Autor:
Lars Becker

ISPO Digitize: So profitiert der Sporthandel von digitalen Bezahlmöglichkeiten

Mobile Payment braucht „maßgeschneiderte Lösungen“

Bezahlen mit dem Handy, per App oder an einem Tablet – auch im Sportfachhandel werden diese digitalen Bezahllösungen wichtiger. Deshalb sind bei der Digitalisierung des Handels Mobile Payment und alle digitalen Bezahlmöglichkeiten ein Kernthema. Vor dem ISPO Digitize Summit am 28. und 29. Juni in München erklärt der Experte Jannis Riesz, wie Mobile Payment Sporthändler konkurrenzfähiger macht.

Mobiles Zahlen wird beliebter – eine Chance für Sportunternehmen.
Mobiles Zahlen wird beliebter – eine Chance auch für Sportunternehmen.

Jannis Riesz ist als Vice President der Wirecard Labs Experte für mobile Bezahllösungen, das Unternehmen bietet auch ein One2One-Coaching bei ISPO Digitize an. Im Gespräch mit ISPO.com erklärt er die Vorteile des Mobile Payment für den Sporthandel, welche Rolle das Personal spielt und wie man den Wandel sinnvoll umsetzen kann.

Bezahlprozess sollte in Verkaufsprozess integriert sein

ISPO.com: Wie sollte der Sporthandel beim Thema Zahlungsverkehr aufgestellt sein?
Jannis Riesz: Als Teil der Retail Value Chain bekommt der Zahlungsverkehr immer mehr Bedeutung, denn er ermöglicht dem stationären Sportfachhandel, seine Kunden und deren Bedürfnisse besser kennenzulernen und zu verstehen – also etwa, wer die Stammkunden sind, wer sich für welche Sportarten interessiert oder welche Produkte gerne zusammengekauft werden.

So kann auch zum Onlinehandel aufgeschlossen werden, der bisher immer einen Informations-Vorsprung durch die Nutzerdaten hatte. Der Zahlungsverkehr sollte in der Praxis zwischen den Offline- und Online-Kanälen „seamless“ sein, der Bezahlprozess sollte im Idealfall in den Verkaufsprozess integriert sein und der Handel sollte eine Vielfalt von Karten und auch alternative Zahlarten akzeptieren. Letzteres kann gleichzeitig eine Zielgruppenerweiterung bedeuten, etwa wenn die populären chinesischen Zahlungsmethoden AliPay oder WeChat Pay integriert werden. All dies zusammen kann eine Steigerung der Conversion Rate im Store und online bedeuten.

„Mobile Wallets wie Apple Pay oder Google Pay werden relevanter“

Welche digitalen Zahlungsmöglichkeiten gibt es?
Zum einen natürlich Debit- und Kreditkarten aller Arten und Formen. Dann werden Mobile Wallets, die ins Betriebssystem des Smartphones oder der Smartwatch integriert werden, wie Apple Pay oder Google Pay immer relevanter. Und schließlich – je nachdem, welche Zielgruppen man ansprechen will – auch alternative Bezahlarten wie AliPay, WeChat Pay oder auch PayPal oder Amazon Pay.

Wie lassen sich diese für Einzelhändler umsetzen?
Mit dem richtigen Partner, der in den Bereichen Finance, Payment und Technologie gleichermaßen erfahren ist und die Transformation langfristig begleitet. Außerdem ist die Schulung des Personals wichtig, damit es die verschiedenen Zahlungsmethoden und die Verwendung der damit verbundenen Technologien wie etwa NFC oder QR-Codes beherrscht.

Jannis Riesz ist Vice President der Wirecard Labs – und damit Experte für mobile Zahllösungen.
Jannis Riesz ist Vice President der Wirecard Labs – und damit Experte für mobile Zahllösungen.

Wichtig sind auf Zielgruppen zugeschnittene Lösungen

Für wen ergibt es Sinn - für wen vielleicht nicht?
Die Möglichkeit auf mehr Umsatz durch Digitalisierung im Bezahlwesen macht ohne Frage für jeden Sporthändler Sinn, da am Ende eines Einkaufes immer gezahlt werden muss. Wichtig sind maßgeschneiderte Lösungen, die auf den Verkaufsprozess und die eigenen Zielgruppen zugeschnitten sind. Auch neue Technologien wie zum Beispiel Internet of Things bringen große Chancen mit sich.

