als Gesprächspartner so interessant macht. Seit Juli 2017 verantwortet er als Managing Director bei der Alibaba Group die Entwicklung von Partnerschaften in Deutschland, Österreich, Schweiz, Türkei und Osteuropa. Und wo immer der Name „Alibaba“ fällt, werden viele Menschen hellhörig. Schließlich ist die Erfolgsgeschichte des chinesischen E-Commerce-Giganten längst in Europa allgemein bekannt.

Leichtsinnig, diese Konsumenten-Gruppe zu ignorieren

Alibaba und seine Plattformen Tmall gehören zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt und haben zu den US-amerikanischen Größen Google und Amazon aufgeschlossen. Ihr Umsatz wird befeuert von einer wachsenden chinesischen Mittelschicht, zu der in Kürze rund 300 Millionen Menschen zählen.

Alibaba: Hohe Nachfrage in China nach Markenartikeln

Sie verlangt nach hochwertigen – und gerne auch hochpreisigen – Markenartikeln. „Die Qualität der Produkte wird den Konsumenten in China immer wichtiger“, erklärt Karl Wehner. „Um ihre Lebensqualität zu steigern, sind die Chinesen gerne bereit, höhere Preise zu zahlen.“

Für international agierende Unternehmen aus Europa wäre es dementsprechend leichtsinnig, eine Konsumenten-Gruppe in dieser Größe komplett zu ignorieren. Doch noch immer tun sich viele Marken mit dem Markteintritt in China schwer. Mit seinen Tmall-Plattformen bietet die Alibaba Group interessierten Unternehmen einen einfachen Zugang zu fast 500 Millionen neuen Konsumenten.

100.000 Chinesen verfolgen die ISPO Munich live

Wer könnte da nein sagen? Tatsächlich kann sich Karl Wehner, dessen Aufgabe der Ausbau der Kooperationen ist, nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Von der jüngst geschlossenen strategischen Partnerschaft mit ISPO, das weltweit führende Sportnetzwerk für Business Professionals und Consumer Experts, profitieren deshalb beide Seiten. „ISPO mit seinen 4000 Kunden und seiner langen Tradition ist eine feste Größe in der Sportindustrie“, erklärt Wehner, „durch die Kooperation erhalten die Marken vereinfachten Zugang zum chinesischen Markt.“

Kleiner Vorgeschmack? „Die ISPO Munich wird auf Tmall Live Broadcasting übertragen“, berichtete Wehner während des Talks in der ISPO Digitize Area, „und die Zahl der chinesischen Kunden, die sich den Stream ansehen, liegt in diesem Moment bei über 100.000.“

Chinesische Kunden verlangen Entertainment

100.000 Chinesen, die sich eine Live-Übertragung von der ISPO Munich ansehen? Kaum zu glauben. „Es gibt einige Dinge, die man über chinesische Konsumenten wissen sollte“, sagt Wehner. „Shopping in China ist Entertainment. Deshalb ist Tmall auch kein einfacher Onlineshop, wie man das hier in Europa kennt. Es ist vielmehr ein Anbieter technologischer Infrastruktur.“

Man müsse sich Tmall „wie eine gigantische Einkaufsstraße mit 10.000 Flagship-Stores“ vorstellen. Rund 500 Millionen chinesische Kunden flanieren regelmäßig durch diese digitale Straße und treten in interessante Stores ein. Sie wollen dann vor allem eines nicht: gelangweilt werden.

Shopping, das müsse in China ein echtes Erlebnis sein. „Content ist deshalb sehr wichtig“, sagt Wehner.

Chinesen shoppen mobil

Und diese Inhalte müssen zwingend für mobile Endgeräte optimiert sein, erklärt Wehner: „China hat beim Konsum einige Entwicklungsstufen übersprungen, also zum Beispiel den Laptop oder das Tablet. Es passiert alles auf mobilen Endgeräten.“

2016 wurden in China rund 780 Millionen Smartphones genutzt, 90 Prozent der Online-Einkäufe würden mobil getätigt, informiert Wehner.

ISPO-Kunden und Alibaba – beide profitieren

„Als Sportbusiness-Netzwerk ist es ISPO natürlich sehr wichtig, wertvolle Verbindungen für unsere Kunden zu knüpfen“, erklärt Tobias Gröber, Director der ISPO Group. „Man muss kein Hellseher sein, um zu sagen, dass China einer der interessantesten Märkte für Wintersport- und Outdoor-Marken ist.“

Die Kooperation mit der Alibaba Group bietet ISPO-Kunden den Vorteil, im Aufnahmeverfahren für einen Tmall-Shop schneller berücksichtigt zu werden.

„Die Themen Gesundheit und Lifestyle – also alles, was mit Sport zu tun hat – erleben in China einen wahren Boom“, sagt Karl Wehner. Bei seinen letzten Besuchen in Guangzouh, der südchinesischen Metropole mit über elf Millionen Einwohnern, hat der leidenschaftliche Radfahrer eine spannende Entdeckung gemacht: „Ich sehe immer mehr Menschen auf Rennrädern durch die Stadt fahren – und zwar auf richtig hochwertigen Bikes.“

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