Wir haben mit unserem Smart Vending Showcase ein tolles Projekt, welches die Vorteile von IoT, Biometrie und Handsfree Payment verbindet und zeigen damit eine Ergänzung zu den klassischen Kanälen Online oder POS: Um einzukaufen und Artikel in ihren Warenkorb zu legen, brauchen Shopper sich nur vor das Regal zu stellen, ihr Gesicht vom biometrischen Erkennungssystem identifizieren zu lassen und die gewünschten Produkte auszuwählen – das Regal erkennt automatisch, welche Produkte entnommen wurden. Die Änderungen im virtuellen Warenkorb sowie der Zahlungsprozess werden in Echtzeit auf dem Screen über dem IoT-Regal angezeigt. Diese Lösung eignet sich unseres Erachtens besonders gut für die Sport-Branche.

Umstellung ist mit Kosten verbunden

Wie teuer ist die Umstellung?
Wir bieten die meisten Lösungen „out of the box“ an. Die Modularität der Zahlungslösungen ist von hoher Priorität und darauf ist das Wirecard-Portfolio ausgelegt. Natürlich ist eine Umstellung von einer klassischen Kassenlösung auf eine voll digitale, tablet-basierte Lösung, die Kasse, Kartenterminal, Warenwirtschaft und Finanzierungsmöglichkeit in einer App verbindet, mit Kosten für die Store-Infrastruktur und Personalschulung verbunden. Was man sich als Händler vielleicht viel eher fragen sollte: Was kostet es mich unterm Strich, wenn ich jetzt diese Investition scheue?

Kunden an alternativen Finanzierungsmöglichkeiten interessiert

Was erwartet der Kunde?
Der Kunde erwartet ein tolles Shopping-Erlebnis, zu dem auch ein nahtloses Bezahlerlebnis mit dem Zahlungsmittel seiner Wahl gehört. Außerdem spielt, wie schon erwähnt, Personalisierung eine große Rolle, damit der Kunde passende Angebote für seine Lieblings-Sportarten, individuelle Discounts oder beispielsweise die Info erhält, wann das neueste Laufschuh-Modell seiner bevorzugten Sportmarke erhältlich ist. Mit unserer Omnichannel ePOS Suite geben wir Händlern ein leistungsstarkes Tool dafür an die Hand, damit sie umfassende Einblicke über die Bedürfnisse ihrer Kunden auf Basis von Payment-Daten erlangen können und die Kanäle POS, E-Commerce und mPOS verknüpfen können.

So kann die Kundenkonversion erhöht werden, die Abwanderungsraten gesenkt werden oder Voraussagen von zukünftigen Konsumentenverhalten getroffen werden. Ein weiterer Trend, den wir beobachten, ist, dass Kunden auch an alternativen Finanzierungsmöglichkeiten interessiert sind. Egal ob Ratenzahlung oder Kleinkredite, im Vordergrund steht immer die User Experience. Daher arbeiten wir an einem neuen Konzept, welches auch diesen Prozess im stationären Handel digitalisieren möchte.

„Datenschutz und Datensicherheit haben höchste Priorität“

Was sind die Vorteile von digitalen Bezahlmöglichkeiten für Unternehmen und Kunden?
Für Unternehmen sind das vor allem die Zielgruppenerweiterung, eine mögliche Steigerung der Conversion Rate und damit des Umsatzes und die Optimierung der Prozesse. Für Kunden stehen besonders eine erhöhte Flexibilität sowie die Verbesserung und Personalisierung des Services im Vordergrund. 

Wie ist es um das Thema (Daten)Sicherheit bestellt?
Die Gesetzgebung hat mit der Datenschutz-Grundverordnung in Europa hohe Standards für den Umgang mit Kundendaten gesetzt und für Wirecard haben Datenschutz und die Datensicherheit schon immer höchste Priorität. Reguliert von der BaFin, dem Payment Card Industry Data Security Standard und Co. unterliegen wir strenger Kontrolle und halten die höchsten Sicherheitsstandards ein.

„Andere Länder sind in puncto mobiles Zahlen weiter“

Wie wird das Thema Mobile Payment in der Sportindustrie angenommen?
Gut – denn jeder Sporthändler, der heute schon das berührungslose Bezahlen per NFC-Kreditkarte akzeptiert, nimmt auch Mobile Payment an. In Deutschland kommt das Thema zunehmend ins Rollen. Andere Länder sind in puncto mobiles Bezahlen bereits weiter, in einigen Ländern macht es schon einen Großteil aller Zahlungen aus.

Autor:
Lars Becker
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